Handel

Grünen-Politiker Grundl plädiert für Plattenladenpreis

Dass im Portfolio des BKMs neben dem Spielstättenprogrammpreis Applaus oder dem Kinoprogrammpreis noch Platz für eine Würdigung des Musikhandels sein könnte, hat auch Erhard Grundl erkannt. Der kulturpolitische Sprecher der Grünen fordert deshalb nun einen bundesweiten Preis für unabhängige Plattenläden.

25.09.2020 16:19 • von
Will Plattenläden als Orte der kulturellen Vielfalt und Bildung schützen und unterstützen: Erhard Grundl (Bild: Erhard Grundl)

Dass im Portfolio des BKMs neben dem Spielstättenprogrammpreis Applaus, dem Kinoprogrammpreis oder dem Buchhandlungspreis noch Platz für eine Würdigung der Arbeit des Musikhandels sein könnte, hat auch Erhard Grundl erkannt. Der als Sprecher für Kulturpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und als Obmann im Kulturausschuss aktive Politiker fordert deshalb nun einen bundesweiten Preis für unabhängige Plattenläden - und geht damit passend zum zweiten Teil des in diesem Jahr auf drei Termine gedrittelten Record Store Days an die Öffentlichkeit:

"Die Kulturstaatsministerin, Monika Grütters, vergibt den Deutschen Buchhandlungspreis und den Kinoprogrammpreis. Plattenläden bleiben bisher unter ihrem kulturpolitischen Radar. Das muss sich ändern", fordert Grundl, der als früherer Mitarbeiter eines Indie-Vertriebs einschlägige Erfahrungen in die Diskussion einbringen kann:

Viele Plattenläden hätten in den vergangenen Jahren schließen müssen, weiß Grundl: "Und die Gründe dafür waren gar nicht mal so vielfältig: Streaming, eine übermächtige Online-Konkurrenz, und natürlich auch eine Musikindustrie, die ihre Liebe zum unabhängigen Plattenladen erst vor kurzem wieder entdeckt hat, weil ihr selbst Digitalisierung und der Marktdruck von Amazon die Luft zum Atmen abzudrücken drohten", listet der Grünen-Politiker auf. "Und mancherorts waren es auch die steigenden Mieten." Umso mehr müsse man die Händler unterstützen, "die mit viel Leidenschaft und Engagement für den Erhalt ihrer Shops kämpfen", schreibt Grundl dem Bund auf die politische Agenda, und präsentiert bereits einen passenden Rahmenplan für den Record-Store-Award:

"Der Preis, vergeben von einer unabhängigen Jury, soll Plattenläden auszeichnen, die durch ihr Angebot und ihre Kulturarbeit hervorstechen", sagt Grundl, der für die Nominierung eine bundesweite Plattform vorschlägt. "Die Preise sollen mit 15.000 Euro dotiert sein. Zudem soll es drei Sonderpreise geben, die jeweils mit bis zu 25.000 Euro dotiert sind." Diese Preisgelder, so findet Grundl, sollten nicht zweckgebunden sein, "so dass die Inhaberinnen und Inhaber die Mittel für Investitionen in den Laden, kulturelle Angebote oder auch als Wertschätzung ihrer Arbeit, für den Lebensunterhalt, verwenden können".

Auch ein Ziel für den Plattenladenpreis formuliert der Grünen-Politiker: "Wir wollen damit Plattenläden als wichtige soziale Orte der kulturellen Vielfalt und Bildung schützen und unterstützen." Schließlich würden Läden wie Optimal in München, die Hanse Platte in Hamburg oder das Hardwax in Berlin "nicht bloß als Verkaufsstation betrieben, sondern als Ort der Begegnung, des Austauschs und durchaus auch als Ort der kulturellen Bildung", betont Grundl:

"Nicht traurige Spotify-Algorithmen formieren den Musikgeschmack in Plattenläden, sondern die persönliche Begegnung und der soziale Zusammenhang, der im Plattenladen entsteht. Diese Vermittlungsarbeit, die versteckt und öffentlich meist kaum wahrgenommen stattfindet, hat es verdient, kulturpolitisch gewürdigt zu werden."

Text: Knut Schlinger