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Reeperbahn Festival zieht positives Fazit

Laut Angaben der Veranstalter haben 1480 Fachbesucher aus 37 Ländern 28.000 mal verschiedene Programmpunkte der digitalen Konferenz des Reeperbahn Festivals angeklickt.

21.09.2020 10:50 • von Dietmar Schwenger
Zählte 1480 digitale Delegierte: Reeperbahn-Chef Alexander Schulz bei der Eröffnung (Bild: Fynn Freund)

Laut Angaben der Veranstalter haben 1480 Fachbesucher aus 37 Ländern 28.000 mal verschiedene Programmpunkte der digitalen Konferenz des 15. Reeperbahn Festivals angeklickt. Thematisch standen aktuelle Themen aus der Musikwirtschaft, der Film-, Games- und Werbe-Branche im Vordergrund.

Höhepunkte waren unter anderem Talks mit Juso-Chef Kevin Kühnert, Melanie C., Lukas Rieger, Panels mit Branchen-Repräsentanten wie Stephan Thanscheidt (Geschäftsführer FKP Scorpio), Ben Mitha (Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion) oder IMPALA-Chefin Helen Smith. Weitere Sessions boten unten anderem eine Begegnung von Vertretern der Zeitungen "Bild" und "taz" sowie Vorträge von Autorin Kübra Gümüsay und Medientheoretiker Douglas Rushkoff.

Über vier Tage erlebten zudem rund 8000 Besucher des öffentlichen Programms in 20 Spielstätten rund 140 Live-Konzerte, Vorträge, Lesungen und Diskussionen sowie Angebote aus Film und Bildende Kunst.

Das unter anderem über eine neue Streaming-Plattform öffentlich zugängliche digitale Programmangebot verfolgten über insgesamt 150.000 Nutzer. Zwischen 10 Uhr und 1 Uhr wurden rund 100 Livestreams von Konzerten, Lesungen und Vorträgen gestreamt. Zu den Konzert-Highlights gehörten die Shows von Daði Freyr auf der Spielbude XL, Drangsal auf der Festival Village Stage, Ilgen-Nur in der St. Pauli Kirche und Dillon sowie Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher in der St. Michaelis Kirche.,

"Wir blicken zurück auf vier fantastische Tage beim Reeperbahn Festival und auf drei Tage digitale Konferenz voller inspirierender Panels, Showcases, Networking Events, Preisverleihungen und noch viel mehr", teilen die Veranstalter mit. "Wir bedanken uns für eine außergewöhnliche, digitale Reeperbahn-Festival-Konferenz."

"Trotz großer Herausforderungem" bei laufender Veranstaltung, wie beispielsweise kurzfristigen Künstlerabsagen wegeb der Erweiterung der Corona-Risikogebiete, bezeichneten Behörden, Publikum, Künstlerin und Fachbesucher den Versuch, in den vier Tagen des Reeperbahn Festivals Konzepte zur Wiederaufnahme des Livebetriebes vorzustellen, als "geglückt", heißt es aus Hamburg.

"Wie die Reaktionen auf das intimste Reeperbahn Festival seit 2006 gezeigt haben, besteht seitens Publikum wie Künstler*innen ein großer Nachholbedarf an unmittelbarer Begegnung, der überdeutlich machte, wie systemrelevant die Aufführung von Musik und Kultur auf den Bühnen für eine Gesellschaft besonders in diesen Zeiten ist. Die Bedeutung von kleinen Clubs als unerlässliche Ausprobierflächen für neue Talente wurde in den vier Tagen unterstrichen", teilen die Reeperbahner mit

Dennoch bezeichnet Alexander Schulz das diesjährige Reeperbahn Festival als "Kraftakt". "Alle haben daran mitgearbeitet: In den letzten vier Monaten, das Team sowie die Unterstützer*innen aus Land und Bund und in den letzten vier Tagen auch das Publikum, die Künstler*innen, die Fachbesucher*innen." Die Stimmung sei geprägt gewesen von einer kollektiven Mischung aus Achtsamkeit, Dankbarkeit und Freude. "Die Bemühungen, dass wir alle gemeinsam der Welt zeigen wollen, dass auch live aufgeführte Musik vor Besucher*innen und internationaler Austausch in der Musikwirtschaft sicher funktionieren, waren in jeder Sekunde zu spüren."

Für Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, habe das 15. Reeperbahn Festival "live und in Farbe" in der Corona-Krise ein Zeichen der Hoffnung für die nationale und internationale Musikwirtschaft gesetzt. "Trotz der aktuell widrigen Bedingungen hat es das Reeperbahn Festival-Team geschafft, eine wertvolle Plattform zum Austausch über drängende Zukunftsfragen der schwer betroffenen Veranstaltungsbranche zu bieten."

Grütters dankt den Veranstaltern und verweist darauf, dass die Bundesregierung das Reeperbahn Festival in diesem Jahr "mit einem besonders großem Beitrag" unterstützt habe. "Der Musikbranche stellen wir 150 Millionen Euro aus dem Zukunftsprogramm Neustart Kultur zur Verfügung - damit sie endlich wieder auf die Bühne kommt!"

BDKV-Präsident Jens Michow mahnt: "Eine Branche, die in den letzten Jahren ohne jede Inanspruchnahme öffentlicher Förderung kontinuierlich gewachsen ist, steht durch massive Umsatzeinbrüche und ohne Perspektive für eine Rückkehr zur Normalität vor dem wirtschaftlichen Aus. Die Veranstaltungswirtschaft benötigt unverzüglich substantielle Hilfen, um die Gegenwart zu überleben, denn sonst kommen alle Mittel für den Neustart Kultur zu spät. Zigtausende Künstler*innen, Musikautor*innen und alle vom Veranstaltungsbetrieb abhängigen Dienstleistungsbetriebe werden ihre Erwerbsquelle verlieren."

Die digitale Plattform, über die das Reeperbahn Festival vom 16. bis 19. September 2020 ihre Inhalte gestreamt hat, bleibt für registrierte Fachbesucher noch bis Ende Oktober zugänglich. Dort stehen die meisten Panels online, weitere wollen die Konferenzmacher um Detlef Schwarte in den nächsten Wochen noch hinzufügen.

Nächstes Jahr soll das Reeperbahn Festival, wenn es das Pandemiegeschehen zulässt, vom 22. bis 25. September 2021 stattfinden.