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Schubert Music Agency und Thundermother trauen sich in die Hallen

Nach einer Open-Air-Tour im Sommer veranstaltet Schubert Music Agency - SMA Live nun eine Hallentour der Band Thundermother, die laut Michael Thiesen, Head Of Booking bei der zur Schubert-Gruppe gehörenden Agentur, alles andere als eine Beschäftigungstherapie sei.

16.10.2020 14:18 • von Dietmar Schwenger
Spielen nun Hallenshows: Thundermother, hier vor ihrem umgebauten Feuerwehr-Truck (Bild: Nicolai Brunn)

Nach einer Open-Air-Tour im Sommer veranstaltet Schubert Music Agency - SMA Live nun eine Hallentour der Band Thundermother, die laut Michael Thiesen, Head Of Booking bei der zur Schubert-Gruppe gehörenden Agentur, alles andere als eine Beschäftigungstherapie sei.

"Völlig klar ist, dass wir momentan nicht das verdienen, was man mit voller Kapazität in normalen Zeiten verdienen würde", räumt Michael Thiesen ein, der im Februar von Seaside Touring zur neugegründeten Livedivision von Schubert Music gewechselt ist. Er plant nun für die schwedische Hard¬rockband Thundermother eine 40 Shows umfassende Indoors-Tour mit Stationen unter anderem im Back¬stage Werk in München oder der Jovel Music Hall in Münster. "Dadurch dass wir Kosten minimieren, sei es bei Technik, Catering oder Hotel, eine kleinere Crew beschäftigen und in anderen Bereichen wie Sponsoring oder Kooperationen neue Gelder generieren, rechnet sich das durchaus", betont Thiesen. Mit Thundermother hatte er nach der Veröffentlichung des aktuellen Albums, "Heat Wave", am 30. Juli ebenfalls rund 20 Shows gespielt, nun geht es in die Hallen.

"Das ist alles andere als Beschäftigungstherapie. Aber klar, von den einst gebuchten 200 Thundermother-Shows im Jahr 2020 ist damit nur ein Viertel übriggeblieben; eine Menge Umsatz ist verloren gegangen. Einer Band wie Thundermother, die gerade auf den Sprung nach oben ist, trifft diese Pandemie mit am härtesten." So hätten die Bandmitglieder vor etwa einem Jahr ihre Day-Jobs gekündigt. "Mit dem kompletten Einbruch im März und den täglich eintrudelnden Konzertabsagen verfiel man zunächst in eine gewisse Schockstarre und die anfänglichen Planungen fühlten sich tatsächlich nach Beschäftigungstherapie an. In Gesprächen ab Mai änderte sich die Lage aber etwas, wir suchten nach Lösungen, wie wir im Zuge der VÖ für die Band trotzdem die bestmögliche Promotion erzielen können. Unser Motto lautete damals: akzeptieren und agieren. Der Band und uns auch ging es immer um eine Signalwirkung: We fight for Rock'n'Roll!"

Was anfänglich nur als Radio-Promotour angedacht war, entwickelte sich dann auf dem Dach eines eigens umgebauten Feuerwehr-Trucks zu einer "fast komplett ausverkauften" 14-Tage Tour, die sich finanziell für alle Beteiligten gelohnt habe und Thundermother Platz sechs in den Albumcharts bescherte.

Nun geht es aber in die Hallen, wo die Infektionsgefahr höher ist als bei Konzerten im Freien. Thiesen berichtet jedoch, dass die Genehmigungen alle "sehr unkompliziert" gelaufen seien. Die für die Tour entwickelten Konzepte seien "ziemlich schnell" genehmigt worden: "Konzept geschrieben, eingereicht, geprüft, genehmigt", so fasst Thiesen den Prozess zusammen. "In der Praxis spielt dann die Verantwortung eines jeden Besuchers die größte Rolle, und da haben wir bei der ersten Tour durch die Bank weg nur positive Erfahrungen gemacht. Alle haben sich an die Regeln gehalten, waren umsichtig, haben Rücksicht genommen und beim Meet & Greet am Merch-Stand den Abstand gewahrt. Tatsächlich hatten wir keinen einzigen Fall, bei dem es mal grenzwertig wurde."

Auch angesichts des treibenden Rock'n'Roll, den Thundermother spielen, sei es auch "überhaupt nicht schwierig" gewesen, bei den bereits stattgefundenen Shows das Publikum in Zaum zu halten. "Tatsächlich haben sich ausnahmslos alle an die Regeln gehalten und in ihrer jeweiligen Parzelle, auf ihrem Stuhl oder auf ihrer Sitzbank die Mädels angepeitscht, gejohlt, mitgesungen, gemosht und alles gegeben, was dazu gehört, um Spaß auf einem Konzert zu haben. Von einigen Leuten habe ich auch gehört, dass sie das Konzert viel mehr genossen haben, weil sie sich bequem in ihrem Sitz mit einem Bier in der Hand die Show anschauen und genießen konnten. Das war schon sehr cool mitanzusehen, wie sich die Leute nach Livemusik gesehnt haben und es dann sichtlich genossen haben. Das ist für mich auch Rock'n'Roll, aus der jeweiligen Situation das Beste machen und trotzdem ne Menge Spaß zu haben! Und die Mädels geben sowieso immer 100 Prozent, ob sie vor 10.000, zehn Leuten oder 250 sitzenden Leuten spielen."

