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Musikindustrie geht weiter gegen Streaming-Betrüger vor

Spätestens mit dem "Rap Hack" rückten mögliche Manipulationen im Streamingbereich in den Fokus von Branche und Öffentlichkeit. Nun haben der Bundesverband Musikindustrie und der internationale IFPI-Dachverband einstweilige Verfügungen gegen die Betreiber von gleich fünf Webseiten erwirkt, die entsprechende "Dienstleistungen" im Angebot führten.

24.08.2020 13:47 • von
Meldet "Probleme mit einigen Dienstleistungen": eine der von BVMI und IFPI angeprangerten Webseiten, die die Manipulation von Streamingzahlen im Angebot führte (Bild: socialnow.de, Screenshot)

Spätestens mit dem "Rap Hack" rückten mögliche Manipulationen im Streamingbereich in den Fokus von Branche und Öffentlichkeit. Nun haben der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und der in London ansässige internationale IFPI-Dachverband einstweilige Verfügungen gegen die Betreiber von gleich fünf Webseiten erwirkt, die "Dienstleistungen" wie die Manipulation von Audiostreams im Angebot führten.

Nach BVMI- und IFPI-Informationen haben die Landgerichte Bremen, Hamburg, Köln und Darmstadt einstweilige Verfügungen gegen die Betreiber von socialnow.de, von socialgeiz.de und likergeiz.de, von netlikes.de sowie von likesandmore.de erlassen. "Aufgrund der Verfügungen ist es den Betreibern ab sofort untersagt, ihre Manipulationsdienste - die Erzeugung von Plays, die nicht auf die Nutzung durch echte Hörer/innen zurückgehen - anzubieten", heißt es aus Berlin. Das gelt für alle Onlinemusikdienste. Mit fanexplosion.de habe zudem ein weiterer Betreiber sein Angebot nach einer Unterlassungsaufforderung durch den BVMI eingestellt.

Beim BVMI und bei der IFPI wertet man die gerichtlichen Verfügungen als "Teil einer umfassenden Kampagne der Musikindustrie, aktiv gegen Streaming-Manipulation vorzugehen". Zudem erinnert man an den im Sommer 2019 im Schulterschluss einer breiten Koalition innerhalb der Branche unterzeichneten "Code Of Best Practice" und an eine im März 2020 gegen followerschmiede.de erwirkte Unterlassungsverfügung.

"Die Musikindustrie investiert weltweit in die Entwicklung des legalen digitalen Musikmarktes und treibt diese voran, indem sie sich dafür einsetzt, dass diejenigen, die Musik schaffen, für ihre Arbeit fair und korrekt entlohnt werden", kommentiert IFPI-Geschäftsführerin Frances Moore. Anbieter von Manipulationen im Streamingbereich würden "sowohl die Genauigkeit der Lizenzzahlungen an die Musikschaffenden als auch die Glaubwürdigkeit der Charts" untergraben, "und wir gehen dieses Problem an", verspricht Moore. "Die jüngsten rechtlichen Schritte in Deutschland sind ein integraler Bestandteil unserer Strategie, weltweit gegen solche Websites vorzugehen, wo immer dies nötig ist."

Als Vorstandsvorsitzender BVMI streicht Florian Drücke zudem heraus, dass für Fans und Branchenakteure "das Vertrauen in die digitalen Angebote von hoher Bedeutung" sei, "nicht zuletzt auch, weil hier mittlerweile der größte Teil des Branchenumsatzes erwirtschaftet wird." Das hatten auch die jüngst vom BVMI vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr 2020 gezeigt. Für DRücke ist deshalb klar: Für wettbewerbswidrige Beeinflussung von Abrufen ist vor diesem Hintergrund kein Millimeter Platz und die Entscheidungen verdeutlichen einmal mehr die Entschlossenheit der Branche, hier weiter konsequent vorzugehen."