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Wann sind die Hallen wieder voll?

Abgesehen von unwirtschaftlichen Kleinstveranstaltungen stehen die großen Hallen seit März leer. MusikWoche fragte Betreibergesellschaften, wie sie bislang durch die Krise gekommen sind, und mit welchen Erwartungen sie ins neue Jahr gehen.

27.11.2020 09:41 • von Jonas Kiß
Steht derzeit leer: das Velodrom in Berlin (Bild: Markus Werner)

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»Sport, Kultur, Feste - seit unserer Gründung als Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart konnten wir uns bislang immer selbst finanzieren«, sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer in. »Die Corona-Pandemie und die damit verbunden Einschränkungen durch die Absage vieler Veranstaltungen, Ausfälle im Vermietungsgeschäft oder im Ticketing haben wir teilweise durch Kurzarbeit kompensiert. Insgesamt werden die negativen Ergebnisauswirkungen in diesem Geschäftsjahr von der Landeshauptstadt Stuttgart ausgeglichen.«

Der Blick ins neue Jahr sei für ihn mit vielen Hoffnungen verbunden. »Wir gehen davon aus, dass im zweiten Halbjahr zumindest eine gewisse Normalität Einzug halten wird. Pläne und Ideen dafür gibt es bereits und auch Erfahrungen mit Hygienekonzepten. Selbstverständlich lassen sich im Eventbereich kleinere, quasi abgespeckte Varianten umsetzen.« Dabei ist Kroll klar, dass dies nur Übergangslösungen sein können, da sie oftmals finanziell mit enormen Einschränkungen verbunden seien. »Wir müssen irgendwann auch wieder in wirtschaftlich relevante Bereiche kommen, sonst sind große Shows, Feste, Konzerte oder internationale sportliche Wettbewerbe nicht möglich oder finanziell darstellbar.«

Auch für Christof Strimitzer, Leitung Marketing & Kommunikation bei Messe Congress Graz (MCG), ist die aktuelle Situation »wahrlich keine einfache und sehr herausfordernd«. Das gelte natürlich für viele Branchen - die künstlerische beziehungsweise die Veranstaltungsbranche treffe es aber wohl am härtesten. »Viele, vor allem Groß-Events sind natürlich abgesagt oder verschoben worden. In unseren Hallen und Veranstaltungsräumlichkeiten steht das Tagesgeschehen somit eher still. Nichtsdestotrotz lag und liegt unser Augenmerk auf den noch durchführbaren Ereignissen. Sei es der Sport, der nach wie vor große Gewichtung in der Gesellschaft hat, oder auch einzelne Veranstaltungen, die in unseren Räumlichkeiten unter Einhaltung aller derzeitigen Bestimmungen stattfinden.«

Wichtig sei es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, mit viel Gespür zu handeln und das Beste aus Situationen wie diesen herauszuholen. Auch wurden MCG Hilfsprogramme wie zum Beispiel die Corona-Kurzarbeitsbeihilfe durch den Arbeitsmarktservice, ein Umsatzersatz für den November 2020 sowie ein staatlicher Fixkostenzuschuss zur Überbrückung der Ausfallzeit zur Verfügung gestellt. »Über diese Unterstützungen sind wir sehr froh, denn dadurch können wir Arbeitsplätze aufrechterhalten und weiterhin die Eventbranche so gut es geht stärken.«

Derweil blickt man in Graz optimistisch und voller Tatendrang in die Zukunft: »Wir sind Emotionen-Dienstleister! In welcher Form dies nächstes Jahr durchführbar sein kann, werden wir sehen - dass wir alles daran setzen, ist aber selbstverständlich. Immerhin sind Herausforderungen da, um sie zu meistern. Sicherheits- und Hygienekonzepte waren natürlich bereits jetzt wichtige Eckpfeiler, um Veranstaltungen überhaupt in Planung bringen und durchsetzen zu können. Diese werden auch für das kommende Jahr weiterhin tragende Faktoren sein, denen wir uns mit großer Sorgfalt und intensiver Bearbeitung widmen werden, um den Veranstaltungsbereich wieder aufleben lassen zu können.«

