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Für Jens Michow ist die Livebranche "kein Rotary Club"

Jens Michow feierte am 16. August seinen 70. Geburtstag. MusikWoche sprach mit dem BDKV-Präsidenten, LEA-Produzenten, Autor und Dozenten über die Corona-Krise, aber auch über Verbands- und Lobbyarbeit.

17.08.2020 09:48 • von Dietmar Schwenger
Unermüdlicher Kämpfer für die Livebranche: Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Jens Michow feierte am 16. August seinen 70. Geburtstag. MusikWoche sprach mit dem BDKV-Präsidenten, LEA-Produzenten, Autor und Dozenten über die Corona-Krise, aber auch über Verbands- und Lobbyarbeit.

Worin besteht für den Verband wie auch für Sie persönlich die größte Herausforderung während der Corona-Krise?

Jens Michow: In der Diskrepanz zwischen den Erwartungen unserer Mitglieder einerseits und andererseits dem, was in Berlin bei realistischer Betrachtung durchsetzbar ist. Unsere Mitglieder können, wofür ich Verständnis habe, nicht nachvollziehen, dass der Bund ihnen nicht die Schäden ersetzt, die sie derzeit unverschuldet erleiden. Den Satz »Wann kommt endlich Geld?« höre ich in den letzten Wochen immer häufiger. Ich verstehe das, denn die Veranstaltungswirtschaft ist am härtesten von der Krise betroffen, und viele Unternehmen werden nicht mehr lange durchhalten. Der Live-Bereich wird nun zwar über das Programm Neustart Kultur eine finanzielle Hilfe erhalten. Von den dort für den Bereich Musik vorgesehenen 150 Millionen Euro wird aber nur ein Teil - wenn auch der größte - an die Veranstalter fließen. Angesichts der Milliardenverluste der letzten sechs Monate und der in den kommenden Monaten noch zu erwartenden Verluste ist dieser Anteil angesichts mittlerer dreistelliger Milliarden Einnahmeverluste dennoch leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Alle Wortveranstaltungen, zum Beispiel Comedy- und Kabarett- oder Dance-Veranstaltungen, aber auch diverse andere Bereiche der Musikwirtschaft wie etwa die Tonträgerhersteller oder Musikverlage waren dabei bisher gar nicht berücksichtigt. Gott sei Dank konnte ich für die Veranstalter im Wort-Bereich da noch nachbessern. Und obwohl sie expressis verbis in dem Programm Neustart Kultur genannt waren, gehen die Künstlervermittlungsagenturen jedenfalls bisher noch völlig leer aus. Wenn die Musikbranche im Allgemeinen und die Veranstaltungswirtschaft im Besonderen mit ihrer bisher gewohnten Vielfalt weiterbestehen soll, wird der Bund angesichts der Dauer, die wir in jeder Berufsausübung blockiert waren und weiter sein werden, den Veranstaltungsunternehmen weitere Hilfen gewähren müssen. Es muss aber auch verstanden werden, dass dieses Ziel nicht von heute auf morgen erreicht werden kann. Das alles ist den so stark betroffenen Branchenakteuren schwer zu vermitteln. Aber der Bund hat von Anfang an gesagt, dass er keine branchenspezifischen Hilfen gewähren wird, und dass die Unternehmen auch nicht mit Schadensersatz rechnen können. Die Herausforderung besteht nun darin, trotz aller Widrigkeiten Wege zu finden, um doch noch hinreichend berücksichtigt zu werden. Das war bisher sehr sehr harte Arbeit, und es wird wohl auch für die kommenden Monate - leider voraussichtlich noch das nächste Jahr - so bleiben. Es sollte aber auch gesehen werden, dass die Situation der Branche in anderen europäischen Ländern weitaus verzweifelter ist.

Trifft es Sie, wenn Veranstalter nach all der jahrzehntelangen Arbeit von bdv und BDKV erklären, dass die Livebranche über keine starke Lobby verfüge, um den Betroffenen in der Krise besser helfen zu können?

