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IMUC-Vorstände vermissen Rückhalt für die Kultur- und ­Kreativwirtschaft

Der Interessenverband Musikmanager & Consultants (IMUC) wählte jüngst den Vorstand neu und beschloss zugleich, dessen Arbeit nach Ressorts aufzuteilen. Der IMUC-Vorsitzende Wolfgang Weyand sowie die Stellvertretenden Karin Heinrich und Patrick Oginski nehmen im Gespräch mit MusikWoche nun die aktuellen Entwicklungen aus Sicht der Kreativen unter die Lupe.

25.11.2020 10:05 • von
Da war Corona noch kein großes Thema: die IMUC-Mitglieder beim Jahrestreffen im Januar auf Usedom (Bild: IMUC; Studioline; Layout MusikWoche)

Der Interessenverband Musikmanager & Consultants (IMUC) wählte jüngst bei einer Online-Versammlung den Vorstand neu und beschloss zugleich, dessen Arbeit nach Ressorts aufzuteilen. Der IMUC-Vorsitzende Wolfgang Weyand sowie die Stellvertretenden Karin Heinrich und Patrick Oginski nehmen im Gespräch mit MusikWoche nun die aktuellen Entwicklungen aus Sicht der Kreativen unter die Lupe.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die Großwetterlage der Kreativschaffenden in der weiter virulenten Corona-Krise?

Wolfgang Weyand: Die Lage ist aus mehrerer Hinsicht katastrophal. Neben den hinreichend diskutierten finanziellen Ausfällen haben wir es derzeit mit zwei Erkenntnissen zu tun, die wir unmittelbar nicht beeinflussen können: Zum einen ist es die Angst der Menschen, sich trotz stimmiger Hygienekonzepte nicht auf Veranstaltungen trauen, und zum anderen stellen wir als Kultur- und Kreativwirtschaft fest, dass wir eigentlich keine richtige Lobby haben, obwohl wir ja die »drittwichtigste« Branche Deutschlands sind.

MusikWoche: Die Pandemie trifft also vor allem auch die Künstler selbst. IMUC aber blieb in der Diskussion um Hilfsmaßnahmen bislang ziemlich still. Wie kommt das, sind Ihre Klienten etwa nicht betroffen?

Karin Heinrich: Das mag nach außen so gewirkt haben, trifft aber nicht zu. IMUC hat sich schon sehr früh klar positioniert und vor allem darauf hingewiesen, dass es nicht nur um die Künstler, sondern um die gesamte Branche mit all ihren groß- und kleinteiligen Teams geht. Wir haben uns nachdrücklich öffentlich zu den Forderungen des Aktionsbündnisses #AlarmstufeRot bekannt und waren in regem Austausch. Unser Verband, der im Übrigen kontinuierlich wächst, arbeitet aber zu 100 Prozent ehrenamtlich, andere Verbände haben hauptamtliche Geschäftsführungen, die sich dem Thema noch intensiver widmen können. Nebenbei bemerkt hat in der aktuellen Diskussion um die Bedeutung der Kulturschaffenden in unserer Gesellschaft Till Brönner das größte mediale Echo bekommen, der von meiner Vorstandskollegin Kleo Tümmler betreut wird. Eine starke Leistung, wie wir finden!

MusikWoche: Auch beim Schulterschluss der Branche im Forum Musikwirtschaft blieben die IMUC-Berater und Managements außen vor. Mit Absicht? Oder wurden Sie schlichtweg nicht gefragt?

Wolfgang Weyand: Die Gründung des Forums Musikwirtschaft ist eine gute Idee und mit den meisten Verbandsrepräsentanten stehen wir im Austausch. Aber in der Tat sind wir bis heute nicht gefragt worden, ob wir Teil dieses Schulterschlusses sein möchten. Das betrifft allerdings auch einige weitere Verbände. Insbesondere die Organisationen, die sich um die Anliegen der Künstler und nicht deren Verwerter kümmern, sind nicht dabei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

_____»Drei von sieben Vorstandspositionen sind von Frauen besetzt, da kann man in unserer Branche nach vergleichbaren Verhältnissen lange suchen.« Patrick Oginski.

MusikWoche: Die IMUC-Mitglieder haben dem Verband eine neue Struktur verordnet. Glauben Sie, dass diese Neuerungen künftig helfen werden, flexibler und schneller auf aktuelle Entwicklungen am Markt reagieren zu können?

Patrick Oginski: Ehrenamtliche Strukturen sind von der Motivation und der zur Verfügung stehenden Zeit der Vorstände abhängig. Wenn Aufgaben klar verteilt sind, hilft das einer solchen Struktur sehr. Mit der neuen Aufgabenteilung möchten wir vor allem unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, bei Anliegen die richtigen Ansprechpartner zu haben, das lässt sich schon sehr gut an und der neue Vorstand ist schon jetzt ein klasse Team. Übrigens sind drei von sieben Vorstandspositionen von Frauen besetzt, da kann man in unserer Branche nach vergleichbaren Verhältnissen lange suchen.