In München gibt Marion Schöne, Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH, zu Protokoll: »Tatsächlich ist es im Olympiapark München seit Mitte März bedrückend still - nicht nur im Eventbetrieb, der durch das Verbot von Großveranstaltungen bis auf einzelne kleine Veranstaltungen im Sommer gänzlich zum Erliegen gekommen ist, sondern auch im Bereich unserer Freizeit- und Tourismuseinrichtungen.« Diese konnte die Gesellschaft in den Sommermonaten zwar unter strengen Hygieneauflagen und mit reduziertem Zutritt zwischenzeitlich nacheinander wieder öffnen, aber seit 1. November herrscht nun wieder der Lockdown der gesamten Einrichtungen. »Von den diversen Hilfsprogrammen konnten wir dabei bisher nicht profitieren, da wir als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Landeshauptstadt München nicht antragsberechtigt waren. Ob dies für die 'Novemberhilfe' auch zutrifft, ist noch nicht geklärt. Was wir hingegen erhalten, ist das Kurzarbeitergeld, das die angespannte Situation für das Unternehmen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abfedert.«

Rückkehr dauert noch

In die Zukunft schaut Schöne mit gemischten Gefühlen: »Von einem Betrieb, wie wir ihn bisher kannten, sind wir noch weit entfernt. Hier kann man eigentlich nur hoffen, dass der Impfstoff bald zugelassen wird. Aber selbst bei einem optimalen Szenario wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die Impfung ihren gewünschten Effekt erzielen wird.« Von daher spielten Hygienekonzepte weiterhin eine große Rolle, so Schöne weiter. »Trotzdem muss klar sein, dass sich Events, Konzerte oder auch Freizeitbetriebe erst ab einer gewissen Besucheranzahl wirtschaftlich rechnen, und dass Hygienekonzepte beziehungsweise deren Durchführung einen Event nicht billiger, sondern teurer machen. Darum ist es aus meiner Sicht absolut notwendig, zusammen mit der Politik und den Behörden Lösungen zu finden, Veranstaltungen wieder durchführen zu können, um somit die bedrohliche Lage, in der sich die Live-Entertainment-Branche derzeit befindet, zu verbessern.«

Für das Jahr 2021 rechnet der Olympiapark entsprechend mit etwa 30 Prozent der sonst üblichen Umsatzerlöse bei Großveranstaltungen, bei den Freizeit- und Tourismuseinrichtungen geht Schöne von 50 Prozent aus.

Keine Hilfsprogramme

Dieter Otto, Leiter Events bei der Messe Frankfurt und somit für die 15.000 Besucher fassende Festhalle Messe Frankfurt verantwortlich, sagt: »Seit März wurden praktisch alle geplanten Veranstaltungen in diesem Jahr auf spätere Termine, meist im nächsten Jahr, verschoben. Hilfsprogramme stehen uns als Geländebetreiber nicht zur Verfügung«. Otto, hat auch für die nahe Zukunft derzeit nur geringe Hoffnungen: »Durch die behördlich vorgeschriebenen Kapazitätseinschränkungen ist die Durchführung der meisten Veranstaltungsformate derzeit leider weder für den Veranstalter noch für den Betreiber realistisch. Unabhängig davon hat die Messe Frankfurt als Geländebetreiber und als Veranstaltungsprofi ein ausgefeiltes Hygienekonzept mit den zuständigen Behörden abgestimmt, das laufend der aktuellen Entwicklung angepasst wird.« Dabei gehe es um die Einhaltung von Abstandsregeln durch professionelles Crowdmanagement, eine entsprechende Bestuhlungs- beziehungsweise Hallenaufplanung, Belüftung mit 100 Prozent Frischluft sowie angepasste Reinigungsintervalle, ein angepasstes Gastronomiekonzept und die Sicherstellung der Kontaktnachverfolgung. »Hygienekonzepte werden sicher auch im nächsten Jahr eine wichtige Rolle spielen, um Großveranstaltungen umsetzen zu können«, weiß Otto.

Iris Rackwitz, Marketing- und Eventmanagerin bei der Leipziger Betreibergesellschaft ZSL, erzählt: »Am 10. März fand mit James Blunt das letzte Konzert in der Quarterback Immobilien Arena statt. Seitdem befindet sich unsere Veranstaltungshalle im Ruhemodus.« Neben einzelnen Handballspielen des SC DHfK Leipzig mit bis zu 2100 Besuchern sowie der »Restart-19«-Studie konnte ZSL aus bekannten Gründen keinerlei nennenswerte Veranstaltungen durchführen. »Unser Unternehmen nutzt neben dem Instrument der Kurzarbeit die Überbrückungshilfen I und II. Außerdem erhoffen wir uns positive monetäre Effekte durch das kürzlich in Aussicht gestellte Unterstützungspaket der Novemberhilfen, auch wenn die Rahmenbedingungen hierzu zum heutigen Stand noch nicht final vorliegen.«

