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Universal Music will weiter für Stabilität sorgen

Auch wenn die Covid-19-Pandemie die Großveranstaltung Universal Inside in diesem Jahr nicht zuließ, so ließ sich Universal Music den etablierten September-Termin doch nicht nehmen. Entsprechend lud Frank Briegmann am 7. September erstmals zu einer Digital Edition von Universal Inside. Auf seiner Agenda standen politische und unternehmerische Themen, ein Ausblick auf kommende Schwerpunkte und Performances von Bow Anderson und Giant Rooks.

07.09.2020 17:55 • von
Lud erstmals zu einer digitalen Ausgabe von Universal Inside: Frank Briegmann (Bild: Universal Music)

Auch wenn die Covid-19-Pandemie die längst schon traditionelle Großveranstaltung Universal Inside in diesem Jahr nicht zuließ, so ließ sich Universal Music den etablierten September-Termin doch nicht nehmen. Entsprechend lud Frank Briegmann Geschäfts- und Handelspartner am 7. September erstmals zu einer Digital Edition von Universal Inside. Auf seiner Agenda standen politische und unternehmerische Themen, ein Rückblick auf bisherige Erfolge, ausgewählte Zahlen und ein Ausblick auf kommende Schwerpunkte.

"Gerade in Momenten wie diesen merkt man dann, wie anders das Leben durch Corona geworden ist", sagte der CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, bei der Begrüßung der Teilnehmer. Das gelte für die Akteure auf Seiten der Musikwirtschaft ebenso wie für Künstlerinnen und Künstler: "Die meisten von ihnen haben seit März nicht mehr auf der Bühne gestanden", erinnerte Briegmann. Das bringe nicht nur finanzielle Einschnitte mit sich, sondern habe auch eine soziale und mentale Komponente, wenn die Kreativen nicht mit ihrer Crew arbeiten, auf der Bühne stehen und für ihr Publikum spielen könnten.

"Wir hier bei Universal Music sind ganz bei unseren Künstlern und Künstlerinnen und natürlich auch bei unseren Partnern aus der Livebranche, und hoffen mit ihnen", sagte Briegmann, äußerte seine Hoffnung auf ein neues Anlaufen des Livegeschäfts und zeigte sich solidarisch mit den Forderungen der Protagonisten nach weiteren und wirksameren staatlichen Unterstützungen.

Die Musikwirtschaft sei nun einmal kleinteilig organisiert, betonte Briegmann. Das heiße aber nicht, dass sie Branche nicht "systemrelevant" sei: "Im Gegenteil, die Menschen brauchen Kultur und Unterhaltung." Das gemeinsame Erlebnis fehle derzeit jedoch einfach. "Insofern haben unsere Freunde aus der Livebranche unsere volle Unterstützung", sagte Briegmann, und schloss dabei auch die vielen Crewmitglieder ein, die derzeit oftmals kein Einkommen hätten.

"Wir bei Universal Music tun unser Möglichstes, um für Stabilität zu sorgen", versprach der Konzernchef, und leitete damit über in einen Rückblick auf die vergangenen Monate, denn "ich denke. das ist uns in den ersten beiden Corona-Quartalen ganz gut gelungen".

In einem filmischen Rückblick auf die Zeit seit der Vertriebstagung 2019 griff das Universal-Music-Team dann zunächst Highlights wie den Oscar-Gewinn von Hildur Guðnadóttir auf, die Brit Awards von Vertigo-Berlin-Künstler Lewis Capaldi oder die Grammy-Siege von Billie Eilish, schlug einen Bogen über internationale Bilder aus der Zeit des Lockdowns und leitete über zu Bildern von Künstlerperformances aus der Post-Lockdown Zeit.

Dabei hätte man aber nicht nur künstlerisch überzeugen können, sondern auch wirtschaftlich, leitete Briegmann zur Entwicklung im weltweiten Musikgeschäft über: "Nachdem die Musikindustrie im vergangenen Jahr bereits um über acht Prozent gewachsen ist, konnte sie im ersten Halbjahr 2020 trotz aller Einschränkungen um weitere knapp fünf Prozent zulegen", bilanzierte der Universal-Manager. Dabei habe das Streaming den Rückgang bei den physischen Formaten mehr als bloß kompensieren können. Hierzulande, so zeigte Briegmann mit anschaulichen Diagrammen, habe Universal Music im Zeitraum von Anfang Januar bis Ende August bei den Singles einen Charts-Marktanteil1 von rund 47 Prozent erreichen können und bislang in 19 Wochen die Nummer eins gestellt, bei den Alben lag der Charts-Marktanteil bei "nicht weniger grandiosen 41 Prozent".