Michow: Nein, es trifft mich nicht. Ich glaube auch, dass die Autoren dieser Aussage etwas anderes meinen. Der Verband hat im Alleingang die Gutscheinregelung durchgesetzt. Damit wurden elementare Grundsätze unseres Zivilrechts vorläufig außer Kraft gesetzt. Auch die Tatsache, dass in dem Programm Neustart Kultur ausdrücklich die Hilfe für »Livefestivals, - veranstalter und -vermittler« erwähnt ist, hatte Gründe. Wir haben auf dieser Grundlage immerhin den größten Teil der 150 Millionen Euro, die das Programm für den gesamten Bereich Musik vorsah, für die Veranstalter reklamieren können. ILMC-Chef Greg Parmley schrieb mir vergangene Woche: »We're all looking at Germany with envy right now«. Die Kritiker sollten das Wort »Lobby« durch das Wort »Gewicht« ersetzen: Die Musikwirtschaft und schon gar nicht die Veranstaltungswirtschaft haben in Berlin ein vergleichbares Gewicht wie zum Beispiel Reisebüros oder eben der Sport. Daran wird auch ein stärkerer Lobbyist, als ich es sein mag, jedenfalls von heute auf morgen nichts ändern. Hier geht es um ein elementareres Problem, nämlich darum, dass unser Wirtschaftszweig - ich sage das jetzt mal in aller Bescheidenheit ganz deutlich: mit Ausnahme des LEA - bisher viel zu wenig getan hat, um sein Gewicht zu steigern. Schauen Sie sich an, welche Verbände derzeit intelligente Imagekampagnen durchführen. Sowas kostet Geld. Wenn wir mehr Gewicht in Berlin erhalten wollen, müssen wir aber bereit sein, substanziell in derartige Kampagnen zu investieren. Allein aus dem Verbandshaushalt wird das nicht möglich sein. Aber wenn unser Gewicht nicht durch entsprechende Kampagnen gesteigert wird, wird auch der beste Lobbyist nichts daran ändern können, dass die Situation so bleibt, wie sie ist. Dann wird man in Berlin auch zu uns weiter sagen: Wir können doch nicht jedem helfen ...

Angesichts der Unsicherheit, ob/wann ein effektiver Impfstoff kommt, und der Tatsache, dass die Infektionszahlen in Deutschland derzeit zwar niedrig sind, aber wohl nicht auf null absinken werden: Muss man nicht den traurigen Gedanken zulassen, dass zumindest Konzerte in Arenen, Festivals und sonstige Großveranstaltungen auf Jahre hinweg oder gar für immer untersagt bleiben?

Michow: Die Infektionszahlen steigen ja derzeit leider wieder. Was Veranstaltungen in Arenen anbetrifft, bleibt zumindest zum Zeitpunkt dieses Interviews abzuwarten, wie sich die Planungen von Marek Lieberberg in Düsseldorf realisieren lassen. Ich wünsche ihm dafür alles Gute, denn wenn eine solche Veranstaltung ohne Probleme stattfindet - wovon ich bei dem Vollprofi Marek ausgehe - wäre das tatsächlich ein Signal dafür, dass unter sehr eingeschränkten Bedingungen unter Wahrung des Infektionsschutzes Veranstaltungen zumindest stattfinden können. Ich habe allerdings große Sorge, dass die Medien und die Politik aus einer derartigen Veranstaltung den falschen Schluss ziehen, dass das Veranstaltungsgeschäft wieder zur Normalität zurückgekehrt sei. Das wäre ein fataler Irrtum, denn das eigentliche Ziel gewerblicher Veranstalter, mit ihren Veranstaltungen Geld zu verdienen, wird auch - wie Herr Lieberberg ja selbst sagt - mit der Veranstaltung in Düsseldorf nicht erreicht werden. Man kann unter normalen Bedingungen in einem 48.000 Menschen fassenden Stadion ebenso wenig Geld verdienen wie mit 5000 Leuten in der Waldbühne oder 600 Besuchern auf Liegestühlen im Hamburger Stadtpark. Denn niemand sollte denken, dass Spielstätten, Zeitungen, in denen Veranstaltungsanzeigen geschaltet werden, oder Airlines, die die Künstler aus dem Ausland einfliegen, ihre Preise proportional senken. Die Elphi und die Laeiszhalle in Hamburg haben den Veranstaltern schriftlich mitgeteilt, dass Restriktionen der Besucherzahl allein das Betriebsrisiko der Veranstalter seien. Und auch das Publikum wird kaum den vierfachen Ticketpreis zahlen wollen. Kommen wir zu der Frage, wann ich mit einer tatsächlichen Rückkehr zur Normalität rechne. Veranstaltungen unter Vollauslastung der Venues werden nach meiner Einschätzung wohl tatsächlich erst erlaubt sein, wenn ein Impfstoff verfügbar ist. Davon gehen bei realistischer Betrachtung auch bereits viele Veranstalter aus. Das ist ein Grund mehr, weshalb wir derzeit über weitere substanzielle Hilfe aus Berlin verhandeln.

