Livebiz

Kultur- und Kreativbranchen attackieren Ticketzweitmarkt

Die Face-Value European Alliance for Ticketing (FEAT) hat in Brüssel Empfehlungen vorgelegt, wie die Zukunft des Wiederverkaufs von Tickets aussehen könnte. Unterstützung bekommt die Initiative unter anderem vom BDKV.

22.10.2020 12:05 • von Dietmar Schwenger
Macht sich für einen regulierten Weiterverkauf stark: Katie O'Leary von der FEAT (Bild: FEAT)

Die Face-Value European Alliance for Ticketing (FEAT) hat in Brüssel Empfehlungen vorgelegt, wie die Zukunft des Wiederverkaufs von Tickets aussehen könnte. Adressiert an das EU-Parlament fordert FEAT neue Regeln, die Fans vor den schädlichen Folgen des unautorisierten Zweitmarkts bewahren und den illegalen Weiterverkauf in der ganzen EU reduzieren sollen.

Für die Vorschläge erhält die Allianz Unterstützung von mehreren Verbänden - darunter der BDKV, die International Federation Of Musicians (FIM), Pearle - Live Performance Europe, die European Music Managers Alliance (EMMA), die spanische Association Of Music Promoters (APM), die Gruppe Victim Of Viagogo und die Association For Electronic Music. Auch Michael Waterson steht hinter dem Vorschlag. Der Ökonomie-Professor an der Warwick University hat 2016 im Auftrag der britischen Regierung eine entscheidende Studie zum Zweitmarkt vorgelegt.

Die konzertierte Aktion ist zudem eine Antwort auf den Digital Services Act (DSA), den die European Commission im Februar 2020 eingebracht hat und der gleiche Ausgangsbedingungen für Konsumenten beim Ticketkauf ermöglichen soll. Nun hat das Europäische Pariament den DSA am 20. Oktober durchgewunken.

Gerade in der Corona-Zeit seien faire Ticketingbedingungen noch wichtiger, da die Nachfrage auf die wenigen Karten bei Shows mit reduzierter Kapazität besonders gefragt seien, betont die FEAT. Zu den Punkten, die die Allianz fordert, gehören eine klare Verantwortung für die Betreiber von Zweitmarktplattformen, die Verkaufsverhinderung von ilegalen Tickets und mehr Transparenz sowie Informationen über die Herkunft der zum Verkauf angebotenen Karten.

Gefordert wird zudem, dass die EU eine europäische Agentur aufbaut, die Informationen verbreitet und illegale Weiterverkaufspraktiken attackiert. Dazu gehörten effektive Werkzeuge und die politische Macht, dass das Gesetz in dem Bereich auch umgesetzt wird.

Der österreichische EU-Parlamentarier stellt sich hinter die FEAT-Vorschläge. Er kritisiert, dass die Praktiken von Plattformen wie Viagogo Konsumenten, Künstler, Veranstalter und ehrliche Ticketverkäufer schädigten. Er verweist darauf, das etwa in Österreich Viagogo vor Gericht dazu verpflichtet worden sei, die Identität von Ticketverkäufern zu enthüllen. Das sei jedoch nur ein Teilsieg, die Plattformen müssten sich an die Bestimmungen in der EU halten.

Für Katie O'Leary, Campaign Lead bei FEAT ist ein Zweitmarkt, dem Konsumenten vertrauen können, längst überfällig. "Das kann nur geschehen durch bessere Regulierung, Gesetzanwendung und eine öffentliche Bewertung von Plattformen, wodurch sichergestellt wird, dass die zum Verkauf angebotenen Tickets real sind und die angegebenen Preise stimmen."