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Zum Halbjahr Einbruch bei CTS Eventim

Auch bei CTS Eventim führt die Pandemie zu massiven Rückgängen bei Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2020. Dennoch ist sich CEO Klaus-Peter Schulenberg sicher, man werde aus der Krise gestärkt und agiler hervorgehen.

20.08.2020 10:21 • von Dietmar Schwenger
Muss einen Umsatzrückgang von 71,5 Prozent hinnehmen: Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim (Bild: CTS Eventim)

Auch bei CTS Eventim führt die Pandemie zu massiven Rückgängen bei Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2020. Dank konsequenter Kosten- und Effizienzmaßnahmen habe man jedoch "ein nahezu ausgeglichenes normalisiertes EBITDA" erzielt. Während der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr, als das Unternehmen noch 696,6 Millionen Euro erzielte, um 71,5 Prozent auf 198,5 Millionen Euro zurückging, lagen die normalisierten Verluste vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bei minus 2,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lag diese Summer noch bei 111,8 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal verringerte sich der Konzernumsatz im Vorjahresvergleich wegen der Konzertverbote um 96,6 Prozent auf 13,9 Millionen Euro (Vorjahr: 413,9 Millionen Euro). Das normalisierte EBITDA lag in dem Quartal bei minus 16,2 Millionen Euro nach 54,7 Millionen Euro im Vorjahr. "Umgehend eingeleitete Maßnahmen zur Senkung der Kosten und Erhöhung der Effizienz" hätten dem Konzern unterdessen Entlastung in zweistelliger Millionenhöhe gebracht, heißt es aus Bremen.

Darüber hinaus wurden Investitionen auf ein Mindestmaß reduziert. Um den Handlungsspielraum zu verbessern, beschloss die Hauptversammlung im Juni die Aussetzung der Dividende für 2019. Zudem wurde eine bestehende Kreditlinie gezogen. Insgesamt lagen die liquiden Mittel zum 30. Juni damit bei rund 820 Millionen Euro. Zusätzlich arbeitet der CTS-Konzern in den europäischen Kernmärkten an der Umsetzung gesetzlich verankerter Gutscheinlösungen, wodurch die Liquidität weiter gesichert werde.

"Obwohl wir durch die Corona-Pandemie derzeit die schwierigste Phase unserer Unternehmensgeschichte erleben, richten wir den Blick zuversichtlich nach vorne", sagt Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim. "Vor allem in der Krise kann ein Unternehmen beweisen, wie leistungsfähig es ist. Dank umsichtigen Wirtschaftens in der Vergangenheit und unserer daraus resultierenden soliden Liquidität, konsequenter Kosten- und Effizienzmaßnahmen, unserer zukunftsgerichteten Technologien und nicht zuletzt dank nach wie vor hochmotivierter Mitarbeiter sind wir auch für ein solch schwieriges Marktumfeld wie derzeit gut gerüstet. Wir werden aus der Krise gestärkt und agiler hervorgehen."

Schulenberg ist optimistisch: "Dass es inzwischen wieder Veranstaltungen mit mehreren hundert Besuchern gibt, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Unsere Lanxess Arena in Köln war dabei ein Vorreiter, und in unserer Berliner Waldbühne sind im September sogar testweise Konzerte mit bis zu 5000 Menschen geplant, natürlich mit einem entsprechenden Hygienekonzept. Wir wissen, dass trotz Corona die Begeisterung für Live-Veranstaltungen ungebrochen ist."

Einer aktuellen Umfrage unter Eventim-Kunden zufolge wollen 75 Prozent der Befragten binnen vier Monaten, nachdem die Corona-Einschränkungen aufgehoben wurden, wieder Live-Veranstaltungen besuchen. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer begrüßten laut der Studie die gesetzlich verankerte Gutschein-Lösung. Über 85 Prozent wollen die Gutscheine für eine andere als die ursprünglich geplante Veranstaltung einlösen. In der Erhebung sagten zudem mehr als 90 Prozent der Befragten, dass sie Live-Unterhaltung und Konzerte vermissen.

Im Segment Ticketing ging der Umsatz in den ersten sechs Monaten des Jahres verglichen mit der ersten Jahreshälfte 2019 um 55,8 Prozent auf 88,4 Millionen Euro zurück - nach 200,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019. Das normalisierte EBITDA sank von 74,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 1,3 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2020 verringerte sich der Umsatz von 95,8 Millionen Euro um 90,2 Prozent auf 9,4 Millionen Euro, während das normalisierte EBITDA bei minus 18,2 Millionen Euro lag (Vorjahr: 32,5 Millionen Euro).

Im Segment Live Entertainment verringerte sich der Umsatz im ersten Halbjahr um 77,2 Prozent auf 114,9 Millionen Euro, im Vorjahr schlugen hier noch 504,5 Millionen Euro zu Buche. Das normalisierte EBITDA erreichte einen Wert von minus 1,4 Mio. Euro nach 37,4 Millionen Euro im Vergleichszeitraum. Hierin sind Erträge aus Versicherungserstattungen in Höhe von 42,4 Millionen Euro enthalten. Im zweiten Quartal 2020 ging der Umsatz der zur CTS-Eventim gehörenden Veranstalter wie FKP Scorpio oder Semmel Concerts um 98 Prozent von 322,3 Millionen Euro auf 6,3 Millionen Euro zurück. Das normalisierte EBITDA erreichte hier nur noch 1,9 Millionen Euro nach 22,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Wegen der weiterhin bestehenden erheblichen Unsicherheiten durch den künftigen Verlauf der Corona-Krise und deren Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2020 sei aus Sicht der Geschäftsleitung eine Prognose für das Gesamtjahr nach wie vor nicht möglich. Dewegen hatte der Konzern bereits am 3. April die Prognose für 2020 zurückgezogen. Man wolle die erwartete Entwicklung quantifizieren, sobald eine Prognose möglich sei.