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Musicube sucht das passende Match für Songs

Das Streamingangebot wird immer umfangreicher, und die digitalen Musikkataloge werden unübersichtlicher. Mit Musicube wollen David Hoga und Agnes Chung die Suche nach Musik besser auf die Bedürfnisse von Labels und Hörern anpassen. Dafür analysiert die Hamburger Firma mithilfe ­Künstlicher Intelligenz die Daten von mehr als 43 Millionen Musikaufnahmen.

16.11.2020 13:08 • von Jonas Kiß
Wollen die Suche nach bestimmter Musik erleichtern: David Hoga (links) und Agnes Chung (Bild: Musicube)

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Das Streamingangebot wird immer umfangreicher, und die digitalen Musikkataloge werden unübersichtlicher. Mit Musicube wollen David Hoga und Agnes Chung die Suche nach Musik besser auf die Bedürfnisse von Labels und Hörern anpassen. Dafür analysiert die Hamburger Firma mithilfe ­Künstlicher Intelligenz die Daten von mehr als 43 Millionen Musikaufnahmen.

Agnes Chung und David Hoga arbeiteten sehr lange beim Musikdatendienstleister Phononet, wo sie sich gut zehn Jahre intensiv mit Musikdaten beschäftigten. »Aber wir haben uns immer gewundert, warum am Ende relativ wenig mit den Daten gemacht wird, wenn es zum Beispiel um die Suche oder andere Features geht«, berichtet Hoga. Aus dem Wunsch heraus, Musik und die Mitwirkenden besser darzustellen und auffindbar zu machen, gründeten Hoga und Chung im Dezember 2019 musicube.Bei Streamingdiensten seien die Suchmöglichkeiten laut Hoga relativ gering. Alles fokussiere sich auf Playlists, die Suche selbst beschränke sich vor allem auf Titel und Künstler. Agnes Chung und David Hoga haben Musikwissenschaft und Informatik studiert. Sie haben sich immer gewünscht, besser bestimmte Musik finden zu können.

Rick Rubin als bestes Beispiel

»Wenn man aber nicht weiß, welchen Künstler man suchen soll, gestaltet sich die Suche sehr schwierig. Unserer Meinung nach sollten Suchen wie 'spiele akustischen Jazz mit Trompete' oder 'spiele Dance Newcomer aus Berlin' heute kein Problem mehr sein«, erklärt Hoga. Als Lieblingsbeispiel nennt er den Musikproduzenten Rick Rubin: »Wenn man Rick Rubin bei einem Streamingdienst oder Shop eingibt, dann findet man in der Regel fast nichts. Rubin hat aber, von den Red Hot Chili Peppers über Eminem bis Johnny Cash oder Slayer unfassbar viel produziert.«

Zielgruppen im B2B-Geschäft

In erster Linie funktioniert Musicube als B2B-Geschäft, letztlich kann aber jeder in der gesamten Verwertungskette davon profitieren. Künstler sind zum Beispiel mithilfe von Musicube nun besser auffindbar.

»In dem gigantischn Katalog von über 50 Millionen Songs ist man aktuell nur sehr schwer sichtbar, wenn man keinen großen Namen hat oder keine große Marketing-Kampagne macht«, sagt Hoga: »Wenn man bei uns Songs über eine viel komplexere Art ausfindig machen kann, wird auch noch etwas gespielt, was vorher niemand auf dem Schirm hatte.« Als zweite Gruppe würden auch die Konsumenten profitieren, weil sie bessere Möglichkeiten hätten, neue und passende Musik zu finden. »Aber unsere Zielgruppe sind auf jeden Fall Unternehmen wie Labels, Streamingdienste sowie TV- und Radio-Sender und Agenturen«, erklärt Hoga.

Mit Sony Music hat Musicube bereits einen ersten wichtigen Kunden gewonnen. Musicube hilft dem Major dabei, in dem sehr großen Katalog tiefe Erkenntnisse zu musikalischen Eigenschaften wie Tempo, Tonart oder Stimmung zu gewinnen, und hat dafür 800.000 Songs analysiert. Innerhalb der Branche gibt es bei den Kunden von Musicube sehr unterschiedliche Anwendungsfälle. Ein ganz großes Thema sei derzeit etwa das Playlist-Pitching.

»Dabei bieten wir eine Hilfestellung, um gute Matches zwischen Songs und Katalogen herzustellen, und um herauszufinden, in welcher Playlist man einen Künstler am besten ins Rennen schicken kann«, so Hoga. Denn derzeit wollen alle Bands auf die wichtigsten Playlists kommen, und Musicube könne identifizieren, welche Songs in welche Listen passen. Die künstliche Intelligenz analysiert dafür die Playlists und schaut welche Songs aus dem Katalog eines Labels sich jeweils eignen würden. Die künstliche Intelligenz bildet das Herzstück der selbst entwickelten Software. Sie hilft dabei, die Audiodateien zu kategorisieren und zu verschlagworten sowie die Daten auf Übereinstimmungen zu vergleichen und Verbindungen herzustellen.

Ausbau des Teams und Investitionsrunden

Aktuell setzt sich Musicube aus vier festen Mitarbeitern mit einem größeren Netzwerk an freien Mitarbeitern in ganz Mitteleuropa zusammen. Die Firma wächst stetig und ist auf der Suche nach neuen Talenten, um das Team weiter auszubauen.»Wir haben zwar mit den ersten Kunden jetzt Umsätze, aber aufgrund der hohen technischen Aufwände im Bereich KI trägt es sich finanziell noch nicht«, erläutert Hoga: ­»Deswegen holen wir Investoren an Bord. Wir sind gerade dabei, eine erste Investitionsrunde zu schließen. Ende des Jahres wollen wir eine größere Runde starten und führen derzeit Gespräche mit Risikokapital­gebern.«