Effekte dank Studie

»Wir gehen mit der Erwartung ins Jahr 2021, dass wir schrittweise zurück zu einem normalen Veranstaltungsgeschäft im Laufe des Jahres kommen. Insbesondere aus den Erkenntnissen der 'Restart-19-Studie' erhoffen wir uns spürbare Effekte. Es liegen nun verwertbare Informationen vor, unter welchen Rahmenbedingungen professionelle Veranstaltungen während einer Pandemie stattfinden können, so Rackwitz.«

Nun gelte es, Gespräche mit den politischen Entscheidern zu führen, für Vertrauen zu werben und einen Restart der Veranstaltungsbranche schrittweise zu gestalten. »Hygienekonzepte werden uns daher maßgeblich begleiten. Sie werden den Grundstein legen, um Genehmigungen für einen Veranstaltungsbetrieb zu erhalten«, ist sich Rackwitz sicher.

Ihre Kollegin Ellen Giersberg, Leiterin Kommunikation beim Kultur- und Kongresszentrum Jahrhunderthalle in Frankfurt, berichtet, wie man dort auf die Pandemie reagiert hat: »Nach der anfänglichen Neusortierung im ersten Lockdown sind wir direkt mit der Stage Drive Kulturbühne - einer Auto-Kultur-Bühne - rausgegangen und haben es so gut geschafft, uns mit etwas Sinnvollem, Positiven durch die ersten Monate zu bringen.«

Nach dem Sommer war es für die Jahrhunderthalle möglich, die ersten kleinen Veranstaltungen wie Fachmessen oder Märkte in den Nebenräumen durchzuführen, was nun aber seit November auch nicht mehr möglich sei. Zudem beklagt Giersberg: »Als große, private Spielstätte fallen wir bei den meisten Förderprogrammen bisher leider hinten runter. Kurzarbeit ist auch bei uns natürlich an der Tagesordnung.«

Herber Rückschlag

Zugleich erwähnt sie, dass dem Gesundheitsamt schon seit Längerem ein Hygienekonzept mit entsprechendem Bestuhlungsplan von der Betreibergesellschaft vorliege, das ermöglichen könnte, Veranstaltungen in einer gewissen Größenordnung wieder stattfinden zu lassen. »Wir hoffen, zeitnah eine entsprechende Perspektive an die Hand zu bekommen, um auch den Veranstaltern mögliche Planungsgrundlagen anbieten zu können.«

Anja Jöhring, Marketing Managerin König-Pilsener-Arena, schildert, dass die Oberhausener Halle seit dem 15. März keine regulären Veranstaltungen mehr durchführen kann. »Das heißt, uns fehlen Ticketeinnahmen, die Einnahmen aus Gastroverkäufen sowie Mieteinnahmen. Dies ist für uns und auch die gesamte Event- und Veranstaltungsbranche eine herausfordernde Situation. Wir haben in den vergangenen Monaten hart an unserem Hygienekonzept gearbeitet, um unseren Besuchern eine sichere Umgebung zu bieten und Live-Events wieder möglich zu machen.«

Dazu gehörte die Autoarena mit sechs Open-Air-Autokonzerten und der European Darts Champion­ship vom 29. Oktober bis 1. November. Der zweite Lockdown sei nun ein herber Rückschlag für die Arena und die gesamte Branche. »Unser gesamtes Team ist bis Ende des Jahres in Kurzarbeit. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und der Menschen geht natürlich vor, dennoch ist eine gesamte Branche vom Aussterben bedroht.« Die König-Pilsener-Arena gehört zu ASM Global, dem laut eigenen Angaben mit 334 Spielstätten weltweit größten Betreiber von Veranstaltungsstätten; mit einem Netzwerk an Unterstützern und Sponsoren habe man die Zeit bisher überstanden. »Uns fehlt aber, wie allen anderen in der Branche auch, die Planungssicherheit, weil im Moment niemand weiß, wie lange die Veranstaltungsbranche stillsteht.«

Hoffnung auf 2021

Für 2021 ist Jöhring zuversichtlich: »Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr wieder Veranstaltungen durchführen können. Unser Hygienekonzept VenueShield - und damit verbunden die Sicherheit unserer Besucher und Mitarbeiter hat dabei oberste Priorität.« In den vergangenen Monaten habe die König-Pilsener-Arena an verschiedenen Varianten des eigenen Hygienekonzepts gearbeitet - also für eine Kapazität von 2500 Besuchern wie auch auch für bis zu 4100 Gäste. »Die European Darts Championship war die erste Indoor-Veranstaltung mit täglich jeweils 250 Besuchern, die wir mit unserem VenueShield-Hygienekonzept durchgeführt haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Veranstaltungen unter diesen Bedingungen möglich sind.«