Seit 1985 stehen Sie dem bdv und nun dem BDKV vor. Welches Fazit Ihrer Arbeit ziehen Sie, gibt es Erfolge, auf die Sie besonders stolz sind - oder Enttäuschungen über noch nicht erreichte Ziele?

Michow: Ach, die Antworten auf solche Fragen stinken zumeist nach Eigenlob, zumal Erfolge eines Verbandes ja auch stets auf den Leistungen seines Vorstands und nicht zuletzt auch auf der Arbeit der Mitarbeiter*innen einer so effizienten Geschäftsstelle beruhen, wie wir sie haben. Aber ich darf sagen, dass wir schon eine Menge erreicht haben: Zum Beispiel, dass der Beruf des Künstlervermittlers seit 1990 keiner Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit mehr bedarf, dass es seit 1995 regelmäßig aktualisierte statistische Daten über unseren Berufszweig gibt, dass aufgrund unserer Initiative 2001 der Beruf des/der Veranstaltungskaufmann*kauffrau geschaffen wurde, dass mit der Künstlersozialkasse für die Veranstaltungswirtschaft eine Ausgleichsvereinigung zur Zahlung der Künstlersozialabgabe geschlossen wurde; dass mit dem Live Entertainment Award eine viel beachtete Visitenkarte für den Wirtschaftszweig geschaffen werden konnte, dass Veranstalter über eine eigene Verwertungsgesellschaft für die Nutzung ihrer Rechte verfügen bis hin zu der Gutscheinregelung, die wir gesetzlich verankern lassen konnten. Und dass wir - mangelnder Lobbyismus hin oder her - überhaupt endlich in Berlin und mit der European Live Music Association nun auch in Brüssel wahrgenommen werden und bereits seit vielen Jahren in den wichtigsten Branchengremien - vom Aufsichtsrat der Initiative Musik über Fachausschüsse des Kulturrats bis hin zum Beirat der Künstlersozialkasse vertreten sind, ist doch auch nicht unwichtig. Und Enttäuschungen? Ja, dass das 15-jährige Jubiläum des LEA, an dessen Vorbereitung wir sehr hart gearbeitet haben, abgesagt werden musste, das war sehr enttäuschend. Wikipedia definiert Enttäuschung übrigens als Gefühl, bei dem einem die Hoffnung zerstört wird. Da ich versucht habe, meine Erwartungen stets einigermaßen an der Realität zu orientieren, bin ich auch kaum enttäuscht worden.

Sie haben auch selber lange als Konzertveranstalter gearbeitet. Wie kam es eigentlich zur Entscheidung, die Seiten zu wechseln? Und vermissen Sie es manchmal, als Veranstalter tätig zu sein?

Michow: Das war reiner Selbsterhaltungstrieb! Anfang der 80er-Jahre versuchte die damalige Bundesanstalt für Arbeit, mir meine Agentur dicht zu machen, da ich bei ihr keine Genehmigung eingeholt habe, Künstlervermittlung zu betreiben. Da habe ich mich gewehrt und 20 ebenfalls durch entsprechende Maßnahmen betroffene Kolleginnen und Kollegen dazu gebracht, mit mir sozusagen als Bollwerk gegen die Behörde einen Verband zu gründen. Das war dann der IDKV - der damalige Interessenverband der deutschen Künstlervermittler. Nach fünf Jahren waren wir erfolgreich, und es wurde der Bundessanstalt durch ein Urteil des Bundessozialgerichts klar gemacht, dass ihr langjähriger Kriegszug gegen die Künstleragenturen rechtswidrig war. Ich habe ja 1981 nach problematischen Erfahrungen meine Tätigkeit als risikotragender Veranstalter endgültig an den Nagel gehängt. Danach habe ich mich lange Zeit als Mensch zweiter Klasse betrachtet, mochte kaum noch in Konzerte gehen. Aber dann kompensierten meine Künstleragentur und auch die Verbandsarbeit diesen Verlust. Und auch die Tatsache, dass die Last der hohen Veranstalterrisiken von meinen Schultern gefallen war, war durchaus angenehm, und ich konnte bald wieder ohne Minderwertigkeitsgefühle in Konzerte gehen, die ich nicht selbst veranstaltete ....