Damit sich der Markt auch weiterhin gut entwickeln könne, seien indes drei Faktoren entscheidend, leitete Briegmann über zu seiner politischen und wirtschaftlichen Botschaft: "Erstens muss es dem Gesetzgeber gelingen, die europäische Urheberrechtsrichtlinie wortgetreu in deutsches Recht umzusetzen", fordert er. Der aktuelle Diskussionsentwurf des Bundesjustizministeriums lese sich hingegen wie die Suche nach einem deutschen Sonderweg. Frankreich oder die Niederlande seien bei der Umsetzung auf einem besseren Weg, meinte Briegmann, und mahnte einen besseren Schutz der Kreativen und Rechteinhaber gegenüber großen Plattformen an. Gelingt es uns nicht, den Gesetzgeber von der Notwendigkeit zu überzeugen und setzt er sich in der Folge sogar über europäisches Recht hinweg, wäre der Schaden groß oder es bliebe uns noch der Klageweg mit der damit verbundenen jahrelangen Ungewissheit über den Schutz der Kreativen. Alles andere "wäre für unsere Künstlerinnen und Künstler und für uns ein großer Rückschlag".

Zweitens, so sagte Briegmann, erschließe man ständig neue Erlösquellen wie die inzwischen zum Millionenseller aufgestiegene Gangstarella-Pizza mit Capital Bra, oder führe Lizenzverhandlungen mit digitalen Plattformen: "Musik ist etwas wert und muss monetarisiert werden, dafür setzen wir uns ein", lautete seine Botschaft.

Und drittens schließlich, werde man bei Universal Music "auch weiterhin unser Bestes geben, um unsere Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Euch nach vorne zu bringen". Die dafür nötigen Hausaufgaben habe man gemacht, um die unter anderem im vierten Quartal anstehenden Schwerpunkte vorzubereiten.

In einem filmischen Ausblick schlug das Universal-Music-Team dann den Bogen von anstehenden Veröffentlichungen auf einer stilistischen Bandbreite von Sam Smith über Helene Fischer und Bon Jovi bis hin zu Ella Fitzgerald und Drake, dessen Album "Certified Lover Boy" schon "demnächst" erscheinen soll, oder Gentleman, dessen Album "Blaue Stunde" für den November ansteht, während bereits am 18. September ein neues Album von Capital Bra erscheint, eine Woche später gefolgt von einem Longplayer von Machine Gun Kelly. Auch zahlreiche Künstler steuerten Grüße ans Hause Universal Music und andere Partner bei, darunter Katy Perry, Billie Eilish, Max Raabe oder Pur-Sänger Hartmut Engler bei, aber auch Jan Delay ("Ich hoffe, nächste Jahr für euch auf einer Vertriebstagung spielen zu können.") oder Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich, der neben Frank Briegmann und Ulf Zick auch im Namen der Bandmitglieder dem gesamten Universal-Music-Team dankte.

Nachdem der erste Teil der digitalen Ausgabe von Universal Inside direkt aus dem Büro gesendet wurde, lud der Spitzenmanager die Zuschauer dann vom obersten Stockwerk des Firmengebäudes an der Stralauer Allee herunter ins Foyer, wo gleich zwei Newcomer live auftraten. Man sei "sehr happy", Bow Anderson "vor über einem Jahr hier in Berlin bei Polydor Island signen konnten", sagte Briegmann zunächst über die schottische Künstlerin, "von der wir noch viel hören werden, wofür natürlich nicht zuletzt wir sorgen". Den Abschluss bildeten dann die Giant Rooks, die mit ihrem frisch veröffentlichten Albumdebüt derzeit die Charts ansteuern und mit Briegmann die westfälische Herkunft teilen.

Frank Briegmann bedankte sich schließlich bei seinem Universal-Team, das "mit Leidenschaft und Engagement" dafür gesorgt habe, dass das Unternehmen so gut dastehe, aber auch bei den Partnern für deren Unterstützung. Er hoffe, alle schon bald wieder "live und in Farbe" wiedersehen zu können, "idealerweise sogar bei einem Konzert".

Text: Knut Schlinger