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Marek Lieberberg kritisiert "absurdes Theater" der Regierung

Staatliche Corona-Hilfen wie etwa Kredite bezeichnet Live-Nation-Chef Marek Lieberberg als "absurdes Theater". Er fordert bessere, für die Livebranche zugeschnittene Maßnahmen und eine Planungsperspektive. Zugleich lobt er den Zehn-Punkte-Plan der Grünen.

19.10.2020 10:56 • von Dietmar Schwenger
Fordert eine Planungsperspektive: Marek Lieberberg (Live Nation GSA) (Bild: Live Nation)

Staatliche Corona-Hilfen wie etwa Kredite bezeichnet Live-Nation-Chef Marek Lieberberg als "absurdes Theater. Catch 22". Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" fordert er bessere, für die Livebranche zugeschnittene Maßnahmen und eine Planungsperspektive.

Am Beispiel der von Live Nation bis zum Lockdown in München veranstalteten "Totem"-Show vom Cirque Du Soleil schildert er die kurzfristig angesagten Vorgaben der Behörden. "Dieses Katz-und-Maus-Spiel hat sich bis heute in Variationen, aber mit gleichem Ergebnis fortgesetzt", sagt Lieberberg der "SZ" und verweist dann auf die Absage des "Give Life A Chance"-Konzerts in Düsseldorf. Trotz "Übererfüllung" der Corona-Regeln wurde das Konzert abgesagt, "kurz darauf wurden aber die Stadien für Fußballfans geöffnet".

Er sei kein Corona-Leugner, spricht aber davon, dass sich "im Alltag Absurditäten und Ambivalenz der Maßnahmen zeigen, auf Plätzen, in Parks oder Bahnhöfen und Flughäfen. Wo man nichts ändern kann oder will, wird weggesehen, dafür gibt man sich bei abstrakten Gefahren als Corona-Hardliner".

Bei den konkreten Hilfsmaßnahmen der Regierung betont er, dass er "gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung der Livebranche" sei, während das Programm "Neustart Kultur" vor allem der geförderten Kultur beziehe. Von den 80 Millionen Euro, mit denen die privatwirtschaftlich organisierte Veranstaltungswirtschaft "abgespeist" worden sei, seien "sicher" noch keine zehn Prozent ausgezahlt worden, weil das Verfahren zu kompliziert sei.

"Wenn wir zur Sicherheit der Allgemeinheit auf unsere verfassungsmäßig garantierte Tätigkeit verzichten müssen, dann ist der Staat aus meiner Sicht für die Folgen seines Handelns verantwortlich und muss für Ausgleich sorgen", so Lieberberg weiter. Als positives Gegenbeispiel bringt der President von Live Nation GSA die Schweiz ins Spiel, wo Veranstalter für 80 Prozent ihrer ausgefallenen Projekte entschädigt worden seien. In Deutschland hingegen "dauert es quälend lang, bis die Dinge in Gang kommen, und dann sind sie viel zu kompliziert."

Denn die Hilfe komme "im Kleid einer grotesken Bürokratie", allerdings schienen das nach den Protesten und Interventionen des BDKV auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz nun zu erkennen. Auch erwähnt Lieberberg die "AlarmstufeRot"-Aktionen. "Es laufen endlich Gespräche mit Parteien, mit dem Wirtschaftsministerium und dem Finanzministerium. Aber bisher fühlte es sich an wie Wassertreten."

Auf die "SZ"-Frage, wann die Branche, nicht die Aufmerksamkeit bekomme, die sie verdiene, reagiert Lieberberg mit "Das frage ich die Politik." Er fordert: "Es muss Schluss sein mit der Diskriminierung der nicht geförderten Kultur. Live braucht eine Perspektive und eine Chance." Lieberberg erwartet "endlich verbindliche Kriterien für den Neuanfang".

In dem Zusammenhang lobt er explizit die Grünen, die sich mit ihrem Zehn-Punkte-Plan "vorbildlich und jenseits von Ideologie und Parteinormen" positioniert hätten. Er hält das jüngst vom kulturpolitischen Sprecher Erhard Grundl vorgelegte Papier für eine "treffende Analyse und ein vernünftiges Konzept, an dem sich ein Dialog orientieren könnte. Aber die Grünen sind nicht in der Regierung."