Seit 2006 zeichnen Sie auch für den LEA verantwortlich. Wie kommen Sie mit dieser zusätzlichen Belastung zurecht?

Michow: Der LEA war - und hoffentlich kann ich bald wieder sagen: ist - auch eine angenehme Reminiszenz an meine Zeit als Veranstalter. Und an Mehrfachbelastungen war ich ohnehin gewöhnt. Schließlich bin ich ja seit den 90er-Jahren neben der Verbandsarbeit auch - nicht etwa nur im Nebenberuf - als Rechtsanwalt tätig, seit zehn Jahren Dozent an der Hochschule in München und betrieb bis 2015 - auch nicht nur nebenbei - 40 Jahre lang eine nicht ganz so kleine Künstleragentur.

Dieter Schubert von a.s.s. hat einmal gesagt, der Veranstalter stand früher »nur knapp über dem Zuhälter«. Das hat sich nicht zuletzt dank des Einsatzes der Live- Verbände verbessert. Welches Bild hat die Öffentlichkeit heute vom Veranstalter, kann man dieses noch verbessern?

Michow: Da ist nach wie vor noch viel zu tun. Deshalb halte ich ja auch eine Kampagne zur Transparentmachung der wirtschaftlichen ebenso wie der kulturellen Bedeutung der Live-Veranstaltungsbranche für so wichtig. Ich glaube zwar, dass der Wirtschaftszweig heute nicht mehr mit Tingel-Tangel oder Honky Tonk gleichgesetzt wird. Aber sowohl Politiker als auch das Publikum sehen letztlich nur den Künstler auf der Bühne. Was und wer dahinter steht, dass man einen Künstler auf der Bühne erleben kann, welche Risiken Veranstalter dafür auf sich nehmen und wie viele Dienstleistungsunternehmen vom Live-Veranstaltungsgeschäft leben, das weiß kaum jemand. Oder besser: Das interessiert kaum jemanden, dafür ist die Branche trotz fünf Milliarden Euro Umsatz und rund 50.000 Erwerbstätigen, die von ihr wirtschaftlich abhängen, einfach zu unbedeutend. Daher rede ich heute viel lieber davon, dass von dem Livebetrieb rund 150.000 Erwerbstätige und nochmals mindestens so viele Künstler und Musikautoren in der gesamten Musikbranche wirtschaftlich abhängig sind. Denn wenn Live nicht stattfindet, haben weder Künstler noch Autoren und ihre Verlage Einnahmen. Und auch alle anderen Bereiche des Wirtschaftszweigs geraten dann in Mitleidenschaft. Hier ist also noch einiges zu tun!

Die Veranstaltungswirtschaft hat sich über die Jahrzehnte auch von den Strukturen her stark verändert - mehr und mehr hin zu einem Corporate Business. Sehen Sie diese Entwicklung positiv oder birgt sie auch Gefahren?

Michow: Wir haben in Deutschland neben den "Big Players" immer noch weit über 400 inhabergeführte Unternehmen. Daran hat sich - trotz vieler Befürchtungen - auch nichts geändert, nachdem sich mit Live Nation vor einigen Jahren der erste ausländische Konzern hier etablierte. Alle haben neue Veranstaltungsnischen gesucht und gefunden, mit denen sie nach wie vor ihr Geld verdienen. Kein Unternehmen - und soweit ich erkennen kann, auch kein Örtlicher Veranstalter - hat deshalb seine Türen geschlossen. Und auch die Joint Ventures von Unternehmen wie Mehr-BB Entertainment oder den Wacken-Veranstaltern von ICS mit ausländischen Gesellschaftern waren doch nicht nachteilig für den deutschen Veranstaltungsmarkt. Sie boten die Grundlage dafür, dass diese Unternehmen für die ständig wachsenden Veranstaltungsrisiken wirtschaftlich besser aufgestellt sind. Gleiches gilt für die diversen kleineren Veranstaltungsunternehmen, die in den letzten Jahren einen finanziell stärkeren Mehrheitsgesellschafter gefunden haben. Sie waren glücklich, damit ihre Existenz gesichert zu haben. Und die vielen anderen werden sich auf den Markt beschränken, den die Großen nicht bedienen und damit ihr Geld verdienen. Besondere Gefahren bergen diese Strukturänderungen meines Erachtens nicht.