MusikWoche: Bei der virtuellen Mitgliederversammlung haben Sie außerdem beschlossen, das Gütesiegel des IMUC einer Runderneuerung zu unterziehen. Was bedeutet das inhaltlich, wem bringt das was, und wo soll dieses Gütesiegel künftig sichtbar sein?

Karin Heinrich: Das IMUC Gütesiegel war bereits essentiell beim Gründungsgedanken und ist bis heute elementarer Bestandteil unseres Verbandes. Es steht für die Förderung eines fairen Wettbewerbs und für Professionalität und Zuverlässigkeit des Berufsstands der Musikmanager, der Musikberater und Dienstleister in Deutschland. Es wurde nun zum zweiten Mal zeitgemäß überarbeitet, von der Mitgliederversammlung verabschiedet und ist für alle Mitglieder verbindlich. Diese Verbindlichkeit stärkt die Position der Mitglieder untereinander und strahlt in die Branche aus. Uns ist es wichtig, Interessenkollisionen aufzuzeigen und dort einen Riegel vorzuschieben, wo Beteiligungsmodelle möglicherweise zu Lasten der Kreativen gehen: Transparenz und Fair Play sind gewichtige Eckpfeiler unseres Interessenverbands.

_____»Transparenz und Fair Play sind gewichtige Eckpfeiler unseres Interessenverbands.« Karin Heinrich.

MusikWoche: Apropos sichtbar: Den vom IMUC mit initiierten Domus-Dachverband können wir ganz aus der Kartei streichen, oder?

Wolfgang Weyand: In der Tat. Ein trauriges Kapitel und leider wiederholt ein Beispiel dafür, dass Kreative es in Deutschland nicht vermögen, sich wirkungsvoll zusammenzuschließen. Die gute Nachricht: Es wurden keinerlei öffentliche Gelder für das Projekt ausgegeben und die Abwicklung erfolgt einvernehmlich. Nach wie vor sind wir aber überzeugt, dass es hier einen Dachverband braucht, der die Interessen aller Kreativen vertritt. Es war ein weiterer Versuch - und bestimmt nicht der Letzte.

MusikWoche: Zum Reeperbahn Festival 2018 und 2019 haben Sie im Rahmen des traditionellen IMUC-Treffens dort vor Ort die Herzblut-Medaille verliehen. 2020 aber fiel das aus. Gibt es für dieses Jahr keine Herzblut-Medaille?

Patrick Oginski: Die Absage des Reeperbahn Festivals 2020 hat auch unseren Terminplan durcheinander gewirbelt. Gerade in diesem Jahr hat diese Verleihung eine besondere Bedeutung. Die Herzblut-Medaille 2020 steht bereit, wir hoffen noch immer auf einen günstigen Termin für die Verleihung.

_____»Nur von einem Bruchteil der Künstler werden die alten Vertragsbedingungen akzeptiert.« Wolfgang Weyand.

MusikWoche: Angesichts weiter wegbrechender Tonträgerverkäufe und ausbleibender Gelder aus dem Konzertbereich dürften die Künstler mehr und mehr auf Streamingerlöse angewiesen sein. Hat sich hier seit dem Start der Fair-Share-Diskussion um eine gerechtere Verteilung der Einnahmen aus dem Musikstreaming inhaltlich etwas getan? Ist diese Initiative im Zuge der Corona-Krise versandet?

Wolfgang Weyand: Die Fair-Share Diskussion gibt es ja nun nicht erst seit dem Bericht in der »Bild«-Zeitung, sondern seit vielen Jahren. Sie ist auch nicht versandet, sondern findet täglich in Vertragsverhandlungen mit Verwertungsfirmen für neue Deals statt. Ob es der Sache dienlich war, dass einige Managements öffentlich den Zustand beklagt haben, ohne im Vorfeld Allianzen mit den im Thema involvierten Verbänden zu schmieden, sei mal dahin gestellt. Mittlerweile ist der Informationsstand der Kreativen so weit fortgeschritten, dass nur von einem Bruchteil der Künstler die »alten« Vertrags- und Abrechnungsbedingungen akzeptiert werden. Das Geschäftsmodell ist im Wandel und somit wird sich auch die Verteilung der Erlösströme positiv aus Sicht der Kreativen verändern, da bin ich zuversichtlich. Die von IMUC seit Jahren geforderte Transparenz hält langsam aber stetig Einzug in unsere Geschäftsmodelle, schon allein deshalb, weil die Prozesse transparent sind und es immer mehr Möglichkeiten gibt, Verwertungen nachzuvollziehen und zu kontrollieren.

MusikWoche: Ihr Frühjahrstreffen auf Usedom im Januar dürfte eine der wenigen Branchenveranstaltungen des laufenden Jahres mit vorwiegend physischer Präsenz gewesen sein. Wie planen Sie für 2021?

Karin Heinrich: Unsere jährliche Mitgliederversammlung auf Usedom ist das IMUC Highlight und in der Tat geplant vom 23. bis 25. Januar 2021. Wir hoffen weiterhin auf eine physische Präsenzveranstaltung unter Einbeziehung hybrider Formate, zum Beispiel bei Vorträgen, auch wenn uns klar ist, dass konkrete Planungen zur Zeit leider nicht möglich sind.

Fragen: Knut Schlinger