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Lieberberg und Michow wollen Perspektiven für Livebranche

Bei einem Panel bei der Hybrid-Konferenz Most Wanted: Music trafen BDKV-Präsident Jens Michow und Live-Nation-Chef Marek Lieberberg aufeinander. Während Michow fürchtet, dass erst 2023 eine Normalität zurückkehren könnte, ruft Lieberbeg verstärkt nach einem Dialog mit der Politik.

04.11.2020 12:46 • von Dietmar Schwenger
Diskutierten virtuell bei Most Wanted: Music: Jens Michow (links) und Marek Lieberberg (Bild: Screenshot, Most Wanted: Music)

Bei einem Panel bei der Hybrid-Konferenz Most Wanted: Music trafenBDKV-Präsident Jens Michow und Live-Nation-Chef Marek Lieberberg am 4. November 2020 virtuell aufeinander. Während Michow fürchtet, dass erst 2023 eine Normalität zurückkehren könnte, ruft Lieberberg verstärkt nach einem Dialog mit der Politik.

Konkret ging es auch um die staatlichen Hilfen für die Livebranche, bei der Lieberberg von das "Neustart Kutur"-Programm als "Missgeburt" bezeichnete und von einem "bürokratischen Labyrinth" sprach. "Wir brauchen endlich einen Dialog mit der Politik und den Behörden, um eine Perspektive für eine schrittweise Wiederöffnung zu finden."

Lieberberg bedankte sich zudem explizit bei Michow für dessen "unermüdliches Engagement" und gab ihm auch recht, dass die Rückkehr zu einer Normalität lange dauern könnte. Er sei skeptisch, ob im Mai/Juni 2021 Festivals schon wieder in der gewohnten Form stattfinden könnten.

Michow verwies darauf, dass alle Perspektiven für eine Neuöffnung letztlich hypothetisch seien, Wichtig ist, dass alle Veranstalter diese Krise überleben und auch künftig ihre Familien ernähren könnten. Dafür sei man auf staatliche Hilfen angewiesen. Zwar wisse die Politik inzwischen, wie es der Veranstaltungswirtschaft wirklich gehe, aber die Politiker könnten so kurzfristig nichts an dem juristischen Regelwerk und am übergeordneten politischen Rahmen ändern, damit die Hilfen in der Praxis greifen können.

Beispielhaft nannte er eine Zahl von nur zehn Anträgen, die derzeit genehmigt seien, 30 Prozent der gestellten Anträge würden gegen europäisches Recht verstoßen. In dieser Lage bliebe nur, das Beste daraus zu machen oder den politischen Rechtsrahmen zu ändern. Dennoch sei ihm klar, dass es ein Unternehmenssterben geben werde, eine bestimmte Schicht von Veranstaltern werde es mittelfristig nicht mehr geben.

Lieberberg, der vorübergehend wegen technischer Probleme nicht zu verstehen war, pflichtete dem bei. Er konstatiert bereits eine "Erosion der Infrastruktur", verschiedene Firmen in dem Bereich seien in einem "Zustand des Elends", manche seien bereits insolvent. Der Kritik, dass große Corporate-Unternehmen die Krise ausnützen würden, um etwa kleinere Unternehmen aufzukaufen, widersprach er. "Die Situation trifft alle, unabhängig von Konstellationen."

Michow sieht das ebenso: "Kleine Firmen haben vielleicht kleinere Probleme, große Unternehmen große Probleme. Ich kenne Fälle, in denen Joint-Venture-Partner, die bei anderen Unternehmen eingestiegen sind, nun selber Hilfe brauchen, um weitermachen zu können."

Lieberberg machte sich für "unbürokratische Maßnahmen" stark und verwies noch einmal auf sein geplantes Konzert in Düsseldorf, das die Politik trotz Übererfüllung aller Hygieneregeln verboten habe. "Wir brauchen Fachleute auf beiden Seiten, die sich an einen Tisch setzen und umsetzen, was laut den Medizinern möglich ist - nämlich Konzerte mit Masken und Abstand. Sich einfach nur von Verbot zu Verbot, von Beschränkung zu Beschränkung zu hangeln, geht nicht."