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CISAC prophezeit Einnahmeverlust von 3,5 Milliarden Euro

Die CISAC rechnet für das Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise mit 3,5 Milliarden Euro weniger Einnahmen für die Verwertungsgesellschaften. CISAC-Präsident Björn Ulvaeus fordert die politischen Entscheider zum "Aufwachen und Handeln" auf. GEMA-Chef Harald Heker pflichtet ihm bei angesichts der "dramatischen" Situation.

28.10.2020 08:00 • von Frank Medwedeff
Fordert mehr Unterstützung seitens der Politik ein: Björn Ulvaeus (Bild: Byline_TT News Agency,_Zap PR)

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Die weltweiten Tantiemen für Kreateure von Musik, audiovisuellen Werken, Visual Arts, Theaterstücken und Literatur werden in diesem Jahr vermutlich um 35 Prozent oder gut 3,5 Milliarden Euro zurückgehen, wie der "Global Collections Report" der CISAC, des internationalen Dachverbands der Verwertungsgesellschaften, ausweist.

Tantiemen aus Konzerten, von Spielstätten und öffentlichen Aufführungen sind demnach besonders von der Pandemie betroffen und werden im Gesamtjahr 2020 laut CISAC um 60 bis 80 Prozent zurückgehen. Neue Lizenzmodelle wie das Live-Streaming seien zwar für die digitalen Erlöse hilfreich, aber dies könnte bei weitem nicht die Verluste im klassischen Livegeschäft kompensieren.

Die Einnahmen für Songwriter und Komponisten werden wohl für 2020 um 1,8 bis 3,1 Milliarden Dollar zurückgehen, was einem Verlust zwischen 20 und 35 Prozent im Vorjahresvergleich entspreche.

Die CISAC prophezeit zudem, dass sich die Pandemie weit ins Jahr 2021 heinein und darüber hinaus auswirken werde. Quer durch alle Repertoirebereiche werden die Tantiemeneingänge demnach unter dem Niveau von 2019 liegen, und viele kreative Akteure seien von Zahlungsschwierigkeiten und Insolvenzen bedroht.

2019 hatten die unter dem Dach der CISAC agierenden Verwertungsgesellschaften weltweit anhand eines Wachstums um 7,4 Prozent erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro überschritten. Im Musikbereich betrug der Zuwachs 2019 sogar 8,4 Prozent.

Die Verluste 2020 für den Sektor Musik alleine wie auch insgesamt für alle Segmente machten laut CISAC fünf Jahre kontinuierlichen Wachstums seit 2015 zunichte.

Der Bericht unter dem Titel "Covid-19: Crisis, Resilience, Recovery" zeigt, wie die Pandemie die Kreativen trifft, und analysiert die anhaltenden Effekte ihrer Einnahmen bis ins Jahr 2021 hinein. Der Report dokumentiert zudem unter anderem die Maßnahmen der CISAC-Mitgliedergesellschaften, dem Niedergang entgegenzuwirken, mit Fallstudien aus Australasien, Brasilien, Kolumbien, Frankreich, Marokko, Norwegen, Spanien, Großbritannien und den USA und bekräftigt das Bedürfnis nach weiteren Maßnahmen von politischer Seite, um den kreativen Sektor zu unterstützen.

CISAC-President Björn Ulvaeus schreibt: "Heute ist die Unsicherheit der Kreativen, was ihre Zukunft anbetrifft, sogar noch größer als zu Beginn der Pandemie. Millionen von Kulturschaffenden verlieren ihre Lebensgrundlage. Wir waren die erste Industrie, die betroffen war, und wir werden die letzte sein, die gesunden kann."

Ulvaeus ergänzt: "Die Kreativen sind innovativ, unternehmerisch und widerstandsfähig, aber um einen Pfad aus der Krise zu bauen, müssen wir uns an die Regierungen wenden. Dabei geht es nicht nur um Nothilfefonds, so willkommen diese auch sein mögen. Die politischen Entscheidungsträger müssen auch die eminenten Probleme anpacken: die erheblichen Fehler, die das Spielfeld der Kreativen über so viele Jahre in eine Schieflage gebracht haben. Covid-19 ist nicht die Ursache für dieses aus der Balance geratene Spielfeld. Aber das Virus hat die Lage mit Sicherheit verschlimmert und verschärft. Nun ist es Zeit für die Regierungen, zu zeigen, dass sie die Kreativindustrien ernst nehmen. Es ist an der Zeit, dass die Entscheider aufwachen und handeln."

CISACs Director General Gadi Oron verlautet: "Vorausschauend reflektiert dieser Report die außerordentlliche Anpassungsfähigleit unseres Sektors, aber noch keine Erholung. Die Dinge werden für die Kreativen erst noch schlechter laufen, bis es besser wird. Den Einnahmeverlusten 2020 werden auch 2021 reduzierte Umsätze folgen. In dieser Krise haben die Mitgliedergesellschaften der CISAC mit allen verfügbaren Mitteln gehandelt, um ihre Kreativen zu verteidigen. Während die gegenwärtige Krise die Fragilität des gemeinschaftlichen Managementsystems offenbart, zeigt sie gleichzeitig die vitale Bedeutung ihrer Arbeit für die Kreativen."

Marcelo Castello Branco, CISAC Board Chair, kommentiert: "Dieses Jahr sind wir alle in eine äußerst kritische Lage geraten. Die Coronavirus-Pandemie hat unser globales Wachstum umgedreht, und ihre Effekte werden 2021 und 2022 hindurch noch zu spüren sein. Diese leidige Periode ist nicht zu Ende, aber wir bauen alle Brücken dahin, was auch immer kommen wird, und bleiben dabei positiv, aufmerksam und wachsam im Hinblick auf die künftigen Gelegenheiten und Herausforderungen. Wir müssen nun kämpfen, um im Spiel zu bleiben und bereit zu sein, unsere Rechteinhaber zu unterstützen, zu repräsentieren und ihnen zu bezahlen, was sie verdienen, und was sie von uns erwarten."

GEMA-Vorstandsvorsitzender Harald Heker nimmt zum Bericht wie folgt Stellung: "Die Zahlen des CISAC Global Collections Report sind dramatisch. Angesichts der Covid-19-Pandemie werden die Einnahmen der Autorengesellschaften im Jahr 2020 um bis zu 35 Prozent einbrechen. Dabei ist der Live-Bereich mit Einbußen von in manchen Ländern bis zu 80 Prozent am stärksten betroffen. Für die jeweiligen Mitglieder werden die massiven Einnahmeausfälle allerdings erst im kommenden Jahr voll zu Buche schlagen, wenn die Autorengesellschaften ihre Ausschüttungen für 2020 vornehmen. Die ohnehin schon prekäre Situation vieler Kreativschaffender wird sich 2021 somit weiter zuspitzen. Wir appellieren deshalb an die Politik, bereits jetzt weitere gezielte Unterstützungsmaßnahmen für die Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere auch konkrete Hilfen für Solo-Selbstständige, in Angriff zu nehmen."