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Musikindustrie bleibt im ersten Halbjahr auf Wachstumskurs

Die deutschen Labels haben trotz Corona in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres laut BVMI-Angaben insgesamt 783,7 Millionen Euro Umsatz erzielt - das sind 4,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Weil drei Viertel davon digital erwirtschaftet wurden, treibt den Verband derzeit jedoch eine Sorge um.

20.08.2020 10:01 • von Dietmar Schwenger
Nur noch 25,8 Prozent wurden physisch erzielt: die Umsatzverteilung im ersten Halbjahr 2020 (Bild: Grafik: BVMI)

Die deutschen Labels haben trotz Corona in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres laut Angaben des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) insgesamt 783,7 Millionen Euro Umsatz erzielt - das sind 4,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, als die Branche nur 748,1 Millionen Euro Umsatz verbuchen konnte. Verantwortlich für das positive Ergebnis ist das weiter auf hohem Niveau dynamisch wachsende Audio-Streaming, das um 20,7 Prozent zulegte und seine Position als umsatzstärkstes Format weiter ausbauen konnte.

Das Video-Streaming wächst mit 31,3 Prozent sogar noch deutlicher, hat aber mit 3,3 Prozent noch immer einen sehr geringen Marktanteil. Daneben hat die CD (minus 22,9 Prozent) mit einer gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelten Rückgangsrate stark gelitten durch die krisenbedingten Maßnahmen, die auch den stationären Handel betrafen, während Vinyl Zuwächse verzeichnete (plus 4,6 Prozent). Downloads gaben weiterhin sehr deutlich nach (minus 22,5 Prozent).

Insgesamt wuchs das Digitalgeschäft in den ersten sechs Monaten 2020 um 16,4 Prozent auf einen Anteil am Gesamtumsatz von 74,2 Prozent (Gesamtjahr 2019: 64,4 Prozent). Das physische Geschäft (minus 18,6 Prozent) kommt entsprechend auf einen Umsatzanteil von 25,8 Prozent. Audio-Streaming hat mit 65,7 Prozent den größten Anteil an den Brancheneinnahmen, es folgen die CD mit 20,0 Prozent, Downloads mit 5,1 Prozent und Vinyl-LPs mit einem Umsatzanteil von 4,5 Prozent.

"Dass sich die Branche in der Corona-Krise im ersten Halbjahr 2020 insgesamt belastbar gezeigt hat, ist sehr erfreulich und ein Ergebnis der erfolgreichen Digitalstrategie der Mitgliedsfirmen in den vergangenen Jahren", sagt Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender BVMI. "Allerdings: Mit einem Digitalanteil von fast 75 Prozent ist die wortlautgetreue Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht nun oberste Priorität, denn hier wird der Rahmen gesetzt, in dem das digitale Wachstum in Zukunft stattfindet. Der sogenannte Diskussionsentwurf, den das BMJV kürzlich vorgelegt hat, sendet das sehr beunruhigende und daher für die Branche inakzeptable Signal, dass hier ein deutscher Sonderweg eingeschlagen werden soll, der weder die Richtlinie reflektiert, wie sie ursprünglich gedacht ist, noch die Interessen der Rechteinhaber."

Für Drücke ist "unbedingt wichtig jedoch, die positiven Zahlen im musikwirtschaftlichen Gesamtkontext einzuordnen: "Denn das leichte Wachstum in unserer Branche darf nicht davon ablenken, wie groß die Krise für den Live-Sektor ist - mit den verheerenden Auswirkungen für Künstlerinnen und Künstler und all jene, die hier an der Wertschöpfung teilhaben. Dies kann durch das leichte Plus auf der Seite der Musikverkäufe bestenfalls leicht abgefedert, aber bei Weitem nicht ausgeglichen werden. Auch deshalb begleiten wir die Forderungen nach staatlichen Hilfsmaßnahmen solidarisch."