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Future Of Festivals gestartet

Mit den ersten Panels hat am 13. November die Digitalkonferenz Future Of Festivals begonnen. Neben einem Kurzinterview mit Holger Hübner (Wacken) und einer Keynote von Fruzsina Szep (Goodlive) gab es auch bereits Runden über "Festivals im Zeiten der Pandemie".

13.11.2020 13:58 • von Dietmar Schwenger
Meldete sich aus Wacken für Future Of Festivals: Holger Hübner (Bild: Screenshot, Future Of Festivals)

Mit den ersten Panels hat am 13. November 2020 die Digitalkonferenz Future Of Festivals begonnen. Gleich zu Beginn hatten die Veranstalter von der Agentur Fuchs & Hirsch große Namen aufgeboten. In einem vorab aufgezeichneten Kurzinterview sprach Holger Hübner vom Wacken Open Air auf die Aufgaben der Veranstalter, der Politik zu zeigen, dass man sicher und unter Einhaltung aller Regeln Events auszurichten. "Wichtig ist, dass wir der Politik an die Hand geben, ja, so kann es gehen."

Hübner kritisierte zugleich, dass die Politik zu wenig tue: "Die Kultur ist am Arsch", formulierte der Metalexperte. Ein Problem sei es auch, dass es zu viele Verbände gebe, die nicht mit einer Sprache sprechen würden. Zugleich säßen die Verbände nicht - wie andere Lobby-Organisationen - "den Politikern auf dem Schoß". Sein Traum wäre, dass es bald im Livebereich so weitergehe wie 2019 - "mit 100.000 Fans vor Ort". Er sorge sich, gerade von angesichts älter werdender Headlinern, dass man nicht mehr so viel Zeit habe, um noch Jahre auf eine Rückkehr der Festivals zu warten.

In ihrer Keynote gelang es Fruzsina Szep von Goodlive wieder einmal, emotionale Worte zu finden. "Die Branche liegt am Boden, ich spüre Angst und Verzweifelung. Aber aufgeben ist keine Option", sagte die Festivaldirektorin von Superbloom, die dann die von Yourope-Festvalinitiative Take A Stand vorstellte, die sich um soziale und politische Botschaften bemüht.

Um die aktuelle Lage ging es dann beim ersten großen Panel, "Festivals in Zeiten der Pandemie", der wie die übrigen Diskussionsrunden live in Berlin mit zum Teil physisch anwesenden Sprecher sowie zugeschalteten Panelisten über die Bühne ging. "Die Politik darf die Veranstalter nicht stigmatisieren", sagte Tanju Boerue als Produktionsleiter des Reeperbahn Festivals, der von den positiven Erfahrungen der diesjährigen Ausgabe des Hamburger Festivals erzählte. Dort habe man bewiesen, dass man solche Veranstaltungen sicher durchführen könne.

Gleichzeitig räumte Boerue ein, dass man unter Pandemie-Bedingungen nicht wirtschaftlich arbeiten könne. "Weil das Reeperbahn Festival politisch gewollt war, hat die Politik uns auch unterstützt. Aber das große Geld kann man derzeit live nicht verdienen. Das bedeutet zugleich ein Neudenken für Künstler, Manager und Agenturen."

Das sah Fabian Fabian Ströbel vom Electrisize Festival in Erkelenz ähnlich. Das Festival konnte dank eines neuartigen Konzepts und stark reduzierter Besucherzahlen stattfinden, sei aber "nicht extrem wirtschaftlich". Allerdings konnte man wegen des Festivals das zehnköpfige Team für zwei Monate aus der Kurzarbeit holen.

Über grundsätzliche Fragen der Zusammenarbeit mit Marken bei Festivals ging es bei "Die Festivalseele verkaufen oder gute Partnerschaften" aufbauen. Unter anderem berichteten Michael Frohoff (Kruger Media) und Sebastian Kahlich (Ticketmaster) von guten wie schlechten Erfahrungen. Entscheidend sei, da waren sich alle Panelisten einig, dass Festival und Marke zueinander passen müssten und dass man auf Augenhöhe miteinander kommunzieren sollte, auch wenn die Telekom mit einem kleinen Indie-Festival spreche.

Kommunikation war auch das Thema in der Keynote von Martin Juhls von der Initiative Kulturkommunikation aus Dortmund. Er betonte, dass sich die Ausgangslage für Festivals und ihre Kommunikationsstrategien wegen der Pandemie geändert habe. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass ab Tag X irgendwann so weiter geht wie früher." Es gebe keine Garantien mehr, ob eine Konzert oder ein Festival zum angekündigten Zeitpunkt überhaupt stattfinden könne. Deswegen sei es so wichtig für die Veranstalter, Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Und das könne man nicht, indem man zehnseitige Sicherheitskonzepte auf der Homepage veröffentliche.

Auch bei der öffentlichen Kommunikation müsse man als Festivalveranstalter neue Wege gehen, so Juhls weiter. Zwar sei es politisch wichtig, mit Demonstrationen und Mitteilungen auf die Notlage der Branche aufmerksam zu machen, noch wichtiger sei es jedoch, bei den potenziellen Ticketkäufern wieder das Festival-Feeling zu entfachen, indem man durch Bilder oder Videos zeige, dass Festivals ein Ort der sozialen Begegnung sei und dass hier die Erinnerungen für ein ganzes Leben geschaffen würden.

Future Of Festivals läuft mit weiteren Panels und Diskussionen, die neben den vorab aufgezeichneten Inhalten unter anderem live aus dem Berliner Club Gretchen kommen, noch bis zum 14. November.