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Volles Programm auf der ­Reeperbahn

Auch wenn das Reeperbahn Festival mit seinem Mix aus digitalen und analogen Formaten in diesem Jahr ganz anders aussehen wird, eines hat sich nicht geändert: das vielfältige Konferenzangebot. MusikWoche liefert einen Überblick und nennt Höhepunkte.

14.09.2020 11:43 • von Dietmar Schwenger
Weisen auf die Reeperbahn-Inhalte hin: die Programm-Flyer, hier aus dem Jahr 2019 (Bild: MusikWoche)

Auch wenn das Reeperbahn Festival mit seinem Mix aus digitalen und analogen Formaten in diesem Jahr ganz anders aussehen wird, eines hat sich nicht geändert: das vielfältige Konferenzangebot. MusikWoche liefert einen Überblick und nennt Höhepunkte.

"Die Konferenz hat vier Schwerpunkte", sagt Detlef Schwarte, einer der beiden Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals. So ist der Themenkreis "Corona - Politik und Branche auf der Suche nach Wegen aus der Krise" wichtiges Thema, aber auch Panels zum Thema "Marketing - The Show Must Go On" bekommen viel Raum, wenn das Reeperbahn Festival vom 16. bis 19. September als Mischung aus digitaler Konferenz und physischen Live-Angeboten in St. Pauli stattfindet. Als Thema Nummer drei nennt Schwarte "Popkultur und Mediengesellschaft" und viertens gebe es noch den Bereich "Was sonst noch wichtig bleibt".

Den Bereich "Politik und Branche" gliedert Schwarte in drei Unterbereiche. Zunächst wird es Politik-Talks geben, in denen Branche und Politik aufeinandertreffen und Wege aus der Krise diskutieren sollen. Dazu gehören eine Runde mit dem SPD-Politiker Kevin Kühnert und Oke Göttlich (Geschäftsführer Music bei Zebralution) und ein Aufeinandertreffen von Michelle Müntefering (Staatsministerin im Auswärtigen Amt) und Helen Smith (Geschäftsführerin IMPALA). Unter dem Motto "Brussels - Political Awareness For Pop Music?" wollen Helga Trüpel (Die Grünen) und Sabine Verheyen (Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzende des Kultur- und Bildungsausschusses) mit Moderator Steve Blame am 18. September um 14:30 Uhr (übertragen im Conference Channel 4) unter anderem über den Mangel an politischen Interesse für die Unterstützung der Kreativbranche sprechen.

Eine weitere hochkarätig besetzte Runde zum Thema "Pop & Politik: Die drei politischen ???" bietet als Panelisten Klaus Ernst, (MdB Die Linke), Erhard Grundl (MdB Die Grünen), Jens Herrndorff (Manager Fettes Brot, Die Grünen und Jens Herrndorff Photo & Film), Rüdiger Kruse (CDU), BDKV-Präsident Jens Michow und Pamela Schobeß (Geschäftsführerin Gretchen/Clubcommission). Sie stellen sich ebenfalls am Reeperbahn-Freitag (15:40 Uhr, Channel 4) den Fragen: "Sind die bisherigen seitens der Politik gewährten Hilfsmaßnahmen ausreichend? Welchen Stellenwert hat die Musikbranche in der Politik? Kann die Musikbranche auf weitergehende Unterstützung hoffen, solange es noch keine medizinischen Lösungen zur Eindämmung von Covid19 gibt?"

Ein weiteres Teilgebiet des Corona-Themenfeldes sind Erfahrungsberichte von Künstlern wie Mel C., Matthew Caws (Nada Surf) und Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn). Den dritten Unterpunkt bilden Branchentalks, in denen die Musikwirtschaft den Status Quo reflektiert. Unter dem Aufhänger "Konzertbranche: Stillstand im Mittelstand" reden am 18. September um 12.10 Uhr (Channel 3) Laura Andersohn (Konzertagentin IBB), Michael Brill (CEO D.Live), Günter Linnartz (Booker Budde Talent Agency) und Ben Mitha (Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion).

An der international besetzten Runde "Agents Agenda - Thinking Ahead 2020" am 17. September (13.50 Uhr, Channel 4) nehmen Peter Elliot (Managing Director Primary Talent International), Annika Hintz (Artist Booking, ehemals Kopf & Steine, MS Dockville), Gary Howard (Agent United Talent Agency) und Steve Zapp (Agent I.T.B.) teil. Einen Blick über den Tellerrand werfen die Panels "How Covid-19 Is Affecting Film And Sync" (17. September, 10:50 Uhr, Channel 2), "Musik, Film, Games und Werbung in der Corona-Krise: Szenarien, Optionen, Perspektiven" (17. September, 15 Uhr, Channel 4) und "Film in der Corona-Krise", moderiert von Thomas Schultze, Chefredakteur der MusikWoche-Schwesterzeitschrift Blickpunkt:Film (18. September, 16 Uhr, Channel 3).

Unter der Überschrift "Independents in der Krise" treffen sich ebenfalls am Freitag (10.20 Uhr, Channel 3) die Musikerin Ilgen-Nur Borali, Ronny Krieger (General Manager Europe Patreon), Sara-Lena Probst (Digital Consultant BlackbirdPunk) und Jorin Zschiesche (Inhaber recordJet). Um Krisenbewältigung bei Festivals geht es am 17. September (16.10 Uhr, Channel 4) beim Pamel "The Summer Of Silence - Restart 2021?". Bestätigt dafür sind Julia Gudzent (Bookerin Goodlive Artists), Mathieu Jaton (Geschäftsführer Montreux Jazz Festival), Stephan Thanscheidt (Geschäftsführer FKP Scorpio), Eric van Eerdenburg (Festival Direktor Lowlands Festival/Mojo Concerts). Zum Festivalthema spricht am 18. September (11.50 Uhr, Channel 2) auch Christof Huber (General Sekretär Yourope).