Andreas Kuchajda, Geschäftsführer bei der Bochumer Veranstaltungsgesellschaft, zieht eine nüchterne Bilanz: »Wir haben nahezu sämtlichen Umsatz ab März bis zum Ende des Jahres verloren, und diese Entwicklung setzt sich deutlich im Jahr 2021 fort. Nachdem anfänglich Verlegungen von Veranstaltungen und vermehrt Absagen zu bearbeiten waren, folgte die Erarbeitung von Konzepten für Veranstaltungen unter der jeweils geltenden Erlass­lage.« Zudem konnte das Unternehmen als eine kommunale Gesellschaft keine Hilfsprogramme in Anspruch nehmen, habe aber dessen ungeachtet gefragt, was man zum Erhalt der Kultur beitragen könne.

»So bieten wir unter anderem Künstlerinnen und Künstlern die kostenfreie Nutzung der Jahrhunderthalle Bochum inklusive Infrastruktur wie Technik als Kulturraum an. Sämtliche Erlöse verbleiben bei diesem Projekt bei den Kulturschaffenden. Das ist das, was wir direkt umsetzen konnten und können.« Der Gesellschaft sei bewusst, dass man trotz Kurzarbeit und harter Sparmaßnahmen relativ gut abgesichert sei. Entsprechend versuche man, dass möglichst viele von der Infrastruktur und Möglichkeiten profitieren, insbesondere der Bereich Kunst und Kultur. »Es ist das Interesse von Bochum und damit auch von uns, die Kultur lebendig zu halten. Das versuchen wir mit unseren Mitteln unkompliziert, unbürokratisch und schnell zu ermöglichen. Weiterhin hat die Stadt Bochum ein unmittelbares Förderprogramm für die Kultur aufgestellt, und auch unsere Wirtschaftsförderung berät und unterstützt dabei.«

Worst-Case-Szenario

Philosophisch formuliert Kuchajda: »Unsere Haupterwartung ist es, auch weiterhin das Unerwartete zu erwarten. Als wir zu Anfang Februar 2020 Desinfektionsmittel und -spender, Masken und ähnliches beschafft haben, dachten wir noch, wir wären eher paranoid. Aber das Unerwartete, der Shutdown, kam. So werden wir versuchen, weiterhin vorausschauend zu agieren.« Es wäre schön, so der Geschäftsführer weiter, wenn 2021 nicht immer eher die Worst-­Case-Szenarien eintreten würden.

»Aber da sind wir schon optimistisch, dass dies nicht mehr der Fall sein wird, auch wenn wir zu Beginn von 2021 nicht mit einem Normalgeschäft rechnen. Wir können und werden weiterhin auf Erlasslagen reagieren, Hygienekonzepte entwickeln und anpassen. Zudem spielen wir unsere Ergebnisse an die Politik zurück.« Man bereite gleichzeitig aber auch das Wiederanfahren vor und stelle sich auf eine vermutlich andere Branchensituation ein, als es heute der Fall sei. »Es würde uns unglaublich freuen, wenn möglichst viele unserer Partner solange noch durchhalten, auch wenn das mit jedem Monat schwieriger wird.«

Stefan Löcher, Geschäftsführer von Arena Management in Köln, hat vergleichbare Geschichten zu erzählen: »Bis auf die Kurzarbeit, die wir für einen überwiegenden Großteil unserer 450 Mitarbeiter nach wie vor in Anspruch nehmen müssen, haben wir noch keinerlei Unterstützung erhalten. Jegliche Maßnahmen sind aufgrund unserer Mitarbeiterzahl oder anderer Faktoren nicht auf uns anwendbar.« De facto sei ein Großteil der Branche bei den angebotenen Hilfen durch die öffentliche Hand nicht oder nur ungenügend bedacht worden, klagt Löcher. »Wir werden das Betriebsjahr 2020 mit einem Millionenverlust abschließen. Auch unsere Ersatz-Programme, wie 30 Arena-Now-Konzerte und zwei ATP-Tennis-Turniere, ändern an diesem Umstand nichts.«

