Medien

Brönner gibt im Gespräch mit Braun den Kulturbotschafter

Per Video hatte Till Brönner kurz vor dem neuen Lockdown für weite Teile des Veranstaltungsgeschäfts auf die dramatische Lage einer Branche mit über 1,5 Millionen Beschäftigten aufmerksam gemacht. Diese Botschaft hörte man auch beim ZDF, und lud den Trompeter ins "heute journal". Dort traf Brönner auf Kanzleramtschef Helge Braun.

29.10.2020 11:05 • von
Tauschten Positionen zur Lage von Kunst und Kultur in Zeiten der Corona-Krise aus: Till Brönner (oben) und Helge Braun mit Moderatorin Bettina Schausten im "heute journal" (Bild: zdf.de/nachrichten/heute-journal, Screenshot)

Per Videobotschaft hatte Till Brönner kurz vor der Bestätigung des neuen Lockdowns für unter anderem weite Teile des Konzert- und Veranstaltungsgeschäfts auf die dramatische Lage einer Branche mit über 1,5 Millionen Beschäftigten aufmerksam gemacht. Diese Botschaft zur Corona-Krise hörte man auch beim ZDF, und lud den Trompeter als Botschafter der Kultur- und Kreativwirtschaft am Abend des 28. Oktober 2020 ins "heute journal". Dort traf Brönner per Videoschalte unter anderem auf Kanzleramtschef Helge Braun.

"Man darf nicht vergessen, dass wir schon seit Februar komplett kaltgestellt sind, aus Gründen, die man natürlich nachvollziehen kann", sagte Brönner in der derzeit noch in der Mediathek verfügbaren Sendung auf die Frage, was denn die erneute Zwangspause für Künstler und ihre Partner bedeute. Zwar seien auch die aktuellen Maßnahmen wieder verständlich, aber dennoch eine erneute Hiobsbotschaft für die Branche, "zumal die Gelder nicht so ankommen, wie es einmal eingeplant war". Im Land der Dichter und Denker werde eine ganze kulturell wichtige Branche vergessen und ein ganzer Berufszweig zum Schutze der Allgemeinheit gezwungen, die Arbeit für wahrscheinlich mehr als ein Jahr ruhen zu lassen, kritisierte Brönner: "Und wenn man das für die Allgemeinheit tut, dann müsste doch diese Allgemeinheit dafür sorgen, dass diese Branche nach Corona noch lebt." Danach aber, so bilanzierte Brönner, sehe es aktuell nicht aus.

Kultur sei wichtig, konterte der aus Berlin zugeschaltete Kanzleramtschef Helge Braun, und verwies auf die Neustart-Gelder in Höhe von einer Milliarde Euro, die über den Sommer unter anderem dafür sorgen sollten, kulturelles Leben wieder aufzubauen. Im November aber gehe das angesichts der Entwicklung nicht, er sei allen dankbar, dass sie "für die Gesundheit und die Wirtschaft in unserem Land" die privaten Aktivitäten "für diesen einen Monat" zurückfahren: "Und weil ich absolut einsehe, dass dadurch diese Branche besonders belastet ist, werden wir in diesem Monat etwas machen, was wirklich noch nie da war: 75 Prozent dessen, was man im letzten Jahr im November an Umsatz gemacht hat, werden wir von staatlicher Seite erstatten."

Braun ergänzte: "Ich glaube, kaum ein Künstler rechnet damit, dass ihm dieser November 75 Prozent des Vorjahres an Umsatz eingebracht hätte. Also ich glaube, das ist jetzt jedenfalls für den November ein wirklich gutes Angebot." Braun räumte zudem ein, dass die bisherigen Hilfsprogramme auf die Situation von Soloselbstständigen ohne Fixkosten "schlecht gepasst" hätten, deshalb solle nun eine "Pauschalierung auf Grundlage des Umsatzes erfolgen". Brauns Hoffnung: "Ich glaube, dass diese Programm sehr schnell, sehr einfach gerade den Künstlern deutlich mehr hilft, als die Programme, die wir bisher hatten."

Text: Knut Schlinger