Unternehmen

GEMA warnt vor sinkenden Erträgen und fordert Perspektiven

Die GEMA-Mitgliederversammlung stand 2020 ganz im Zeichen der Corona-Krise. Angesichts einer kritischen Ertragsprognose fürs laufende Jahr appellierten der Vorstandsvorsitzende Harald Heker und der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand an die Solidargemeinschaft und forderten klug nachgebesserte Hilfsmaßnahmen.

02.10.2020 13:11 • von
Rechnet für 2020 mit deutlich niedrigeren Erträgen und Ausschüttungen als im Vorjahr: der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker (Bild: Philipp Lützenburger)

Die GEMA-Mitgliederversammlung stand 2020 ganz im Zeichen der Corona-Krise: So tagten die GEMA-Mitglieder nach der Verschiebung des eigentlich für Mai geplanten Events nun vom 29. September bis 1. Oktober aufgrund der Pandemie erstmals vollständig virtuell. Angesichts einer kritischen Ertragsprognose für das laufende Jahr appellierten der Vorstandsvorsitzende Harald Heker und der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand an die Solidargemeinschaft und forderten klug nachgebesserte Hilfsmaßnahmen.

"Zu sehen, wie viele Kreative unter den Folgen von Corona leiden, tut weh. Spürbar in der ganzen GEMA", betonte Harald Heker in seinem Bericht bei der Hauptversammlung. "Sehr schnell haben wir deshalb im Frühjahr Maßnahmen ergriffen, um Mitgliedern zu helfen, die vor allem von Gagen und Live-Auftritten leben." Heker erinnerte an die bereits im März beschlossenen finanziellen Hilfen für die GEMA-Mitglieder, an Kulanzregelungen für Lizenznehmer, die von dem Lockdown im öffentlichen und kulturellen Leben betroffen sind, und an die Aktivitäten der Verwertungsgesellschaft bei der Verteilung von Hilfsgeldern in Höhe von 30 Millionen Euro aus dem Rettungspaket Neustart Kultur.

_____"UNSERE ERTRÄGE WERDEN DEUTLICH NIEDRIGER SEIN ALS IM VORJAHR." Harald Heker, GEMA.

"Wir sind uns im Klaren, dass diese akuten Hilfen nicht reichen", sagte Heker, der in seiner auch via YouTube verfügbaren Rede noch einmal an das wirtschaftliche erfolgreiche Jahr 2019 mit Erlösen jenseits der Milliarden-Marke und Ausschüttungen von mehr als 900 Millionen Euro erinnerte. 2021 aber werde für viele wirtschaftlich noch schwieriger als das noch laufende Jahr werden:

"Unsere Erträge werden deutlich niedriger sein als im Vorjahr, daher werden wir weniger an Sie ausschütten können", kündigte Heker den GEMA-Mitgliedern an. Vor allem im Außendienst der GEMA führe die Corona-Pandemie zu einem drastischen Einbruch. "Seit März finden kaum Veranstaltungen statt, ein immenser wirtschaftlicher Schaden." Aber auch das Tonträgergeschäft verzeichne durch die massiven Einschränkungen im Handel einen weiteren Ertragsrückgang. Der Onlinebereich allein werde das nicht auffangen können, sagte Heker.

Vor diesem Hintergrund, so kündigt man bei der Verwertungsgesellschaft an, würden Vorstand und Aufsichtsrat in den kommenden Monaten über weitere Maßnahmen zur Unterstützung besonders betroffener Mitglieder beraten. Auch gegenüber der Politik wolle man sich für gezielte Programme für Soloselbständige einsetzen: "Kulturschaffende müssen wieder eine Beschäftigungs- und Erwerbsperspektive bekommen", forderte Heker. "Viel wurde in kurzer Zeit auf den Weg gebracht - jetzt heißt es: genau hinschauen und klug nachbessern."

_____"WIR WISSEN UM DIE SCHWIERIGE UND PREKÄRE LAGE VIELER UNSERER MITGLIEDER." Ralf Weigand, GEMA.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand rückte derweil die Solidargemeinschaft der GEMA-Mitglieder, darüber hinaus aber auch der gesamten Musikwirtschaft in den Fokus: "Wir wissen um die schwierige und prekäre Lage vieler unserer Mitglieder", sagte Weigand. "Ich wünsche allen Musikschaffenden und -verlegern, aber auch unseren Partnern als Spielstättenbetreiber oder Konzertveranstalter im gesamten Land alle Kraft. Hier ist jetzt Zusammenhalt gefragt!" Man werde sich aus dem Aufsichtsrat heraus dafür einsetzen, dass die Programme der Bundesregierung fortgeführt und im Sinne der Musikschaffenden noch besser angepasst werden, betonte Weigand: "Die Vereinsamung und soziale Erschütterung durch Corona zeigt: Unsere Gesellschaft braucht kreatives Schaffen ebenso dringend wie Orte, an denen Musikkultur gelebt werden kann."

Darüber hinaus dankte Weigand den Mitgliedern, aber auch dem GEMA-Team, dass sich in den vergangenen Monaten eindrucksvoll für die Solidargemeinschaft engagiert habe: "Dass wir trotz oder gerade wegen unserer sehr offen und vital geführten Diskussionen in der Krise gemeinsam stark sind und entgegen vieler Widrigkeiten besonnen und am Ende konsensual wichtige Entscheidungen demokratisch treffen können, haben die letzten Tage beeindruckend bestätigt."

Text: Knut Schlinger