Hauptsache Hygiene

Seit Beginn der Krise arbeitet die Kölner Lanxess Arena mit umfangreichen Hygienekonzepten, man habe diese sowohl bei den beiden Tennisturnieren als auch bei den über 30 Konzerten mit maximal 2400 Gästen erfolgreich umgesetzt. »Es gab keinen einzigen Vorfall, geschweige denn eine Infektion. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit unseren umfangreichen Maßnahmen sichere Veranstaltungen durchführen können und hoffen, dass wir dies im neuen Jahr möglichst bald wieder mit Besuchern tun dürfen.« Löcher macht eindringlich klar: »Denn in dieser neuen Normalität, in der wir uns befinden, sind wir als sichere Veranstaltungsstätte Teil der Lösung und sicher nicht das Problem! Natürlich erhoffen wir uns von einem Impfstoff und entsprechenden Schnelltests eine möglichst schnelle Einstellung der Einschränkungen im Event-Geschäft und damit verbunden eine Wiederaufnahme unseres Normalbetriebs.«

Kurzarbeit hilft

Für Daniel Hopp, Geschäftsführer der Mannheimer SAP Arena, ist die Corona-Krise »die größte Herausforderung seit dem Bestehen der SAP Arena«. »Wir befinden uns seit März im kompletten Lockdown und haben seither keinerlei Einnahmen. Glücklicherweise haben wir in Deutschland das Instrument der Kurzarbeit, die es uns ermöglicht, alle Arbeitsplätze in der Arena zu erhalten. Wir haben zudem eine Zahlung aus dem Konjunkturpaket erhalten, wofür wir dankbar sind, was uns aber - offen gestanden - wirtschaftlich kaum hilft. Der Liquiditätsabfluss ist ­aufgrund der laufenden Kosten enorm und bereitet uns große Sorgen - vor allem, wenn der Lockdown noch weit ins Jahr 2021 hineinreichen würde.«

Für 2021 versucht er, »grundsätzlich positiv zu bleiben«. »Aber ich weiß, dass Großveranstaltungen sicherlich das Letzte sein werden, was wieder freigegeben wird. Daher werden wir noch einige Zeit im Lockdown verharren müssen und erst schrittweise wieder zurück an die Normalität geführt werden.« Man habe Hygienekonzepte und wäre für eine teilweise Wiedereröffnung gewappnet, betont Hopp. »Aber seien wir ehrlich: Die SAP Arena wurde nicht für 1500 oder auch 3000 Besucher gebaut, sondern für 14.000 Zuschauer, die bedenkenlos und völlig unbeschwert beispielsweise ein Konzert oder ein Eishockeyspiel verfolgen. Daher ruht unsere ganze Hoffnung auf einem baldigen Impfstoff und der damit verbundenen Rückkehr zur Normalität.«

Andreas Adolph, Leiter der ÖVB-Arena, berichtet, dass man auch in Bremen seit Mitte März die Veranstaltungen - bis auf wenige Ausnahmen - auf Null gefahren habe. »Das zeichnet sich auch für den Rest des Jahres 2020 ab. Zwar haben wir schon frühzeitig an Alternativen und entsprechenden Schutz- und Hygienekonzepten gearbeitet, doch schlussendlich scheiterte es bei der Durchführung immer wieder an neuen Verordnungen und den sich ständig ändernden Vorgaben. Dazu kommt die finanzielle Machbarkeit, denn durch zusätzliche Maßnahmen wie Hygienekontrollen entstehen Kosten, die abgewogen werden müssen.«

Alternative Open Air

Für die ÖVB-Arena habe man bereits Schutz- und Hygienekonzepte für verschiedene Veranstaltungsarten entwickelt und zum Teil mit Ämtern abgestimmt. »Aktuell gehe ich allerdings davon aus, dass wir erst im späten Frühling mit kleineren Veranstaltungen in der ÖVB-Arena starten können - natürlich unter Einhaltung strikter Vorschriften wie einer geringeren Besucherzahl, Mindestabstand und dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Einige Veranstaltungen werden sicherlich auch auf unsere Open-Air-Fläche, die Bürgerweide, ausweichen.

Dadurch könnten sich zumindest im Sommer etwas größere Veranstaltungen realisieren lassen.« Sollte es bald einen Impfstoff geben, wäre ab der zweiten Jahreshälfte eine schrittweise Rückkehr zu alten Formaten denkbar, hofft Adolph. »Offen bleibt, ob unsere Gäste dann überhaupt wieder bereit sind, Veranstaltungen mit Menschenmassen zu besuchen.«

Text: Dietmar Schwenger