Events

Reeperbahn Festival eröffnet

Mit Grußworten des Hamburger Senators für Kultur und Medien, Carsten Brosda, und Staatssekretär Wolfgang Schmidt, der für den erkrankten Vize-Kanzler Olaf Scholz eingesprungen war, begann am 16. September im Stage Operettenhaus die 15. Ausgabe des Reeperbahn Festivals.

17.09.2020 09:31 • von Dietmar Schwenger
Sang bei der Reeperbahn-Eröffnung Doors Open: Tina Dico (Bild: Screenshot, Reeperbahn Festival)

Mit Grußworten des Hamburger Senators für Kultur und Medien, Carsten Brosda, und Staatssekretär Wolfgang Schmidt, der für den erkrankten Vize-Kanzler Olaf Scholz eingesprungen war, begann am 16. September 2020 im Stage Operettenhaus die 15. Ausgabe des Reeperbahn Festivals. Die Eröffnung firmierte zum zweiten Mal als "Doors Open" und versteht sich als offizieller Auftakt, der mit Redebeiträgen auch politisch erste Impulse setzen will.

"Die Ruhe in den Clubs rund um die Reeperbahn und überall auf der Welt in den vergangenen Monaten tut weh", sagte Brosda, der bereits im Vorjahr das Reeperbahn Festival an derselben Stelle eröffnet hatte. "Wir brauchen die Kraft der Musik, und wir brauchen die Bühnen der Clubs, auf denen sich die Vielfalt der Musik entfalten kann und neue Karrieren entstehen können. Mit Kreativität, Mut und Verantwortungsbewusstsein zeigt das Reeperbahn Festival, dass und wie Club-Kultur auch in dieser Zeit wieder möglich ist."

In seiner schriftlichen Grußbotschaft an das Reeperbahn Festival zeigte Bundesfinanzminister Olaf Scholz Verständnis für die aktuelle Notlage der Kultur- und Musikwirtschaft: "Das Reeperbahn Festival ist eine großartige Veranstaltung. Es ist sehr schade, dass ich erkältungsbedingt heute Abend nicht in Hamburg dabei sein kann. Ich weiß, wie schwer die Pandemie und unsere Schutzvorkehrungen sich insbesondere auf Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende und die Veranstaltungsbranche auswirken. Ich hoffe, dass das Reeperbahn Festival in der Corona-Edition einen Weg aufzeigt, wie es trotz Virus gute und sichere Konzerte und Events geben kann - denn eins ist klar: Wir alle vermissen das sehr schmerzlich."

Nach den Eröffnungsreden folgten mehrere Programmpunkte im Stage Operettenhaus, in dem wegen der Hygieneregeln nur jede zweite Reihe besetzt war. Unter anderem war ein vorab aufgezeichnetes Interview mit dem Künstler Jackson Browne zu sehen, der über sein neues Album, die Hoffnung auf eine Tour 2021 und über den amtierenden US-Präsidenten sprach: "Trump has got to go."

In einer englisch geführten Talkrunde diskutierten anschließend Brosda, Uschi Neuss (General Manager Stage Entertainment Germany) und die Musikerin Alin Coen die aktuelle Entwicklung. Brosda betonte, dass die Politik die Musiker wieder zurück auf die Bühne bringen und man Lösungen auch unter den derzeitigen Restriktionen finden müsste. Neuss verwies darauf, dass die Branche unter den aktuellen Bedingungen nicht existieren könne. Man bräuchte wieder mehr Zuschauer in den Häusern.

Auch die von Brosda in Aussicht gestellte verstärkte Förderung von Outdoor-Konzerten würde in den sechs Monaten, in denen es in Deutschland dafür zu kalt sei, langfristig nicht helfen, so Neuss weiter. Der Senator räumte ein: "Niemand hat einen Masterplan - wir bewegen uns in einem unerforschten Territorium."

Michael Bojesen von Danish Arts Foundation kam als Repräsentant des diesjährigen Gastlands Dänemark zu Wort. Er führte aus, wie wichtig der Austausch auch über Grenzen hinweg sei - von Musik und Ideen.

Wie in den Vorjahren nutzten die Festivalmacher die Eröffnungsveranstaltung auch, um für den Anchor Award zu werben, der am 19. September wieder zum Abschluss des Reeperbahn Festivals vergeben wird. Die diesjährige Jury stellte dafür sich und die in der fünften Ausgabe des Wettbewerbs nominierten Künstler vor. Jurypräsident Tony Visconti sowie die Juroren Brody Dalle und Darcy Proper wurden live aus New York zugeschaltet, Melanie C., Markus Kavka und Seeed-Sänger Frank Dellé waren live auf der Bühne in Hamburg vor Ort.

Weitere Programmpunkte von Doors Open waren eine Tanzeinlage, die Genderfragen darstellen sollte, und eine Vorstellung der nächsten Ziele des Frauen-Projekts Keychange. Zum Abschluss der Eröffnung sang die dänische Künstlerin Tina Dico einen Song, bevor sie später am Abend ein ganzes Konzert im Operettenhaus spielte.

Sowohl die Doors Open Show als auch das anschließende Konzert von Tina Dico wurden von arte Concert und NDR.de gestreamt. Interessierte konnten beide Events auch über die Streamingplattform des Reeperbahn Festivals verfolgen.

Wie in den Vorjahren war der Reeperbahn-Mittwoch bereits ein Festivaltag mit Livemusik. Mit Kapazitätsbeschränkungen fanden auf den 20 zugelassenen Bühnen Shows unter anderem von Akua Naru, Bukahara, Dadi Freyr, Eefje de Visser, Maeckes, Drew Sycamore und Baby In Vain statt.