Zum zweiten großen Themenkreis "Marketing - The Show Must Go On" gehört am 17. September (10:10 Uhr, Channel 4) die Runde "Creative Marketing In The Future - Wie digital ist das Musik-Marketing von morgen?", wo unter anderem Sabine Georg (Managing Director Miami Ad School Europe), Samira Leitmannstetter (Vice President Bold Collective Sony Music) und Alice McLean (Head of Comes With Fries UK and Europe) sprechen. Im Themenstrang Marketing angesidelt sind auch Runden zu "Der europäische E-Sports-Markt im Überblick", "E-Sports - The New Frontier For Music?" und "Marketing Entertainment: A Future Outlook". Bei der Präsentation "Marketing-Challenge TikTok" treten am 17. September (12:10 Uhr, Channel 4)die Rapperin Aylo, Andreas Hänisch (MusicCommunity & Content Manager TikTok Deutschland), Samira Leitmannstetter und der Künstler Lukas Rieger an.

YouTube-Tipps gibt es bei "Content Strategies For Artists", "New Tools And Products On YouTube For Artists" und "Trends On YouTube" von Simon Wagner (Artist Development YouTube Music), Katerina Adamopoulou (Label Relations Manager YouTube Music) und Sina Stieding (Culture & Trends YouTube), während bei "DIY Before It Was Cool" Katharina Köhler (Managerin Deichkind), Feline Moje (Director Recordede Music GSA BMG) am 18. September um 14 Uhr (Channel 5) ihre Expertise teilen.

Der dritte große Themenstrang "Popkultur und Mediengesellschaft" umfasst Auftritte der Autoren Douglas Rushkoff und Kübra Gümüsay sowie das Panel "Musikmedien am Ende", für das sich als Teilnehmer am 17. September (12 Uhr, Channel 3) die Journalisten Laura Aha, Miriam Davoudvandi und Christoph Lindemann (Musikchef Puls/BR) gefunden haben. Passend dazu diskutieren am selben Tag um 15:15 Uhr unter der Überschrift "Sind alle irre - außer uns, natürlich?" im Festival Village Paul Ronzheimer (Stellvertretender Chefredakteur "Bild"-Zeitung) und Peter Unfried (Chefreporter "taz - die tageszeitung"). Als Moderator konnten die Reeperbahn-Veranstalter dafür den einstigen Kommunikationschef von Universal Music, Jacob Bilabel (Gründer Green Music Initiative) gewinnen, während Max Dax " Humor und Popkultur" abdecken soll.

Der laut Schwarte vierte große Themenstrang "Was sonst noch wichtig bleibt" bietet weitere Panels wie etwa "Brexit In Sight" und die Runde "European Agenda Meets German Reality" In der Session soll es um die an die europäische Urheberrechtsrichtlinie und die an ihre Umsetzung in Deutschland geknüpften Erwartungen verschiedener Akteure gehen: der Musikindustrie, der Musikverlage und des Verbraucherschutzes. Eingeladen sind René Houareau (Geschäftsführer Recht & Politik Bundesverband Musikindustrie), Martin Madej (Consultant Team Digital and Media Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv), Matthias Schmid (Referatsleiter Urheber- und Verlagsrecht BMJV) und Götz von Einem (Managing Director peermusic Germany).

Mit Spannung erwartet wird am 18. September (13:40 Uhr, Channel 3) auch das Panel "Neues Urheberrecht im Praxischeck, das einen Blick wirft auf die bisherige Praxis der Musiklizenzierung sowie die Chancen und Risiken, die sich durch die Richtlinie insbesondere in Artikel 17 für Uploader, Plattformen, Kreative und ihre Partner ergeben. Hier sprechen Kerstin Bäcker (Fachanwältin Urheber- und Medienrecht Lausen Rechtsanwälte), die Musikerin Balbina, Georg Nolte (Senior Legal Counsel Google Deutschland) und Matthias Schmid (Referatsleiter Urheber- und Verlagsrecht BMJV). Viele Klicks erzeugen dürfte auch die Gesprächsrunde "Talkin' Bout A GEMAlution" , bei der es um die Mehrheitsbeteiligung der GEMA am Digitalvertrieb Zebralution gehen soll. Moderatorin Marit Posch (General Manager Germany Idol) befragt dazu am 17. September (16:30 Uhr, Channel 2) Thomas Theune (Direktor Sendung und Online GEMA) und Kurt Thielen (Managing Director Zebralution).

Und auch Themen wie Inklusion und Diversität kommen auf der Reeperbahn vor. Hierfür verpflichtet sind unter anderem Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray und Patrick Mushatsi-Kareba (CEO Sony Music Entertainment Germany). Für das Thema Nachhaltigkeit gibt es gar einen ganzen Tag voller Panels, die unter dem Oberbegriff Sustainable Development Goals & Music Conference laufen. Die Konferenz will die UN, die Europäische Kommission und die Musikindustrie zusammenbringen, um den Beitrag der Musik zur Erreichung der SDGs zu diskutieren. Speaker hier für sind unter anderem Shain Shapiro (CEO Sound Diplomacy, Detlef Schwarte, Nanette Braun (UN SDG Communications Campaign Chief), Mariya Gabriel (EU Commissioner For Innovation, Research, Culture, Education And Youth).Dagmar Schumacher (Director of UN Women), Claire O'Neill (CEO A Greener Festival) und Tom Shore (Head of Music UNICEF).