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Alles anders beim Amsterdam Dance Event

Die Ausgabe zum 25. Jubiläum des Amsterdam Dance Events (ADE) hatte sich die neue Doppelspitze um Jan-Willem van de Ven und Meindert Kennis sicherlich anders vorgestellt. Doch in der virtuellen Version sehen sie auch eine Chance, und wollen einiges anders machen als andere Konferenzen.

15.10.2020 16:17 • von Dietmar Schwenger
Hatten sich die Jubiläumsausgabe des ADE anders vorgestellt: Jan-Willem van de Ven (links) und Meindert Kennis (Bild: Amsterdam Dance Event)

Die Ausgabe zum 25. Jubiläum des Amsterdam Dance Events (ADE) hatte sich die neue Doppelspitze um Jan-Willem van de Ven und Meindert Kennis sicherlich anders vorgestellt. Doch in der virtuellen Version sehen sie auch eine Chance, und wollen einiges anders machen als andere Konferenzen.

"Wir hatten ein Konzept für die Zukunft des ADE entwickelt, das zum 25-jährigen Jubiläum in diesem Jahr bereits greifen sollte", erzählt Meindert Kennis, einer der beiden neuen Direktoren des Amsterdam Dance Events, im Gespräch mit MusikWoche. "Aber das konnten wir dann in den Papierkorb werfen, als klar wurde, dass die Pandemie eine physische Ausgabe des ADE nahezu unmöglich machen würde."

Sein Kollege Jan-Willem van de Ven ergänzt, dass sie bis zum 1. Februar eine Strategie für die nächsten vier Jahre erarbeiten mussten, denn zu dem Zeitpunkt lief die Frist ab, um noch in das Auswahlverfahren für die staatlichen Zuschüsse für den Zeitraum von 2021 bis 2024 zu kommen. Van de Ven nimmt den Faden auf und erzählt, dass man sich im Sommer dann überlegen musste, wie man das ADE in Corona-Zeiten umsetzen sollte - unter den Hygienevorgaben und Bestimmungen des Amsterdamer Stadtrats. "Daraus entstand zunächst unser Konzept Online First, das so gestrickt war, dass wir es an die neusten politischen Regeln anpassen und später entscheiden konnten, was physisch vor Ort gegebenenfalls möglich sein würde."

Inmitten all der Corona-Aufregung ging dabei beinahe unter, dass es Ende 2019 zu einer überraschenden Trennung von Mariana Sanchotene gekommen war, die das Amt als ADE-Chefin erst in dem Jahr vom langjährigen Director Richard Zijlma übernommen hatte. Gründe für den plötzlichen Abgang nennen van den Ven und Kennis nicht, erläutern aber, wie es zu der Neubesetzung kam. So habe der Aufsichtsrat der Amsterdam Dance Event Foundation zunächst nach einer vorübergehenden Leitung gesucht. Im Auge hatten sie jemanden, der bereits Erfahrung mit dem ADE hatte.

Meindert Kennis hatte zehn Jahre als Platform Director für das ADE gearbeitet und war wieder verfügbar, nachdem er seinen Job als CMO bei Spinnin' Records aufgegeben hatte. "Meindert kannte also nicht nur viele Interessengruppen und Partner, sondern auch einen Großteil der ADE-Mitarbeiter", informiert sein Kollege. Er selber war damals Mitglied des Aufsichtsrats und sprang Kennis bei, um ihm vor allem beim Marketing zu helfen. "Wir haben im Dezember in der neuen Funktion angefangen und rasch festgestellt, dass wir sehr gut zusammenarbeiten können. Im Februar haben wir uns dann entschieden, eine gemeinsame Bewerbung als Doppelspitze abzugeben. Das war nicht ganz einfach, hat am Ende aber funktioniert", so van de Ven.

