Unternehmen

Kulturrat schreibt Offenen Brief an Till Brönner

Mit Till Brönner meldete sich jüngst ein renommierter Vertreter der Musikwelt zu Wort, und fand mit seiner Position zur Corona-Krise den Weg bis hin ins öffentlich-rechtliche TV. Beim Deutschen Kulturrat hörte man die Botschaft zwar gern und unterstützt sie auch, Geschäftsführer Olaf Zimmermann aber fühlt sich offenbar dennoch nicht ganz wohl in der Situation, wie ein Offener Brief an den Künstler zeigt.

29.10.2020 14:50 • von
"Lieber Till Brönner": Olaf Zimmermann will mit einem Offenen Brief an den prominenten Künstler klarstellen, dass die Kulturbranche sehr wohl über Interessenvertreter verfügt (Bild: kulturrat.de)

Mit Till Brönner meldete sich jüngst ein renommierter Vertreter der Musikwelt öffentlich zu Wort, und fand mit seiner Position zur Corona-Krise den Weg bis ins "heute journal" als einer der großen Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Beim Deutschen Kulturrat hörte man die Botschaft zwar gern und unterstützt sie auch, Geschäftsführer Olaf Zimmermann aber fühlt sich offenbar dennoch nicht ganz wohl in dieser Situation, wie ein Offener Brief an den Künstler zeigt.

Zunächst dankt Zimmermann noch Till Brönner mit Bezug auf dessen Videobotschaft für sein "deutliches Statement zu den bedrückenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kulturbereich". Es sei "sehr wichtig, dass die unmittelbar Betroffenen sich deutlich zu Wort melden", betont der Kulturrats-Geschäftsführer und ergänzt, dass er sich "fast allen" Ausführungen anschließen könne: "Der jetzt beschlossene neuerliche Lockdown für den Kulturbereich ist sehr schmerzhaft und für sehr viele Kulturschaffende existenzbedrohend." Deshalb ringe der Kulturrat mit der Politik darum, "zumindest eine einigermaßen angemessene finanzielle Entschädigung sicher zu stellen". In diesem Zusammenhang verweist Zimmermann darauf, dass der Kulturrat "wichtige Unterstützungsmaßnahmen für den Kulturbereich" angeregt habe, wie "das eine Milliarde Euro große spezielle Kulturinfrastrukturprogramm Neustart Kultur".

Gerade vor diesem Hintergrund aber stößt dem Kulturrat eine Einschätzung Brönners ganz offenbar sauer auf: "Auch deshalb haben mich Ihre Äußerungen über die fehlende Interessenvertretung im Kulturbereich sehr irritiert", schreibt Zimmermann, und zitiert Brönner, der gesagt hatte, dass die Veranstaltungs- und Kulturbranche "noch immer zu leise" sei, "weil wir keine ernstzunehmende Gewerkschaft haben".

Das sieht Olaf Zimmermann ganz anders: "Der Kulturbereich hat gute Interessenvertretungen, allein den acht Sektionen des Deutschen Kulturrates gehören 261 Bundeskulturverbände an, das sind Berufsverbände, Gewerkschaften, Verbände der Kultureinrichtungen und Kulturwirtschaftsverbände, die mit großem Engagement die Interessen ihrer Mitglieder vertreten", betont der Kulturrats-Geschäftsführer., ohne den Musikrat explizit zu nennen. Zudem nutzt Zimmermann seinen Vorstoß als einen Appell an Brönner und andere prominente Künstler: "Aber natürlich könnten die Berufsverbände und Gewerkschaften sicher noch mehr Gehör in der Politik und in der Öffentlichkeit erhalten, wenn mehr bekannte Künstlerinnen und Künstler sich in diesen Verbänden engagieren und Verantwortung übernehmen würden." Vor diesem Hintergrund freue er sich auf Brönners "zukünftige Aktivitäten in einem der Kulturverbände oder vielleicht wollen Sie sogar einen neuen Verband gründen. Wie auch immer, gemeinsam sind wir noch stärker".

Text: Knut Schlinger