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Notizen aus dem Winterschlaf

Aufgrund des Lockdowns hatte sich das Team von MusikWoche in eine etwas längere Winterpause verabschiedet. Doch das Musikgeschäft stand auch zwischen den Jahren nicht so ganz still, wie eine Übersicht über das zeigt, was vom Feste übrig blieb - wenn auch ohne Anspruch auf Vollzähligkeit.

11.01.2021 16:45 • von
Was vom Feste übrig blieb: Till Lindemann ging eine Werbepartnerschaft mit LikeMeat ein (Bild: LikeMeat)

Aufgrund des Lockdowns hatte sich das Team von MusikWoche in eine etwas längere Winterpause verabschiedet. Doch das Musikgeschäft stand auch zwischen den Jahren nicht so ganz still, wie eine Übersicht über das zeigt, was vom Feste übrig blieb - wenn auch ohne Anspruch auf Vollzähligkeit.

Nach dem Jahreswechsel___

Deezer stellte jüngst ein neues Werbeformat für sein Free-Angebot vor: Werbetreibende können fortan die von Deezer selbst kuratierten Playlists für ein exklusives Sponsoring buchen. Die sogenannten "Sponsored Playlists" sollen über die mobile App und den Desktop-Player weltweit verfügbar sein. Als einer der ersten Partner übernahm Marshall Headphones ein Sponsoring für "Poptop" und "Pop All Stars", laut Deezer zwei der beliebtesten Pop-Playlists in Frankreich.

Nach dem Brexit entbrennt ein Streit um künftige Konzerte von europäischen Acts in Großbritannien und von UK-Künstlern in Europa. Während die britische Regierung behauptet, die EU habe eine Regelung abgelehnt, bei der Bands 90 Tage lang ohne Visa in Europa touren dürften, zitiert der "Guardian" eine EU-Stimme, dass es die britische Regierung gewesen sei, die einen solchen Vorschlag nicht absegnen wollte.

Das Lebensmittelunternehmen LikeMeat spannt Till Lindemann für seine Werbung ein, und lässt den Rammstein-Sänger in einem Food-Performance-Film gut fünf Minuten lang Burger mit veganem Hühnchen aus Bio-Sojaprotein verzehren. Nach der Premiere des Clips kamen binnen weniger Tage fast 780.000 Views zusammen.

Der Münchner Hallen- und Clubbetreiber Wolfgang Nöth ist am 10. Januar 2021 im Alter von 77 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Nöth galt als "Hallenmogul", der die Musik- und Veranstaltungszene der bayerischen Landeshauptstadt mit der Theaterfabrik, dem Nachtwerk, den Locations auf dem ehemaligen Flughafengelände in Riem, im Kunstpark Ost und auf dem Optimol-Gelände oder mit dem Zenith maßgeblich prägte. Karsten Schölermann von der LiveKomm würdigt Nöth mit folgenden Worten: "Er war einer der ganz ganz großen im Deutschen Musikclubuniversum. Nun ist er gestorben, mit 77 darf man das. 'Ich wollte die Zahl von 33 Clubs erreichen, für jedes Lebensjahr von Jesus einen Club' - sagt er in einem Artikel von 2015 (da war er auch schon 72). Ich traf ihn nur ein-zweimal in den frühen 80ern in der Theaterfabrik Unterföhring. Mit einem schwarzen 'Edding' umkreiste er Hamburg und die Bayrische Landesgrenze auf einer Landkarte. 'Innerhalb dieser Grenzen kann man noch Geschäfte auf Handschlag machen', sagte er - und hatte mir beigebracht, dass Bayern und Hamburg viel gemeinsam haben..."

"Neues Jahr, neue Music Week" - unter diesem Motto kündigten die Eigner des britischen Branchenblatts am 7. Januar einen Umbruch bei "Music Week" an. Statt wie bislang als Wochenheft soll das Blatt ab Februar als Monatsmagazin erscheinen. Zudem habe man sich von Chefredakteur Mark Sutherland, der "Music Week" seit fünf Jahren leitete, und Senior Staff Writer James Hanley getrennt.

