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IFF erreichte 650 virtuelle Delegierte

Die sechste Ausgabe des International Festival Forum (IFF), das in diesem Jahr als Interactive Festival Forum firmierte, meldet rund 650 Fachteilnehmer. Auf viel Resonanz stießen die Keynote von Marc Geiger und ein Panel mit Folkert Koopmans.

07.09.2020 14:05 • von Dietmar Schwenger
Diskutierten (oben, von links): Moderator Greg Parmely, Folkert Koopmans (FKP Scorpio) sowie (unten) Emma Banks (CAA) und Marty Diamond (Paradigm) (Bild: Screenshot MusikWoche)

Die sechste Ausgabe des International Festival Forum (IFF), das in diesem Jahr als Interactive Festival Forum firmierte, meldet rund 650 Fachteilnehmer, die sich am 2. und 3. September 2020 Panels, Präsentationen und Workshops anschauten und sich auf digitale Match Making Sessions einließen.

"Angesichts der Tatsache, dass das IFF die einzige Zusammenkunft der Musikfestivalwirtschaft in diesem Jahr ist, war die Veranstaltung für viele eine Katharsis-Erfahrung", sagt IFF-Veranstalter Greg Parmley im Gespräch mit IFF-Medienpartner MusikWoche. "Weil das Leben in den vergangenen Monaten auf eine viel kleinere Blase reduziert wurde, fühlte sich die IFF wie ein wichtiger Moment an, wenn man seine Kollegen aus aller Welt wiedersehen und mit ihnen offen über eine Lage sprechen konnte, von der wir alle betroffen sind, wenn auch individuell verschieden. Dennoch hoffen wir natürlich, dass wir uns nächstes Jahr in London treffen und an der Bar anstellen können."

Wegen der digitalen Ausgabe nahmen an der IFF mehr Fachbesucher teil als jemals zuvor. Zudem sprachen 65 Panelisten und es gab sechs Stunden live gestreamte Showcase-Konzerte. Die Teilnehmerzahlen an den einzelnen Panels lagen laut IFF-Angaben zwischen 150 und 350 Personen, zu den am häufigsten angewählten Programmpunkten gehörten die Keynote von Marc Geiger, des einstigen Head Of Global Music WME, und das Festivalpanel unter anderem mit FKP-Scorpio-Chef Folkert Koopmans. Die zentrale Frage war, ob Festivals 2021 wieder stattfinden können - und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

Koopmans gab sich zuversichtlich. "Die Aussichten sind gut, wenn wir denn stattfinden dürfen. 85 Prozent der Personen, die in diesem Jahr Karten für eines unserer Events gekauft hatten, haben ihre Tickets behalten, nur 15 Prozent haben es sich erstatten lassen. Zudem haben wir für 2021 bereits 15.000 neue Tickets verkauft. Die Leute wollen einfach wieder auf Events gehen, der Wunsch danach ist stärker als jemals zuvor."

Zugleich müssten die Festivals zusammenarbeiten und die Regierungen auch von der wirtschaftlichen Wichtigkeit von Festivals überzeugen. "Denn wenn auch 2021 keine Festivals erlaubt sein sollten, wird das ein fürchterlich trauriges Jahr für das internationale Festivalgeschäft. Auch weil es für das nächste Jahr keine Versicherungen wegen Covid19-Absagen mehr geben wird, werden Künstler, Agenten und Veranstalter noch mehr Geld verlieren", so Koopmans weiter.

Optimismus wollte auch Herman Schueremans (CEO Live Nation Belgium/Rock Werchter) verbreiten. Er berichtete von einer großen "Black Lives Matter"-Massendemonstration in Belgien, bei der es zu keiner Infektion gekommen sei, weswegen auch größere Liveveranstaltungen wieder erlaubt werden müssten. "Wir müssen Lobby-Arbeit bei unseren Regierungen machen und Vertrauen aufbauen. Lasst uns als Branche zusammenarbeiten, lasst uns nicht aufgeben, sondern kämpfen!"

Noch optimistischer war Marc Geiger in seinem Keynote Interview mit der Goldman & Sachs-Analystin Lisa Yang. Er sprach von einer Renaissance der Wilden 20er Jahre - in Anlehnung an die spanischen Grippe von 1918 bis 1920, nach deren Ende die Welt eine neue kulturelle Blütezeit erlebte. Allerdings rechnet Geiger bei der aktuellen Pandemie nicht vor 2022 damit.

Unterstützung für seine These erhielt er dabei von Yang, die ausführte, dass die weltweite Musikbranche in diesem Jahr zwar 75 Prozent ihres Werts verlieren wird, aber bereits 2021 bei 65 Prozent des Werts aus der Vor-Corona-Zeit stehen werde. 2022 werde die Branche dann wieder vollständig auf dem alten Stand seien. Der Weg dahin werde zwar hart, weil man so viele externe Faktoren nicht kontrollieren könne, aber strukturell werde die Branche zurückkehren: "Die Frage ist nicht ob, sondern wann."

Nach zwei Jahren ohne Festivals werden die Firmen, die so lange durchhalten, eine gewaltige Nachfrage erleben, prognostizierte Geiger. "Denn wenn der Markt zurückkommt, kommt er gewaltig." Er glaubt, dass große Corporate-Unternehmen wie Live Nation, CTS Eventim oder AEG Presents noch größer werden, im Bereich Recorded Music sagte er einen Börsengang von Sony Music und Universal Music voraus.

In einem vielbeachteten Informationsbeitrag sprach Mark Satler, Senior Medical Advisor Pubic Health England, über die virologische Entwicklung. Er sei zwar zuversichtlich, dass ein Impfstoff gefunden werde, Sorgen bereite ihm allerdings, dass wegen der relativ niedrigen Infiziertenzahlen der Testrücklauf bei den Probanden nicht ausreichen könnte für eine valide Aussage, ob der getestete Impfstoff auch wirklich etwas bringe. Deswegen empfahl er: "Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und mehr Risiken einzugehen."