Froh sind die beiden ADE-Chefs, dass sie an einem ihrer ersten Beschlüsse festhalten konnten: der Rückkehr ins Tagsungsgebäude Felix Meritis, das drei Jahre lang renoviert wurde, weswegen der internationale Treff der Dance- und Elektronikbranche vorübergehend ins wenig geliebte DeLaMar Theater beim Leidseplein umziehen musste. "Das Felix Meritis wird dabei wie geplant der Ort sein, von dem wir die Konferenz ausstrahlen, auch wenn diese nur virtuell stattfindet. Denn fast jeder Panelist wird dabei via Zoom oder anderen Technologien an den Runden teilnehmen", erläutert van de Ven. "Die Frage dabei war, wie wir das Gesamterlebnis der ADE-Konferenz inklusive des Networking digitalisieren können. Denn gerade das Netzwerken, etwa auf der Straße vor dem Felix Meritis, ist für die Delegierten mindestens genauso wichtig wie die Inhalte der Panels."

Deswegen habe man ein Online Social Network geschaffen, auf dem die Leute miteinander chatten, Meetings abhalten oder ihre neusten Produktionen hochladen können. Diese Plattform soll eine Woche vor Beginn des ADE ans Netz gehen, zudem können die Fachbesucher sie für ein ganzes Jahr nutzen. "Unsere Plattform ist also nicht nur für den Moment gedacht, sondern ist nachhaltig angelegt. Wir machen damit den Schritt von einer reinen Konferenzplattform für ein paar Tage zu einer langfristigen Content- und Networkingplattform. Auch sämtliche Konferenzinhalte werden in dieser Zeit zur Verfügung stehen - und das alles für 75 Euro", betont Kennis.

Sein Partner räumt ein, dass man physisch zunächst noch einige Network Dinner geplant hatte, bei denen Fachbesucher vor Ort dann einen Platz hätten erwerben können. "Doch Ende September hat der Stadtrat die Zahl der Leute, die sich indoor treffen können, auf 30 reduziert und andere Restriktionen erlassen. "Deswegen wird es dieses Jahr leider keinen physischen Teil beim ADE geben, weil das Risiko zu groß wäre", so van de Ven.

Um so wichtiger sei es, eine hochwertige digitale Konferenz und nutzerfreundliche Netzwerkmöglichkeiten zu schaffen, wie Kennis betont. "Unsere neuartige Plattform kann man sich wie eine Linkedin-Version unserer bekannten ADE-Datenbank mit den registrierten Delegierten vorstellen." Beim kostenlosen B2C-Bereich habe man anfangs überlegt, ob man wie andere Festivals eine virtuelle Kopie der ADE-Clubkonzerte anbieten sollte, sich dann aber dagegen entschieden. "Wir wollten lieber weiteren Mehrwert für die User hinzufügen, den wir auch für künftige ADE-Ausgaben verwenden können. Daraus entstand eine Art >Netflix-Konzept< mit vielen, aber limitiert zugänglichen Streams mit allen Themen rund um die elektronische Musik. Es wird dort nicht nur Streams von Liveshows und Aufzeichnungen von älteren DJ-Sets beim ADE geben, sondern auch Kunst- und Kultur-Features, Dokumentationen oder Master Classes", weiß Kennis zu berichten.

Technische Probleme, mit denen etwa das Reeperbahn Festival am ersten Tag zu kämpfen hatte, könne es dabei immer geben. "Man sollte nur so gut wie möglich vorbereitet sein", so Kennis. "Unser Ansatz war vielmehr, nachdem wir uns einige Online-Konferenzen angesehen haben: Was können wir anders und vielleicht besser machen? Was können wir mehr anbieten?"

Die Antwort liefert van de Ven: "Wir wollen unsere Delegierten zusammenbringen, damit sie aktiv am gesamten ADE-Programm teilnehmen können. Das ist im Grunde etwas, was auch Dienste wie Facebook tun, aber wir machen das speziell für die Nische der elektronischen Musik. Das unterscheidet uns auch von anderen Online-Konferenzen." Man sehe die neue ADE-Version zudem als Startpunkt, um auch Leuten Zugang zu geben, die sich bislang den Flug oder die Hotelkosten in Amsterdam nicht leisten konnten. "Dadurch können wir langfristig weitere B2B-Zielgruppen für das ADE erschließen."