Anfang Januar übernahm Josephyne Stryewski bei der Kick-Media-Tochter Pool Position Management den Posten als Senior Manager Musik. Sie soll die Aktivitäten des Unternehmens im Musikbereich unterstützen und Acts wie Barbara Schöneberger, Sarah Lombardi, Matze Knop, The Dark Tenor oder Ela unterstützen. Hinzu komme die Betreuung des Albatross-Musikverlags sowie die Vergabe und Verwaltung von Sync-Rechten. Josephyne Stryewski arbeitete zuvor sieben Jahre lang in den ehemaligen Kölner EMI-Studios bei Tinseltown Music Productions.

MusicTrace stellte kurz nach dem Jahreswechsel seine Bilanz des Airplay-Chartsjahres 2020 vor: "Blinding Lights" von The Weeknd. Dieser führt demnach das Jahres-Rankings in Deutschland und Österreich an - "mit einem unglaublichen Vorsprung" auf den zweitplatzierten Titel "Breaking Me" von Topic & A7S. "Blinding Lights" kam zudem in der Schweiz auf Platz zwei und stand laut MusicTrace auch an der Spitze der Airplay Jahrescharts Europa.

Der lediglich lokal angebotene Benefiz-Sampler "Laut Stark für Kultur" des Labels 7us hat inzwischen knapp 1000 Exemplare verkauft. "Wenn Menschen im Lockdown nicht mehr zu Konzerten können, dann muss die Musik eben zu den Menschen", so lautet die Idee hinter dem CD-Sampler, auf dem 23 regionale Acts mit insgesamt 153 Musikern 80 Minuten Musik aus der Kreativregion vor Stuttgart präsentieren. Label-Chef Hans Derer, der das Projekt mit ins Rollen brachte, ist stolz auf den Erfolg: "Wir haben nur noch einen sehr kleinen Rest von CDs und werden in den nächsten Tagen bereits 5000 Euro an die Künstler verteilen."

1984 haben Wham! mit Last Christmas einen Hit geschaffen, der sich längst zum modernen Weihnachtsklassiker entwickelt hat. Eine Nummer eins im britischen Wham!-Heimatland aber war der Single nicht vergönnt - bislang. Zum Jahreswechsel 2020/2021- und somit ziemlich genau vier Jahre nach dem Tod von Sänger George Michael an Weihnachten 2016 und mit 36 Jahren Anlauf - reichte es nun doch noch zum Sprung an die Spitze der Singlescharts. Die britischen Chartsermittler der Official Charts Company zählten in der Erhebungswoche bis zum Silvestertag gut 9,2 Millionen Streamingabrufe.

Im Zuge der Corona-Krise etablierte Kontor Records mit dem "Kontor DJ Delivery Service" seit Mitte März 2020 ein Streamingformat. Zum Jahreswechsel stand nun ein Silvester-Special unter dem Motto "All Night Long" mit Jerome auf der Agenda. Über YouTube und Twitch verfolgten mehr als 100.000 Nutzer den Stream.

Ebenfalls an Silvester spielte Sony-Music-Künstler Jean-Michel Jarre ein Virtual-Reality-Konzert in der Notre Dame in Paris. Laut Unternehmensangaben verfolgten 75 Millionen Menschen den Auftritt an ihren Bildschirmen. Die 50-minütige Show unter dem Motto "Welcome To The Other Side" wurde in Zusammenarbeit mit VRrOOm, der Stadt Paris und unter der Schirmherrschaft der UNESCO produziert und lässt sich weiterhin via YouTube abrufen.

Noch vor den Weihnachtstagen____

Am 22. Dezember kündigten die Veranstalter der Amadeus Austrian Music Awards an, dass die 21. Verleihung des österreichischen Musikpreises im September 2021 über die Bühne gehen solle. In welcher Form, hänge indes weiterhin von der Entwicklung der Corona-Situation ab. Zunächst wolle man nun gemeinsam mit dem ORF als TV-Partner "attraktive Show-Konzepte" entwickeln, die dann "situationsabhängig flexibel in Szene gesetzt werden können".

