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Discotheken-Verband schlägt Alarm

Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) beklagte im Rahmen der Club Convention in Osnabrück die dramatische Lage, wonach 94 Prozent der Betreiber kurz vor der Geschäftsaufgabe stünden. Der per Video zugeschaltete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verwies auf die neue "Überbrückungshilfe II" als Rettungsanker in der Corona-Krise.

22.10.2020 16:52 • von Frank Medwedeff
Stellte per Videoscreen-Schalte neue Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung in Aussicht: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (Bild: BDT)

"Die Lage der Clubs und Diskotheken in Deutschland spitzt sich dramatisch zu", konstatierte Knut Walsleben, der neu gewählte Präsident des Bundesverbandes deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT), beim Branchentreffen Club Convention am 20. Oktober 2020 im Alando Palais in Osnabrück. Die Aussichten seien düster. Laut einer aktuellen Umfrage des Dachverbandes DEHOGA, dem der BDT angehört, stehen demnach 94 Prozent der teilnehmenden Discotheken- und Clubbetreiber in Folge der Corona-Krise "kurz vor der Geschäftsaufgabe".

"Für unsere existenziell betroffenen Unternehmen reichen die derzeitigen staatlichen Hilfen bei Weitem nicht aus. Den Clubbetreibern und Discothekenunternehmern geht die Luft aus", sagte Walsleben und forderte für seine Branche weitere Unterstützung der Politik. Die Verlängerung der Überbrückungshilfen sei zwar zu begrüßen, jedoch müsse hier weiter nachjustiert werden, so der BDT-Präsident. Fixkosten sollten laut Walsleben zu einhundert Prozent übernommen werden, die monatliche Höchstgrenze von 50.000 Euro müsse aufgestockt und eine Regelung für verbundene Unternehmen gefunden werden. Außerdem müsse ein angemessener Unternehmerlohn für die Club- und Discothekenbetreiber "förderfähig sein". Darüber hinaus sollte die Mehrwertsteuersenkung unter Einbeziehung der Getränke und des Eintrittsgeldes "entfristet" werden.

Um sich ein Bild von der Notlage der Discothekenbetreiber zu machen, war Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beim Branchenmeeting den 200 Kongressteilnehmern per Video zugeschaltet und stellte sich den Fragen der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Dabei äußerte er Verständnis für die Sorgen der Branche und verwies auf neue Hilfsmaßnahmen der Regierung: "Im Laufe dieser Woche kann die neue Überbrückungshilfe II, die bis Ende 2020 zur Verfügung steht, beantragt werden. Hier haben wir noch einmal deutlich nachgelegt und übernehmen jetzt sogar bis zu 90 Prozent der Fixkosten. Das sind gute Nachrichten für alle Unternehmen, die aufgrund behördlicher Anordnungen geschlossen sind oder nur mit halber Kraft fahren können. Bei der heutigen Club Convention mit Unternehmerinnen und Unternehmern wurde der Ernst der Lage für die Clubszene noch einmal sehr deutlich. Ich hoffe deshalb umso mehr, dass viele Clubunternehmerinnen und -unternehmer von den verbesserten Konditionen der verlängerten Überbrückungshilfe profitieren können."

Neben mehr Unterstützung für die Branche forderten die aus ganz Deutschland angereisten Club- und Discothekenbetreiber in Osnabrück einen klaren Fahrplan zur Wiedereröffnung ihrer Betriebe. "Discotheken sind die Lösung, nicht das Problem", formulierte Knut Walsleben. "Wir haben große Räume, hochmoderne Lüftungsanlagen und effektive Hygiene- und Nachverfolgungskonzepte." Feiern bei den "Profi-Gastgebern" mit Veranstaltungsfachkräften und umfassenden Schutzmaßnahmen und gegebenenfalls mit praktikablen, bezahlbaren Schnelltests seien in jeder Hinsicht besser als illegale und unkontrollierte Partys in schlecht belüfteten Privaträumen.

Ein "Stück wichtiges Kulturgut" ginge verloren ohne schnelle weitere Hilfen und ohne Öffnungsperspektive, mahnte Walsleben an. "Clubs und Discotheken tragen maßgeblich zur Attraktivität und Lebensqualität einer Stadt oder Gemeinde bei und sind immer noch die beliebteste Freizeitbeschäftigung der 18- bis 25-Jährigen am Wochenende. Das soll auch nach Corona so bleiben."

Der BDT ist der Berufsverband der Clubbetreiber und Discothekenunternehmer in Deutschland und vertritt die fachspezifischen Interessen der bundesweit rund 1500 Betriebe umfassenden Branche. Der BDT bildet die Fachabteilung Discotheken im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA).