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Reeperbahn nahm Podcasts, ­Diversity und GEMA-Zebralution-Deal unter die Lupe

Um den Deal von GEMA und Zebralution, Podcasts als Geschäftsmodell oder Diversität in der Musikbranche ging es kürzlich in diversen Expertenrunden auf dem Reeperbahn Festival.

29.09.2020 11:24 • von Jonas Kiß
Sprachen über Podcasts als Geschäftsmodell (oben): Christian Bollert und Chrisitiane Falk sowie (unten) Max Gruber und Tina Funk (Bild: Screenshot, conference.reeperbahnfestival.com)

Um den Deal von GEMA und Zebralution, Podcasts als Geschäftsmodell oder Diversität in der Musikbranche ging es kürzlich in diversen Expertenrunden auf dem Reeperbahn Festival.

Am Festivaldonnerstag fand ein Panel zum Thema »GEMA & Zebralution - What's The Deal?« statt. Dieser Frage ging eine von Milena Fessmann (Managing Director Cinesong) moderierte Runde nach, bei der Thomas Theune (Director of Broadcasting and Online GEMA), Kurt Thielen (Managing Director Zebralution) und Marit Posch (General Manager Germany IDOL) den Deal von 2019 erneut aufrollten. Denn der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung der GEMA am Digitalvertrieb Zebralution hatte im vergangenen Jahr große Aufmerksamkeit erregt. Zum ersten Mal erwarb hier eine Verwertungsgesellschaft eine Beteiligung an einem digitalen Vertrieb. Während der Zug von einigen als »visionär« wahrgenommen wurde, gab es von anderen Seite den Vorwurf der »Wettbewerbsverzerrung« zu hören.

Also stellten Thomas Theune von der GEMA und Kurt Thielen von Zebralution ihre Partnerschaft im Rahmen des Reeperbahn Festivals erneut vor und gaben einen Einblick in die praktische Umsetzung und die weiteren Entwicklungen. »Es ist uns wichtig, dass wir uns in diesem dynamischen Markt weiterentwickeln und mitgehen«, erklärte Thomas Theune: »Deswegen haben wir zwei Ziele definiert: Digitalisierung und Wachstum.«

Beim digitalen Vertrieb seien Leistungsschutzrechte das Pendant zu Urheberrechten, die das Kerngeschäft der GEMA darstellen, deswegen könnten nun beide Firmen sowie die Mitglieder der GEMA von der Fusion mit Zebralution profitieren.

Für Marit Posch, selbst GEMA-Mitglied, sei jedoch bis heute unklar, warum sich die Verwertungsgesellschaft damals für Zebralution als Partner entschieden habe. »Zebra­lution kriegt alle Daten von der GEMA, und was machen die ganzen anderen Digitalvertriebe?«, merkte die Indie-Expertin für digitale Vertriebs- und Marketingdienstleistungen kritisch an.

Kurt Thielen sagte abschließend, er habe zu der Mehrheitsbeteiligung im vergangenen Jahr »nicht nur kritische Stimmen gehört, sondern auch sehr viel Zustimmung bekommen«.

PODCASTS IM AUFWIND

Um ein digitales Phänomen ging es auch in der Konferenz zum Thema »Geschäftsmodell Podcastct - Hype oder Chance für die Zukunft?« am Festivalfreitag. Zugeschaltet waren Christian Bollert (Geschäftsführender Gesellschafter detektor.fm), Musiker Max Gruber (Drangsal), Tina Jürgens (Geschäftsführerin zebra-audio.net) und Christiane Falk (rbb).

Die Konferenz-Teilnehmer diskutierten darüber, ob sich Podcasts als Geschäftsmodell für Künstler und ihre Partner etabliert haben und ob sich ausreichend Werbekunden oder zahlende Rezipienten finden lassen.

Christian Bollert, der unter anderem den erfolgreichen Fahrrad-Podcast »Antritt« moderiert, stellte klar, dass es bei Podcasts nur zwei Finanzierungsmöglichkeiten gäbe: entweder durch Werbung oder durch die Nutzer. »Im Radio höre ich das, was mich am wenigsten nervt, bei Podcasts höre ich, was mir am besten gefällt«, sagte Bollert. Dieses Jahr hätten laut Bollert 60 Millionen Deutsche den Podcast des Virologen Christian Drosten gehört, damit seien Podcasts als popkulturelles Phänomen endgültig im Mainstream angekommen, und auch ältere Zielgruppen hätten nun verstanden, was ein Podcast ist. In der Reeperbahn-Woche startete zudem auch noch Amazon ein eigenes Podcast-Portal. Dadurch werde der Zugang zu dem Medium noch einfacher, was laut Bollert prinzipiell gut sei.

Tina Jürgens zählt mit ihrem Podcast-Netzwerk zebra-audio.net über 130 Shows. Sie merkte an, dass es inzwischen zu viel Content für zu wenige Hörer gäbe. »Der Podcast-Markt wird sich konsolidieren, der Markt schrumpft. Ich glaube, dass sich letztlich guter Content durchsetzen wird, denn es könnte zu einem noch größeren Phänomen werden, wenn noch andere Zielgruppen dazukommen.«Max Gruber alias Drangsal produziert mit Casper den Podcast »Mit Verachtung«. Er selbst beobachtet seit 2017 eine Welle, in der jeder Musiker einen Podcast machen muss. »Ich habe kaum noch Freunde, die keinen Podcast haben«, so Gruber. Seine Show habe ihm aber auch »extrem viel Zulauf an neuen Hörern geschaffen«, es sei für ihn ein kostenloses Promo-Tool. Doch viele Hörer gewöhnen sich laut Gruber schnell daran, dass es etwas umsonst gibt. »Es kostet viel Zeit und Arbeit, einen Podcast zu produzieren. Die Auswertung muss fairer werden«, fordert der Musiker.

#BLACKLIVESMATTER UND DIE FOLGEN FÜR DIE BRANCHE

Unter dem Motto »Inclusion Matters - Wie bunt ist es hinter den Kulissen der Musikindustrie?« knüpfte Stefanie Kim (Kimkom Strategy) an die von ihr initiierte Diversity-Serie bei MusikWoche an und sprach mit Patrick Mushatsi-Kareba (CEO GSA Sony Music Entertainment Germany), Wissenschaftlerin und Künstlerin Reyhan ?ahin aka Lady Bitch Ray und Journalist Falk Schacht. Dabei ging es unter anderem um die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland sowie um die Frage, ob die Bewegung #Blacklivesmatter oder die virale Kampagne #Blackouttuesday Auswirkungen auf die Musikbranche hatten.