Gerade das Livegeschäft war und ist von starken Charakteren geprägt, mit denen die Zusammenarbeit nicht immer leicht gewesen sein kann. Hätten Sie sich manchmal einen kollegialeren Umgang oder mehr Anerkennung gewünscht?

Michow: Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Ich bin ja nun auch nicht immer und für jeden ganz einfach zu verkraften und habe gelernt: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Die Veranstaltungsbranche ist schließlich kein Rotary Club. Sehr gefreut habe ich mich allerdings über die große Anzahl von Schreiben, mit denen Mitglieder ihren Dank für die Arbeit der letzten Wochen ausdrückten. Dass der auch umfangreich aus dem Bereich der Vermittlungsagenturen der Klassik kam, die sich bisher ja zu Recht sowohl durch die Staatsministerin für Kultur und Medien als auch durch das Wirtschaftsministerium recht allein gelassen sehen, hat mich besonders beeindruckt.

Zusammen mit Pascal Funke sind Sie bis 2021 als Präsident des BDKV gewählt, hatten aber angekündigt, sich zurückziehen zu wollen. Können Sie sich vorstellen, in schwierigen Zeiten wie diesen doch noch länger der Branche zur Verfügung zu stehen?

Michow: Obwohl meine Lebensplanung eine andere ist, kann ich mir das grundsätzlich vorstellen, allerdings nicht für eine volle Amtsperiode. Es ist nicht meine Art, ein Schiff, wenn es in bedrohlichen Wassern ist, zu verlassen. Allerdings werde ich zu einer nochmaligen Verlängerung nur bereit sein, sofern ich hundertprozentig sicher bin, dass das mehrheitlich gewünscht ist. Und diese Bereitschaft hat vor allem den Grund, dass ich mich angesichts der Herausforderungen, welche die aktuelle Krise an einen BDKV-Geschäftsführer stellt, außer Stande sehe, noch nebenbei einen neuen Geschäftsführer in die zahlreichen Arbeitsfelder des BDKV einzuarbeiten. Ich kann mich nicht daran erinnern, als Verbandsgeschäftsführer je eine derartige Arbeitsbelastung gehabt zu haben. Die Zeichen für den Berufsstand stehen evident auf Rot. Wie tiefrot sie sind, werden wir wohl erst wahrnehmen, wenn die derzeit ausgesetzte Insolvenzantragspflicht Ende September abläuft. Aber wie gesagt: ich kann das nur anbieten. Entscheiden müssen das die Mitglieder und mein Vorstand.

Wenn wir Corona einmal ausblenden, wie sehen Sie die Zukunft der Livebranche?

Michow: Das kann man nicht abgetrennt von den aktuellen und noch bis auf ungewisse Zeit bestehenden Veranstaltungsverboten beantworten. Dem Wirtschaftszweig ging es bis Anfang März dieses Jahres wirtschaftlich recht gut. Heute erleben wir, dass die Branche völlig am Boden liegt - und das betrifft nicht etwa nur die kleineren Unternehmen. Bevor die Rahmenbedingungen der Zukunft nicht feststehen, lässt sich daher keine Prognose für die Zukunft geben.

BDKV, LEA, GWVR, Jurist, Autor, Lehrtätigkeit und viele andere Aufgaben: Bleibt da eigentlich noch Zeit für das tägliche Gitarrenspiel?

Michow: Und ob! Nicht nur das Gitarrenspiel, sondern auch ein wenig Golf und meinen Garten, vor allem meine Rosen. Und damit all das nicht langweilig wird, habe ich dem Beck-Verlag soeben die zweite Auflage unseres Buchs zum Veranstaltungsrecht zugesagt.