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Zwiespältiges Fazit von Cruise Inn

Unter dem Motto Cruise Inn - Once In A Livetime kamen zu 83 Events insgesamt gut 33.000 Besucher in die kombinierte Autokino/Autokonzert- und Open-Air-Location auf das Gelände des Cruise Centers Steinwerder in Hamburg. Wirtschaftliche Rentabilität sei aber angesichts der eingeschränkten Kapazität nicht möglich gewesen.

30.09.2020 15:46 • von Frank Medwedeff
Stimmungsvoll und gut besucht, aber nicht gewinnträchtig: Open Air im Cruise Inn (Bild: Benjamin Ebrecht)

Nach 16 Wochen fand am 23. September mit der dritten ausverkauften Show von Comedian Felix Lobrecht der letzte Programmpunkt der Open-Air-Reihe Cruise Inn - Once In A Livetime statt. Insgesamt haben demnach 33.000 Besucherinnen und Besucher durch das Projekt auf dem Gelände des Cruise Centers Steinwerder in Hamburg in den letzten Monaten trotz Corona-Krise Kultur, Konzerte, Shows und Kino erleben können.

Am 3. Juni öffnete das Cruise Inn als kombinierte Autokino- und Autokonzertlocation unter Einhaltung aller gegebenen Corona-Vorschriften erstmals seine Pforten. Vor der Hafenkulisse mit großen Schiffen, Kränen, Möwen und stimmungsvollen Sonnenuntergängen fanden 45 Kinovorstellungen und 18 Autokonzerte mit bis zu 600 Fahrzeugen statt. Das Konzept wurde dann an die veränderten Umstände und die erneuerte Allgemeinverfügung angepasst und zu einem bestuhlten Open-Air-Gelände für 1000 Gäste umgebaut. Im Cruise Inn Open Air stiegen dann 20 weitere Konzerte und Shows mit festen Sitzplätzen und einem umfangreichen Hygienekonzept unter freiem Himmel.

Für das Projekt Cruise Inn - Once in a Livetime taten sich die Morgenwelt GmbH, die Karsten Jahnke Konzertdirektion, Tickettoaster, die Loud GmbH, Stereolicious und die Abaton Kino GmbH zusammen.

Neben Konzerten von Musikacts wie Max Giesinger, Joris, Gentleman, Alligatoah, Meute, Giant Rooks, Helge Schneider und Element of Crime fanden auch Comedy-Shows von Markus Krebs und Felix Lobrecht, ein Poetry Slam sowie "fünf nahezu ausverkaufte Ausgaben" des Airbeat One Festivals statt.

Die beteiligten Partnerfirmen und das Cruise Center Steinwerder ziehen eine vorwiegend positive Bilanz - allerdings mit Einschränkungen.

Björn Hansen, Geschäftsführer Morgenwelt, resümiert: "Wir haben mit dem Projekt zum einen die Kultur in Hamburg trotz der Coronakrise am Laufen gehalten. Wir haben Künstler*innen die Möglichkeit gegeben, aufzutreten und rund 50 Mitarbeiter*innen je Veranstaltungstag einen Job gegeben, den sie sonst in diesen Zeiten nicht gehabt hätten. Zum anderen haben wir 33.000 Menschen pandemiegerechte Livemusik und Kinofilmabende ermöglicht. Das war immer unser Antrieb und erfüllt uns mit Stolz".

Finanziell sei aber "keines der derzeit umsetzbaren Konzepte tragbar. Der Aufwand, den wir betreiben mussten, entspricht einer Festivalproduktion für bis zu 10.000 Besucher*innen. Bei ausverkauftem Haus haben wir aber nur 1.000 Gäste. Das kann sich nicht rechnen. Dank der Förderung der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg war eine Umsetzung überhaupt möglich. Hier haben wir nach langem Ringen eine Lösung gefunden. Nun gilt es, auf Basis der gemachten Erfahrungen den Blick nach vorne zu richten und zu schauen, was im kommenden Jahr gehen kann. Klar ist dabei: Ohne die Politik kann - so lange die Pandemie uns fest im Griff hat - nichts gelingen. Das wäre kaufmännischer Selbstmord. Hier ist die Politik gefordert, rechtzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer wir (gerne mit mehr Vorlauf als in diesem Jahr) Kultur ermöglichen können."

"Wir sind froh, dass wir es geschafft haben, in dieser einmaligen Location ein so vielfältiges Programm zu präsentieren" so Ben Mitha, Geschäftsführer der Karsten Jahnke Konzertdirektion. "Wir haben gesehen, wie wichtig Kultur gerade auch in Zeiten von Corona ist. Das Feedback der Besucher*innen war überwältigend positiv. Viele waren sehr dankbar, wieder Kultur und Konzerte genießen zu können und auch positiv überrascht, dass sich trotz der strengen Auflagen ein schönes Konzerterlebnis einstellen konnte. Den Künstler*innen ging es oft ähnlich. Dennoch sind diese Konzepte natürlich kein Ersatz für Veranstaltungen unter normalen Bedingungen. Die nächsten Monate müssen wir jetzt als Branche dafür nutzen, herauszufinden, wie wir möglichst schnell wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können."

Simone Maraschi, Managing Director Cruise Gate Hamburg, blickt wie folgt auf die Veranstaltungsserie zurück: "Es ist ein schönes Gefühl, dass wir der Kultur in diesen zurückliegenden vier Monaten auf unserem Parkplatz am Cruise Center Steinwerder eine Bühne zur Verfügung stellen konnten. In einer Zeit, in der an den sonst üblichen Kulturorten der Stadt die Kunst noch nicht wieder stattfinden durfte, haben Menschen hier gemeinsam Konzerte, Filme und Festivals erlebt. Erst im Auto, dann sogar open air. Und das in einer einmaligen Kulisse direkt im Hamburger Hafen. Es ist toll, erlebt zu haben, dass auch unter herausfordernden Umständen gemeinsam mit allen Beteiligten kurzfristig etwas so Einmaliges und Wichtiges auf die Beine gestellt werden konnte."

Ob - und wenn ja wie - es im nächsten Jahr weitergehen wird, stehe indes noch nicht fest. Zum einen hänge eine Fortsetzung des Projekts an der weiteren Entwicklung der Coronapandemie, aber auch an der Finanzierbarkeit und der Unterstützung durch die Politik.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass ab dem nächsten Frühjahr wieder Konzerte unter normalen Bedingungen möglich sein werden. Wenn nicht, dann könne vielleicht 2021 "Cruise Inn- Twice In A Livetime" wahr werden.