Probleme sieht Thiesen derzeit ganz woanders: "Die größten Herausforderungen auf solch einer Tour momentan sind die ständigen Ungewissheiten, die seitens der Politik heraufbeschworen werden. Jeder wirft mit gefährlichem Halbwissen um sich und keiner weiß den genauen Stand der Dinge. Und mit dieser Ungewissheit, ob die Tour oder einzelne Konzerte stattfinden können oder doch gecancelt werden müssen, hat man dann tagtäglich zu tun." Thiesen findet, dass momentan "viel zu viel Angst" geschürt werde. "Als wir vor rund zwei Wochen den dritten Teil der >Heat Wave

Thiesen glaubt, dass das Risiko bei Veranstaltungen inzwischen gut kalkulierbar sei, weswegen eine übertriebene Verbotspolitik nicht mehr legimitiert sei. "Permanent Ängste zu schüren, ist der falsche Weg. Das spaltet die Gesellschaft und schwächt die Akzeptanz für eigenverantwortliche Achtsamkeit." Natürlich habe man es mit einem extrem ernstzunehmenden Virus zu tun, aber man dürfe das auch nicht überdramatisieren. "Deswegen bin ich ein Verfechter davon, pragmatische Lösungen zu finden, die uns helfen, unsere Arbeit wieder aufnehmen zu dürfen. Und dabei spielen die Fans und Konzertgänger eine große Rolle. Man sollte anstelle von Verboten mehr daraufsetzen, dass die Leute Verantwortung übernehmen." Der Umgang mit dem Virus müsse in ein normales Risiko-Handling übergehen, wie bei vielen anderen Risiken im Leben auch. "Der Schlüssel für mich ist, sich vor Sorglosigkeit zu hüten, aber lernen, mit dem Risiko intelligent umzugehen."

Konkret bedeutet diese Einstellung für Thiesen, gewisse Vorbereitungen zu zu treffen. Erfahrungen konnte er bereits im Sommer sammeln, als zwei Indoor-Shows auf dem Plan standen. "Im Prinzip sind die Hygienekonzepte und Regeln dieselben wie für Outdoor Shows: eine geringere Kapazität, Aufnahme der Kontaktdaten, Abstand und Maskenpflicht beim Einlass und Verlassen des Clubs, Desinfektionsmittel vor Ort und die Verpflichtung, den einzelnen Konzertgänger in die Verantwortung zu nehmen, sich an die Regeln zu halten. Das hat bisher super geklappt und ich kann wirklich nur Positives berichten! Wir alle, die Band und die Crew, gehen auch immer mit bestem Beispiel voran."

Grundsätzlich fürchtet Thiesen: "Bei aller Hoffnung - was soll sich 2021 großartig ändern? Auch ein möglicher Impfstoff wird nicht der Schlüssel zum Erfolg sein. Ich glaube eher, dass wir uns damit abfinden müssen, das Virus als einen normalen Teil unseres Lebens zu akzeptieren und dementsprechend Konzepte zu entwickeln, die es möglich machen, Konzerte und Kultur endlich wieder breitflächig verfügbar zu machen, Schritt für Schritt. Über die Wichtigkeit von Kultur in einer Gesellschaft sind wir uns glücklicherweise ja größtenteils alle einig."

Termine:

21.10.20 Münster, Jovel Music Hall

04.11.20 Osnabrück, Bastard Club

22.10.20 Bad Friedrichshall, Lemmy`s Bar

23.10.20 Burglengenfeld, VAZ Pfarrheim

25.10.20 Lindau, Club Vaudeville

27.10.20 München, Backstage Werk

29.10.20 Donauwörth, Doubles Starclub

30.10.20 Donauwörth, Doubles Starclub

31.10.20 Donauwörth, Doubles Starclub

01.11.20 Hohenlimburg, Werkhof

03.11.20 Würzburg, Posthalle

06.11.20 Kaiserslautern, Kammgarn

07.11.20 Memmingen, Kaminwerk

08.11.20 Weinheim, Café Central

09.11.20 Köln, Rock-Pit (Acoustic)

11.11.20 Hamburg, tba.

12.11.20 Oberhausen, Resonanzwerk

13.11.20 Saarbrücken, Garage

14.11.20 FR-Strasbourg, La Laiterie

15.11.20 BE-Antwerpen, Kavka Zappa