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US-Musikmarkt zum Halbjahr trotz Corona im Plus

Die amerikanischen Musikunternehmen schlossen das erstenHalbjahr 2020 mit einem prozentual einstelligen Umsatzplus ab. Das belegen die Zahlen des US-Branchenverbands RIAA. Doch die Corona-Krise bremste die zuletzt dynamische Entwicklung im Geschäft mit Recorded Music merklich ab. In der physischen Nische überholte das Vinyl derweil die CD.

11.09.2020 13:30 • von
Streaming dominiert das Geschehen: im US-Musikmarkt entfielen im ersten Halbjahr 85 Prozent der Umsätze aufs Streaming (Bild: RIAA-Präsentation, Screenshot)

Die US-amerikanischen Musikunternehmen schlossen das ersten Halbjahr mit einem prozentual einstelligen Umsatzplus ab. Das belegen die Zahlen des US-Branchenverbands (pdf): Die RIAA weist in ihrer Zwischenbilanz für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Juni 2020 formatübergreifend und nach Konsumentenpreisen Einnahmen in Höhe von fast 5,653 Milliarden Dollar aus, 5,6 Prozent mehr als noch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019.

Damit bremste die Corona-Krise die zuletzt doch deutlich dynamischere Entwicklung im weltgrößten Markt für Recorded Music doch merklich ab: So lag das Umsatzplus vor Jahresfrist noch bei 18 Prozent, und im Gesamtjahr immerhin noch bei 13 Prozent, womit der US-Markt im vierten Jahr in Folge Wachstumsraten im prozentual zweistelligen Bereich verbuchte.

Für das aktuelle Plus sorgten nun vor allem die Einnahmen aus der Vermarktung von Musik über kostenpflichtige Streamingdienste, wo es im ersten Halbjahr um zwölf Prozent auf nunmehr 3,8 Milliarden Dollar bergauf ging. Nur um drei Prozent im Plus lagen derweil die Einnahmen aus werbefinanzierten Streamingangeboten, die in den vorherigen Jahren ebenfalls noch prozentual zweistellig zugelegt hatten. Über die verschiedenen Formate hinweg entfielen im ersten Halbjahr 85 Prozent der Umsätze im US-Musikmarkt aufs Streaming.

Das einst so starke Downloadgeschäft hingegen brach erneut massiv um 22 Prozent ein und steuerte in den ersten sechs Monaten nur noch sechs Prozent zur Umsatztorte bei.

In der physischen Nische überholte das Vinyl derweil die CD - erstmals seit den 80er-Jahren: Formatübergreifende Umsätze in Höhe von rund 376 Millionen Dollar bedeuteten für das physische Geschäft ein dickes Minus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die RIAA berichtet dabei von einem klar erkennbaren Corona-Effekt, da das Minus im ersten Quartal noch deutlich schmaler ausfiel als im zweiten Quartal.

Das macht sich auch bei der LP bemerkbar, die in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres nach Umsätzen noch zulegen konnte, im zweiten Quartal aber ans Vorjahr nicht mehr herankam, und schließlich ein Umsatzplus von vier Prozent zum Halbjahr retten konnte. Mit Einnahmen in Höhe von 232 Millionen Dollar entfielen 62 Prozent der physischen Umsätze auf Vinyl-Alben, zum Gesamtmarkt steuerte das Format indes gerade einmal vier Prozent bei.

RIAA-Chairman und CEO Mitch Glazier sprach bei der Vorlage der Zahlen unter anderem mit Verweis auf den Lockdown im Livesektor und Abermillionen von Arbeitslosen von "historisch schwierigen Zeiten": "Wir freuen uns zwar, dass die über lange Jahre ins Streaming investierte Arbeit das Wachstum bei den bezahlten Abonnements vorantreibt. Der aktuelle Bericht zeigt jedoch auch, wie viel Arbeit noch zu tun bleibt, um ein für Kreative und Fans nachhaltig gesundes Musikwirtschaftssystem zu schaffen." Nun aber gelte es zunächst, die Liveszene und Spielstätten zu erhalten, die hier aktiven Mitarbeiter ebenso wie die Musiker zu unterstützen und darüber hinaus eine faire Vergütung von Musik auf allen digitalen Plattformen sicherzustellen. Für Glazier ist klar: "Trotz aller Herausforderungen durch die Pandemie hat sich eines nicht geändert - die Fans lieben immer noch Musik."

Text: Knut Schlinger