Livebiz

Österreichische Livebranche befürchtet "Todesstoß"

Eine Interessengemeinschaft aus der Veranstaltungs- und Tourismusbranche in Österreich, die in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung einen Antrag zu einem Fixkostenzuschuss bei der EU eingereicht hat, befürchtet bei einer etwaigen Ablehnung "katastrophale Auswirkungen".

18.09.2020 13:28 • von Dietmar Schwenger
Sieht eine Katastrophe kommen: Christoph Klingler von CTS Eventim Austria (Bild: CTS Eventim Austria)

Eine Interessengemeinschaft aus der Veranstaltungs- und Tourismusbranche in Österreich, die in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung einen Antrag zu einem Fixkostenzuschuss bei der EU eingereicht hat, befürchtet bei einer etwaigen Ablehnung "katastrophale Auswirkungen". In dem Streit zwischen Österreich und der EU-Kommission geht es konkret um die weitere Auszahlung des Zuschusses, genannt "Phase II".

"Die Kultur- und Veranstaltungsbranche ist für Österreich lebensnotwendig und sie hat bis jetzt durchgehalten. Unfassbar, dass die EU ihr jetzt den Todesstoß versetzen will", teilt die Interessengemeinschaft mit. Die EU erklärt nun, dass Österreich eine falsche Rechtsgrundlage gewählt hätte, einen Vergleich mit einer Naturkatastrophe. Deswegen habe die EU keine Genehmigung erteilt.

Die Veranstaltungswirtschaft fordert nun "ein Einsehen für die spezifische Situation Österreichs". "Lehnt die EU-Kommission den Fixkostenzuschuss Phase II tatsächlich ab, steht die Veranstaltungswirtschaft in Österreich vor dem endgültigen Aus", heißt es in der Mitteilung.

Zudem machen einzelne Repräsentanten der österreichischen Livebranche in dem Aussand auf die dramatische Lage aufmerksam. So sagt etwa Christoph Klingler. Managing Director CTS Eventim Austria: "Wir steuern auf die nächste Katstrophe zu. Für die Veranstaltungswirtschaft steht die Ampel seit März 2020 auf Rot. Der Fixkostenzuschuss Phase II wurde gemeinsam mit den betroffenen Branchen erarbeitet. Anscheinend nimmt man in Brüssel ein kultur- und veranstaltungsloses Österreich in Kauf, um sich durch technische Detailfragen profilieren zu können."

Klaus Leutgeb, Geschäftsführer Leutgeb Entertainment, führt aus, dass viele Betroffene viele Wochen mit der Regierung diesen lebensnotwendigen Zuschuss verhandelt hätten. "Wenn er nun von der EU aus politischen oder formalen Gründen vom Tisch gewischt wird, gehen in Österreich sehr, sehr viele Lichter für immer aus."

Für Ewald Tatar von Barracuda Entertainment liegt die Kultur- und Veranstaltungsbranche am Boden. "Wenn die EU sagt, dass dies keine Katastrophe ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr."

Georg Hoanzl von Hoanzl Music erläutert: "Gerade Veranstaltungen werden monatelang mit extrem hohen Vorinvestitionen geplant. Diese Kosten kann bei all den unverschuldeten Absagen irgendwann kein Veranstalter der Welt mehr selbst tragen."

Und auch Matthias Rotermund von Live Nation steuert ein Zitat bei: "Die Folgen werden dramatisch sein: Massenweise Insolvenzen, ruinierte Existenzen, eine gesamte Branche mit all ihren Mitarbeitern und Dienstleistern muss sich neu finden und entwickeln. Die Unterhaltungskultur wird Jahre brauchen, um wieder auf die Füße zu kommen."