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Neuer Verband Pro Musik vertritt freie Musikschaffende

Der neu gegründete Verband Pro Musik setzt sich für die Interessen aller freien Musikschaffenden ein, "unabhängig von Genre- und Szenezugehörigkeit". Zu den ersten Amtshandlungen zählten ein Treffen mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie eine Stellungnahme zum Entwurf des Bundesjustizministeriums zum Urheberrecht.

07.09.2020 14:52 • von Frank Medwedeff
Hoben Pro Musik aus der Taufe (oben von links): Ella Rohwer, Marous Goldhammer und Axel Müller, (Mitte): Lukas Berg sowie (unten, von links) Wolf Simon, Michaela Danner und Oleg Rovner (Bild: Pro Musik)

Der neu gegründete Verband Pro Musik setzt sich für die Interessen aller freien Musikschaffenden ein, "unabhängig von Genre - und Szenezugehörigkeit".

Während es für einige Bereiche der Musikkultur bereits individuelle Interessenverbände gebe, seien insbesondere die freien Musiker bislang ohne einen Verband dagestanden, welcher ihre Interessen im Dialog mit Auftraggebern und der Politik vertritt. "Wir hören immer wieder: Ihr habt halt keine Lobby", berichten die Gründer von Pro Musik - Verband freier Musikschaffender. Anlässlich der Corona-Krise haben sich die beteiligten Musikerinnen und Musiker zusammengetan, "um unsere langjährigen Erfahrungen zu teilen und Ideen zur Verbesserung der sozialen Absicherung, der Arbeitskonditionen und der Lobby der Musikschaffenden zu entwickeln. Als erfahrene und gut vernetzte MusikerInnen der freien Szene möchten wir Vertreter, Ideengeber und Berater zwischen der Szene und der Politik sein - für die Szene, für die Musik."

Gründungsmitglieder sind:

Axel Müller (Saxofonist, Multiinstrumentalist,Komponist und Musikmanager, aktiv bei BAP, "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert", Gregor Meyle und vielen anderen),

Michaela Danner (Violinistin, Komponistin, Keyboarderin, Singer/ Songwriterin, arbeitete unter anderem mit Michael Bublé, James Last, Helene Fischer),

Wolf Simon (Schlagzeuger, Fotograf, Veranstalter, Musical Director und Dozent, Lehraufträge an den Musikhochschulen Osnabrück und Düsseldorf; arbeitete mit Klaus Lage, Höhner, Axxis, Doro Pesch und Howard Carpendale),

Lukas Berg (Schlagzeuger, Produzent, Musical Director, Coach, Songwriter, unter anderem für Maxim, Roosevelt, Kasalla, Schauspielhaus Köln, Oper Bonn tätig),

Oleg Rool Rovner (Saxofonist, Arrangeur, Komponist, unter anderem für Rea Garvey, Die Fantastischen Vier, Luke Mockridge),

Marius Goldhammer (E-Bassist, Kontrabassist, Musical Director, Komponist, Lehraufträge Hochschule für Musik Köln und Osnabrück, Gastdozent Conservatorien Arnheim und Enschede; arbeitete mit BAP, Mark Forster, Nils Landgren, Chaka Khan),

und Ella Rohwer (Cellistin, tätig im Musikmanagement, Lehrauftrag an der HfMT Köln, Mitglied des Ensembles BRuCH, arbeitete mit Bosse, Michael Bublé, Max Herre, Masta Ace, Schauspiel Köln, Ensemble Modern).

Am 4. September traf sich eine Delegation des Verbandes mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, um über Verbesserungen der wirtschaftlich unverändert schwierigen Situation freischaffender KünstlerInnen zu sprechen. Dabei sei es sowohl um kommunale Soforthilfen als auch um eine perspektivisch verbesserte Absicherung der Musiker gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit gegangen. Henriette Reker sagte den Musikern demnach Unterstützung zu und wolle das Thema auch auf Landes- und Bundesebene in die politische Diskussion einbringen.

Zu den ersten Amtshandlungen von Pro Musik gehörte zudem eine Stellungnahme zum Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des digitalen Binnenmarktes duch das Bundesjustizministerium.

Die Situation professioneller Musikerinnen und Musiker zeichne sich dadurch aus, dass sie nur in Ausnahmefällen eigenes Repertoire aufführen oder aufnehmen", heißt es darin. Als Inhaber eines Leistungsschutzrechts, welches grundsätzlich dem Urheberrecht der AutorInnen der Musik gleichgestellt sei, seien sie wie diese "auf angemessene Vergütungen angewiesen, welche sich aus urheberrechtlich bedingten Lizenz-und Nutzungsvergütungen ergäben - wären sie denn im Markt tatsächlich durchsetzbar". Dies sei aber tatsächlich sehr oft nicht der Fall, "schon weil immer wieder die Lizenzschuldnerschaft unklar ist und offensichtliche Verwerter wie YouTube sich vor der gebotenen Verantwortungsübernahme drücken". Besonders im Onlinemarkt sei die Situation dramatisch, daher begrüßt ProMusik Teile des vorliegenden Entwurfs zur Umsetzung der DSM-Richtlinie in deutsches Recht. Doch bereiten dem Verband "einige Aspekte des Diskussionsentwurfs vom 24. Juni 2020 große Sorgen".

Pro Musik schließe sich grundsätzlich der Stellungnahme der Initiative Urheberrecht vom 31. Juli 2020 an, weist aber darüber hinaus "auf einige uns besonders wichtige Punkte hin": Bezüglich der Paragrafen 5 und 6 des Diskussionsentwurfs zeigt sich der Verband "verwundert über die unbestimmten Rechtsbegriffe" wie "Pastiche", "aber auch über die absoluten Zahlen; beides wird unserer Ansicht nach den Markt stark in Mitleidenschaft ziehen". Dass nicht alle Schranken vergütet werden sollen, irritiere Pro Musik. Insbesondere hier schließe man sich der Initiative Urheberrecht an und deren Vorschlag, Anregungen aus der Wissenschaft zu folgen, "die Schrankenregelungen zusammenzufassen und insgesamt vergütungspflichtig zu machen".

Den in Paragraf 7 des Diskussionsentwurfs vorgesehene "Direktvergütungsanspruch an die fraglichen Plattformen für die UrheberInnen und die ausübenden KünstlerInnen" hält Pro Musik für einen "pragmatischen, richtigen, überfälligen Schritt", zumal diese Regelung "für manche Bereiche der digitalen Nutzung komplexer Werke erstmals überhaupt einen handhabbaren Anspruch für die Beteiligten" ermögliche.

Zu den Paragrafen 8, 10 und 11 erklären die Pro-Musik-Gründer: "Die aktive Beteiligung der User ist wünschenswert, eine solche aktive Einbindung darf aber nicht in einem Freibrief für User und Plattformen resultieren". Es solle nicht vergessen werden, dass ein ganz wesentliches Ziel der DSM-Richtlinie die "Plattformhaftung" war und sei. Das Risiko für das Verhalten der Anwender einer Plattform auf die Rechteinhaber abzuwälzen, sei nicht nur unlogisch, sondern widerspreche dieser Absicht. Bezüglich der Umsetzung des Urhebervertragsrechts betont der Verband, dass in der Kultur-und Medienbranche eine strukturelle Asymmetrie herrsche, "die durch die Digitalisierung dramatisch an Gewicht gewonnen hat, sodass ein zentrales Ziel einer urheberrechtlichen Reform in der Stärkung der Position der UrheberInnen und ausübenden KünstlerIinnen liegen muss, in der Wiederherstellung eines 'Level Playing Fields'."