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Peter Schwenkow begründet Börsenrückzug der DEAG

Auf Nachfrage von MusikWoche erläutert Peter Schwenkow, warum "veränderte Rahmenwerte" die DEAG dazu geführt hätten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Auch verspricht sich der Vorstandsvorsitzende des Konzerns von dem Schritt einen höheren finanziellen Spielraum für "Opportunitäten".

12.01.2021 11:05 • von Dietmar Schwenger
Verspricht sich vom Delisting größeren finanziellen Spielraum: der DEAG-CEO Peter Schwenkow (Bild: Till Brönner)

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Auf Nachfrage von MusikWoche erläutert Peter Schwenkow, warum "veränderte Rahmenwerte" die DEAG dazu geführt hätten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

MusikWoche: Sie haben bislang den Börsengang der DEAG immer als richtige Entscheidung bezeichnet. Aber nun erfordern andere Zeiten andere Maßnahmen, richtig?

Peter Schwenkow: Was man sehen muss, ist die Tatsache, dass keine andere Branche seit zehn Monaten durchgehend Berufsverbot hat. Und dieses Verbot erzeugt dann natürlich auch an der Börse ein gewisses Sentiment. Wir haben es dort mit Investoren zu tun, die mir sagen, sie wissen nicht, wie es mit der Livebranche weitergehen soll. Selbst wenn man denen dann erwidert, dass wir Schnelltests und Impfstoff ohne Ende bekommen, und dass unser Geschäft langsam wieder anlaufen wird, war es uns bislang nicht vergönnt, dass Investoren daran glauben, dass wir wieder die Topwerte von sieben oder acht Euro pro Aktie erreichen. Ganz klar ist jedoch: Ich bereue keinen einzigen Tag der vergangenen 22 Jahre, in denen wir an der Börse waren. Aber wenn sich die Einschätzungen dort und auch die Rahmenwerte verändern, muss man als Unternehmen reagieren.

Gab es weitere Gründe für das Delisting?

Ja, ein zweiter Faktor ist folgende Beobachtung: Wenn wir sehen, dass es für die DEAG im Veranstaltungsmarkt europaweit Opportunitäten gibt, also Unternehmen, an denen wir uns beteiligen wollen, oder Unternehmen, die uns fragen, ob wir uns an ihnen beteiligen wollen, dann brauchen wir, um weiter schnell wachsen zu können, einen verhältnismäßig großen Spielraum. Und der Spielraum, den uns die langjährigen Aktionäre von Apeiron in Erwartung einer Recovery des Veranstaltungsgeschäfts jetzt gewähren, ist so groß, dass wir diesen in absehbarer Zeit in diesem Umfang am Kapitalmarkt gar nicht bekommen hätten.

Ging die Initiative dabei von Ihnen aus oder ist Apeiron an Sie herangetreten?

Lassen Sie mich es so formulieren: Wir haben hier bei der DEAG das Delisting von Axel Springer analysiert und verfolgt. In dem Zusammenhang haben wir uns gefragt, was so ein Delisting der DEAG bringen könnte. Denn letztlich geht es doch darum, was für das Unternehmen richtig ist. Das muss für uns im Fokus stehen. In der Zeit, in der wir zwar ein kleines Licht am Ende des Tunnels sehen, aber noch im Tunnel stecken, müssen wir uns überlegen, wie wir die Mittel bekommen, um strategisch bestimmte Entscheidungen zu fällen. Ich denke da an meinen Lieblingssatz des Springer-CEO Mathias Döpfner im Zusammenhang mit dem Delisting, dass man dann nämlich Moves machen kann, ohne immer darauf achten zu müssen, wie das bei den nächsten Quartalszahlen ankommt. All das haben wir hier gemeinsam abgewogen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es im Interesse der DEAG ist, diesen Weg zu gehen. Und uns geht es im Vergleich mit vielen anderen ja gut. Wir kommen mit einem positiven EBITDA im Jahr 2020 nach Hause. Das hat der Kapitalmarkt aber nicht verstanden - und nun muss er das auch nicht mehr. Im Gegensatz dazu vertrauen uns unsere Investoren völlig. Es macht mich persönlich stolz, dass ich und meine vier Vorstandskollegen langjährige Investoren, die ja schon viel Geld für ihre Beteiligung an der DEAG ausgegeben haben, nun überzeugen konnten, noch einmal richtig viel Geld in die Hand zu nehmen, um unser weiteres Wachstum zu finanzieren und die Gesellschaft zu delisten.

Wie stark war denn Apeiron bislang an der DEAG beteiligt - und wie werden sich die Besitzverhältnisse verändern?

Man kann sagen, dass Apeiron und Galaxy Investment, ein Unternehmen des amerikanischen Milliardärs Mike Novogratz, und meine Familie derzeit zusammen 47 Prozent halten. Wir wollen nun versuchen, so viele Aktien wie möglich einzusammeln, aber da man nicht weiß, wie viele Aktien man letztlich bekommt, kann man noch nicht prognostizieren, wie es am Ende aussehen wird. Tatsache aber ist, dass das deutsche Aktienrecht vorschreibt, dass man bei einem Delisting jedem Aktionär den mittleren Kurs der letzten drei beziehungsweise sechs Monate anbieten muss. Das sind in unserem Fall 3,07 Euro. Und um einmal das Commitment der Investoren aufzuzeigen: Man muss den maximal möglichen Betrag, in unserem Fall rund 30 Millionen Euro, bei der Bafin hinterlegen, damit man das nicht nur ankündigt, sondern auch bezahlen kann.

Kann denn noch irgendetwas schiefgehen?

Nein, Delisting ist Delisting. Sicher ist, dass wir über 50 Prozent kommen, damit können wir die DEAG dann von der Börse nehmen. Das ist unumstößlich.

Nun müssten nur noch die Konzerte zurückkommen. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Vor Mai/Juni sehe ich ehrlich gesagt gar keine Veranstaltungen, bis zum Herbst könnten dann kleine, nationale Veranstaltungen folgen. Im Oktober, November und Dezember sind dann vielleicht erste Arenenkonzerte wieder möglich. 2022 kommen dann die großen Open Airs zurück. Und wenn die Zusagen von Herrn Spahn Wirklichkeit werden, dass alle, die das möchten, bis Ende des zweiten Quartals durchgeimpft werden können, und wenn gleichzeitig die derzeitige Initiative der Bundesregierung zu Impfpässen wirkt, dann können wir mit einem Impfausweis oder einer Bestätigung über vorhandene Antikörper etwa zwischen Deutschland und Mallorca hin und her fliegen - oder eben auf Konzerte gehen. Die Bundesregierung geht also vorweg und wir folgen ihr. Wir werden also den Leuten sagen: Wenn Ihr einen Impfpass oder einen Antikörper-Nachweis habt, kommt Ihr ins Konzert, die anderen müssen zum Schnelltest. Wir sehen und spüren es doch, die Leute wollen zurück in die Konzerte, weswegen sie ja auch alle ihre Karten behalten haben. Konzerte und Musik sind Brot für die Seele - und wir hungern seit zehn Monaten.