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Bertus stimmte sich auf die Saison ein

Der Bertus Musikvertrieb hat sich im Laufe des vergangenen Jahres in Deutschland neu aufgestellt, samt Umbenennung, Umzug und Umstrukturierung. Manuela Nikele und Andres Hubmann sehen das Unternehmen nun passend positioniert, um im deutschen Markt profitabel agieren und darüber hinaus auch auf europäischer Ebene Potenziale nutzen zu können.

01.10.2020 09:42 • von
Beim Team-Meeting (vorn): Manuela Nikele (Head of Labelmanagement & Promotion) und Commercial Director Tom Willinck aus der niederländischen Zentrale sowie das Bertus-Team mit (hinten, von links) Katja Michaelsen, Marcus Offermanns, Christian Berghoff, Peter Schoor, Fedor Elfers, Andres Hubmann als Head of Sales und Stefan Wulf. (Bild: Mandy Böttcher)

Der Bertus Musikvertrieb hat sich im Laufe des vergangenen Jahres in Deutschland neu aufgestellt, samt Umbenennung, Umzug und Umstrukturierung. Manuela Nikele und Andres Hubmann sehen das Unternehmen nun passend positioniert, um im deutschen Markt profitabel agieren und darüber hinaus auch auf europäischer Ebene Potenziale nutzen zu können.

»Unsere Strategie ist es, ein wichtiger Teil unseres europäischen Exklusivvertriebs zu sein«, betont Manuela Nikele als Head of Labelmanagement & Promotion im Gespräch mit MusikWoche. Im physischen Geschäft könne es nicht länger darum gehen, allein den deutschen oder gerade noch den deutschsprachigen Markt zu bedienen. »Wir haben mehr Potenzial, wenn wir uns auf ein größeres Gebiet fokussieren.«

Zu dieser strategischen Ausrichtung passt auch die Umbenennung, die im Juni 2019 den Beginn der Umbauarbeiten markierte. Damals gab das niederländische Unternehmen Bertus bekannt, seine bis dahin als H'Art Musikvertrieb firmierende deutsche Tochter fortan unter dem international bekannteren Namen Bertus zu führen, und Aufgaben im Bereich der Logistik und der Buchhaltung sowie das Export- und Großhandelsgeschäft in der Zentrale der Muttergesellschaft anzusiedeln. Den Ausschlag dafür gaben unter anderem die zuvor rückläufige Entwicklung im Exportbereich und bei den pro Bestellung über das deutsche Lager verarbeiteten Stückzahlen: »Es ergab zunehmend weniger Sinn, die gleichen Kunden im deutschen Handel von Bertus in Holland und von H'Art in Deutschland aus zu beliefern«, fasst Nikele zusammen. Heute betreut die Bertus-Zentrale die Logistik für europaweit 16 Vertriebsstandorte aus einer Hand.

Zudem wurde der deutsche Firmensitz von Marl nach Hamburg verlegt. Vor allem das Aus für die eigene Lagerhaltung und Logistik sorgte dabei für den Wegfall zahlreicher Stellen: »Zu unserem Kernteam gehören heute acht Mitarbeiter«, bestätigt Manuela Nikele. Zuvor waren es noch rund 40, inklusive Teilzeitkräften. Mit dem zum Jahreswechsel offiziell besiegelten Abschied vom langjährigen General Manager Markus Röder übernahmen schließlich Manuela Nikele und Andres Hubmann als Head of Sales mehr Verantwortung: Nikele zeichnet in dieser Doppelspitze für alle Belange in den Bereichen Promotion und Marketing verantwortlich, Hubmann leitet das Verkaufsteam und verantwortet alle vertriebsrelevanten Angelegenheiten.

Die neue Aufstellung bringt für den Bertus Musikvertrieb ein kleineres, aber dennoch schlagkräftiges Team, das sich zudem auf Seiten der Vertriebslabels auf neu gesetzte Schwerpunkte und ein entsprechend komprimiertes Programm fokussieren kann:

Dazu gehören Veröffentlichungen von eigenen Labels wie Music On Vinyl, Music on CD, Butler und V2 Benelux sowie von Partnern wie The Orchard, Proper, Redeye, Demon oder Music Brokers: »Definitiv ganz vorn mit dabei ist aber zum Beispiel auch Staatsakt, das Bertus Musikvertrieb weltweit vertreibt«, wie Verkaufsleiter Andres Hubmann betont: »Wir betreuen zudem mit dem Vertrieb für The Orchard einen der größten Digitalvertriebe im stationären Handel.« Das Spektrum reiche dabei von Fachgeschäften wie beim AMM über die Musikabteilungen der Drogerieketten bis hin zu den Elektromärkten von MediaMarkt und Saturn. Obwohl der Handel massiv unter den Einschränkungen der Corona-Krise zu leiden hatte, zeigt sich Hubmann trotz Rückgängen in diesem Bereich durchaus zuversichtlich: »Viele Läden sind während des Lockdowns sehr kreativ gewesen und haben damit ihre Stammkunden behalten. Dabei sind unsere Umsätze mit einer Reihe von Kunden sogar im Vergleich zu 2019 gewachsen.«

Entsprechend positiv gestimmt hat sich das deutsche Bertus-Team jüngst bei der ersten Zusammenkunft seit Beginn der Corona-Pandemie gemeinsam auf das Geschäft der kommenden Monate vorbereitet und eingestimmt. »Die ersten zehn Wochen der Pandemie habe ich allein im Büro verbracht«, erinnert sich Nikele. Inzwischen aber arbeite man neben dem Home Office auch mit eingeschränkter Präsenz an ausgewählten Tagen aus den »großzügigen, gut aufgeteilten Räumlichkeiten« in Hamburg. Das soll auch weiterhin helfen, unnötige oder riskante Überschneidungen zu vermeiden. Das Team-Meeting habe man ebenfalls pandemiegerecht gestaltet.

Auf der Agenda standen dabei unter anderem Onlinepräsentationen wie eben von The Orchard, wo man am 2. Oktober eine Jubiläumsausgabe von »(What's The Story) Morning Glory?« von Oasis auf Doppel-LP in den Handel bringt, am 16. Oktober eine drei CDs umfassende Special Edition des Albums »Skool Luv Affair« der südkoreanischen Boyband BTS, oder, gerade schon am 18. September, das Album des Söhne Mannheims Jazz Departments. Hinzu kommen eigene Vertriebsthemen wie von Ziggy Marley, dessen V2-Longplayer »More Family Time« ebenfalls seit dem 18. September verfügbar ist, von Savoy Brown, deren Album »Ain't Done Yet« am 25. September erschien, oder von Paul Carrack, dessen Zusammenarbeit mit der SWR Big Band, »Another Side Of Paul Carrack«, am 2. Oktober folgt.

Text: Knut Schlinger