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Lebenswerk-Amadeus für André Heller

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat André Heller bereits im Vorfeld der 20. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards die goldene Amadeus-Trophäe in der Rubrik "Lebenswerk" überreicht.

02.09.2020 11:00 • von Frank Medwedeff
Trafen sich zur Preisverleihung im Kaffehaus: André Heller (rechts) und Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Bild: Amadeus 2020)

Die 20. Amadeus Austrian Music Awards werden in diesem Jahr coronabedingt im Rahmen einer von Conchita Wurst moderierten voraufgezeichneten TV-Show ohne Publikum verliehen, die am 10. September um 20:15 Uhr in ORF 1 ausgestrahlt wird. Die Verleihung des Lebenswerk-Amadeus ging indes schon im Vorfeld über die Bühne: Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen überreichte André Heller die goldene Amadeus-Trophäe für dessen Lebenswerk im Café Hawelka in Wien.

André Heller "sei eine der überlebensgroßen Figuren der österreichischen Pop-Historie, vielleicht sogar mehr als das", verlautet die IFPI Austria in ihrem Text zur Wahl des Multitalents als Preisträger. Als Liedautor und Interpret, Radiomoderator, Labelbetreiber, Financier, Anstoßgeber, Netzwerker und Querdenker habe Heller "Entscheidendes zur Entstehung und Emanzipierung der hiesigen Szene beigetragen".

Aufgewachsen als Sohn eines vor den Nazis geflohenen Süßwarenindustriellen, der 1945 als mittlerweile französischer Offizier nach Österreich zurückkehrte, zählte André Heller 1967 zu den Mitbegründern des Radiosenders Ö3 und moderierte dort unter anderem als DJ Andreas "Die Musicbox". Zugleich startete er im Dunstkreis der ersten Austropop-Gehversuche eine eigene Karriere als Chansonnier: 1968 produzierte Heller sein Album "Nr. 1"; bis 1985 veröffentlichte er insgesamt 14 Longplayer. André Heller arbeitete mit namhaften österreichischen Kollegen wie Robert Opratko, Toni Stricker, Peter Wolf, Wolfgang Ambros und Helmut Qualtinger zusammen, nahm aber auch mit vielen internationalen Größen wie Astor Piazzola, Chaka Khan, Freddie Hubbard, Joe Henderson oder Brian Eno Musikstücke auf.

Trotz großer Erfolge - darunter Tourneen bis nach Israel, zwölf Gold- und sieben Platin-Auszeichnungen - wandte sich Heller ab Anfang der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts verstärkt aufwändigen Inszenierungen, Spektakeln und Installationen zu. Dazu zählten "Flic Flac", Feuertheater in Lissabon und Berlin, Musikshows in Europa, Asien, Afrika und Amerika, Flugskulpturen, der von Weltkünstlern gestaltete Vergnügungspark Luna Luna, die Erfindung und Einrichtung der Swarovski Kristallwelten in Wattens und die Erschaffung des Gartens und des Museumsprojektes "Anima" in Marrakesch.

Auch als Buchautor und Filmemacher trat Heller immer wieder in Erscheinung. Zuletzt zeichnete er für eine spektakuläre "Rosenkavalier"- Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin verantwortlich.

Die "ungeheure" musikalische Bandbreite seines Repertoires reiche "vom Wienerlied bis zum artifiziellen Pop-Kunstwerk, vom weltmusikalischen Flirt bis zur Bob Dylan-Coverversion", wie die IFPI Austria ausführt. Ende 2019 kam demnach zuletzt mit "Spätes Leuchten" ein "überraschendes Postscriptum zu Hellers Musikschaffen auf den Markt" das von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden sei. "Eine umfassende Würdigung seines eigenwilligen und im deutschsprachigen Raum unerreichten musikalischen Werks ist überfällig und wird nun mit der Verleihung des Lebenswerk-Amadeus verwirklicht", publiziert die IFPI Austria.