2020 stehe für schmerzhafte Verlust in einem Maße, das sich kaum jemand zuvor habe vorstellen können, schrieb Universal-Music-Konzernchef Lucian Grainge in seiner Weihnachtsbotschaft an die Mitarbeiter des Musikunternehmens: "Wir dürfen niemals das Leid vergessen, das dieses Jahr so vielen Menschen zugefügt hat." Aber auch viele großartigen Leistungen dürfe man nicht vergessen, ergänzte Grainge, und schwenkte um auf die große Bedeutung der Musik: "Die Kraft der Musik in den Dienst des Guten zu stellen, war in diesem Jahr vielleicht wichtiger als je zuvor." Grainge erinnerte an millionenschwere Spenden des Unternehmens und die Bemühungen in Sachen Gleichstellung, um schließlich die Erfolge von Universal Music im internationalen Musikbiz und in der Zusammenarbeit mit zahlreichen Künstlern zusammenzufassen. Sein Fazit: "Wir sind unstrittig die Partner der Wahl für die größten Künstler der Welt in jeder Phase ihrer Karriere." Darauf wolle man 2021 in Hinblick auf Kreativität, Innovationen und kommerzielle Erfolge anknüpfen.

Bereits einen Tag vor dieser Weihnachtsbotschaft hatte die Vivendi-Mutter von Universal Music den zweiten Teil eines Milliardengeschäfts mit dem chinesischen Tencent-Konzern bestätigt. Demnach will ein Tencent-Konsortium noch im ersten Quartal 2021 weitere zehn Prozent an dem im Zuge des Deals auf 30 Milliarden Euro taxierten Musikunternehmen übernehmen. Darüber hinaus plane man weiterhin, Universal Music bis 2022 an die Börse zu bringen und so einen weiteren Minderheitsanteil zu veräußern.

Am Abend des 18. Dezembers stand bei einem live gestreamten Soli-Konzert in Hamburg ein außergewöhnlicher Schulterschluss zwischen Pop und Politik auf der Agenda: Im Club Knust trat Kultursenator Carsten Brosda gemeinsam mit den Betreibern des Fachgeschäfts Michelle Records auf, Christof Jessen und André Frahm, die unter dem Namen Das Weeth Experience seit den frühen 90er-Jahren auch als Band aktiv sind. Brosda las aus seinen Büchern, Das Weeth Experience steuerten den Klangteppich dazu bei. Bei dem Livestream-Konzert kamen binnen rund 45 Minuten mehr als 1900 Euro zusammen, die an die Initiative Deintopf gingen, die im Karolinenviertel warmes Essen an Obdachlose ausgibt.

Am 16. Dezember rief die Live Musik Kommission ( LiveKomm) ihre Mitglieder auf, einen neuen Vorstand zu wählen. Als ersten Vorsitzendenden bestätigten knapp 60 Delegierte dabei Axel Ballreich (Hirsch Nürnberg & Concertbüro Franken). Neu in der Position der stellvertretenden Vorsitzenden ist Julia von Wild (freie Kulturmanagerin und Vorstand des Clubverstärkers Bremen). Nach acht Jahren wechselt Olaf Möller nun in den erweiterten Vorstand und übergibt das Amt des politischen Sprechers an Pamela Schobeß (Clubcommission Berlin & Club Gretchen). Im Amt bestätigt wurde Steffen Kache (Distillery Leipzig), der seit 2018 das Amt des Kassenwarts im geschäftsführenden Vorstand ausübt. Noch vor der Wahl legte der bisherige zweite Vorsitzende Karsten Schölermann das Zehn-Punkte-Papier "Future Love" vor. Darin geht es unter anderem um den Schutz und Erhalt von kulturellen Räumen, aber auch um Diversität auf und hinter den Bühnen. Mit diesem Ausblick in die Zukunft gab Schölermann nach nunmehr acht Jahren an der Spitze des Verbands seinen Rückzug bekannt. Er will aber nach wie vor beratend tätig sein und als Sprecher der LiveKomm innerhalb der Foren Musik- und Veranstaltungswirtschaft tätig sein.

Text: Knut Schlinger, Dietmar Schwenger