Unternehmen

Die Branche gratuliert Siggi Loch zum 80. Geburtstag

Am 6. August wird ACT-Gründer Siggi Loch 80 Jahre alt. MusikWoche bat Geschäftspartner, Kollegen, Künstler und Wegbegleiter um einen persönlichen Glückwunsch.

06.08.2020 09:31 • von Dietmar Schwenger
Seit den 60er-Jahren eine zentrale Gestalt der Musikbranche: Sigi Loch (Bild: Sophia Spring, ACT)

Am 6. August 2020 wirdACT-Gründer Siggi Loch 80 Jahre alt. MusikWoche bat Geschäftspartner, Kollegen, Künstler und Wegbegleiter um einen persönlichen Glückwunsch.

Andreas Brandis, Geschäftsführer ACT: Den Namen Siggi Loch habe ich das erste Mal wirklich bewusst mit Mitte 20 wahrgenommen. Sein Label ACT kannte ich natürlich seit Jahren, aber die Person dahinter war mir nicht gewärtig. Mit meinem damaligen Klaviertrio spielten wir in der rbb Jazzserie im Grünen Salon der Volksbühne Berlin, als es hieß: »Heute Abend kommt vielleicht Siggi Loch vorbei, der Chef von ACT.« Die anderen kannten ihn und waren in heller Aufregung über diese Aussicht. Es schwang etwas Ehrfürchtiges und auch ein wenig Sorge ob seines potenziellen Urteils in den Gesprächen dazu mit. Also war auch ich in Aufregung versetzt.* Ein ähnliches Gefühl überkam mich Jahre später - ich war zu dieser Zeit gerade für die Deutsche Grammophon tätig -, als mich völlig unvermittelt folgende E-Mail im Büro erreichte: »Lieber Herr Brandis, Christian Kellersmann hat so von Ihnen geschwärmt, dass ich Sie gerne persönlich kennenlernen würde. Hätten Sie Zeit und Lust? Beste Grüße Siggi Loch«. Ich hatte beides. Wir trafen uns in seiner Galerie, um im Anschluss daran gemeinsam mit Sissy und den Hunden zum Abendessen zu gehen. Nach wenigen Sätzen über dieses und jenes kam Siggi direkt auf den Punkt: Wenn ich mir vorstellen könne, in sein Unternehmen einzusteigen und dieses gemeinsam mit ihm zu führen, solle ich ihm ein Signal geben und wir könnten weiter über die Details sprechen - natürlich erst, nachdem ich dies auch mit meiner Frau besprochen hätte. In dieser Geschichte über unser allererstes Treffen stecken drei elementare Eigenschaften von Siggi. Er ist ein Familienmensch, er ist sehr direkt und klar bei allem, was er sagt, und er vertraut seinem Gefühl - für Menschen, Musik, Situationen, Unternehmungen. Dieses Gefühl ist seine besondere Gabe, zwar liegt auch er nicht immer richtig und musste zum Teil schmerzliche Rückschläge verdauen, aber das Grundvertrauen in dieses Gefühl ist groß, und es wird ihm sehr häufig mit Erfolg gedankt. Ich kannte natürlich die Geschichten über den starken Charakter, mit dem es schwierig sei zu arbeiten, der keine andere Meinung neben sich dulde, streitbar und hart sei. Und es stimmt: Siggi ist direkt und manchmal hart in der Sache, ein strenger Kritiker und präziser Beobachter. Aber all dies niemals ohne Grund und immer mit einer festen Überzeugung. Wenn es darum geht, diese zu vertreten, scheut er den Konflikt mit anderen Menschen nicht, denn die Reibung löst häufig etwas Positives aus und führt zu Ergebnissen, die ohne sie nicht zustande gekommen wären. Der streitbare Geist und die großen Erfolge als Produzent und Manager haben die Legende Siggi Loch entstehen lassen, über die viele Leute eine Meinung haben und doch oft sehr wenig von der Vielschichtigkeit dieser Persönlichkeit wissen. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Zeit mit Siggi verbringen dürfen, und für mich überwiegt - neben dem Fachlichen - die Tatsache, dass er ein sehr emotionaler und herzlicher Mensch ist. Dies äußert sich in ansteckender Begeisterung und Wärme. In intensiven Gesprächen über Musik, Künstler, Kunst, Kultur, Politik oder gerne auch mal über den Fußball. In Sorge über Menschen, die Entwicklung der Welt und unserer kleinen Jazzwelt im Speziellen. Im herzhaften Lachen und langen Abenden. Er hat sehr feine Antennen für Menschen, kann sie gut lesen und ihnen dadurch ein guter Ratgeber sein. Es geht ihm immer um die Sache - um seine Mission, einzigartige Musik und Künstler zu entdecken und mit einem großen Publikum zu verbinden. Meiner Entscheidung, seinem Angebot zu folgen, wurde teils mit Skepsis begegnet. Ob das gut gehen kann? Die Zusammenarbeit mit einem Senior, der immer Chef war, der sich die Führung noch nie wirklich geteilt hat? Wir arbeiten nun seit fünf Jahren eng zusammen und dies auf sehr produktive und persönliche Art und Weise. Es liegen 40 Jahre zwischen uns, und wir haben beide unseren Kopf. Der eine akzeptiert dabei den anderen, und es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, auch wenn das vor dem von Siggi erreichten Lebenswerk absurd erscheinen mag. Ich bin mit meiner Familie ein Teil seiner ACT-Familie geworden, und das ist gut so. Für ihn muss dieser Schritt ungleich größer gewesen sein. Den Mut zu haben, die eigene Firma in andere Hände zu legen, und darauf zu vertrauen, dass diese Hände mit derselben Intensität, aber auf andere Art und Weise die Sache weiterführen, ist beeindruckend. Wir teilen die Liebe zur Musik und die Überzeugung, dass es Unternehmen wie ACT geben muss, um Künstler zu unterstützen, sie aufzubauen, einen Weg mit ihnen zu gehen und ihre Musik für möglichst viele Menschen erfahrbar zu machen - jetzt und auch in der Zukunft. An dieser Zukunft arbeiten wir gemeinsam. Gute Musik wird immer ein Publikum haben. Aber der Weg, wie sie dieses erreicht, ist einem steten Wandel unterzogen. Auf viele Fragen gilt es dabei Antworten zu finden und wir sind überzeugt sie geben zu können. Deshalb ist auch ACT einem steten Wandel unterzogen und wird es bleiben, um noch lange Siggis ursprüngliche Vision von der Musik »In the Spirit of Jazz« in die Welt zu tragen.

* Postskriptum: Falls das Ihre Frage ist, lieber Leser: Siggi kam an diesem Abend nicht vorbei. Wäre er tatsächlich vorbeigekommen, würde ich heute diesen Text vermutlich nicht schreiben, und die Geschichte hätte eine andere Wendung genommen.

Michael Haentjes, Edel-Gründer: Lieber Siggi, ganz herzliche Glückwünsche zu Deinem 80. Geburtstag von Jonas, mir, unseren Familien und Mitarbeiter*innen. Wir kennen und mögen uns seit mittlerweile deutlich über 40 Jahren. Aus der Sympathie ist eine tiefe Freundschaft geworden, für die ich sehr, sehr dankbar bin. Die jährlichen gemeinsamen Reisen sollen gerne noch ein paar Jahrzehnte weiter stattfinden und weiterhin Anlass zum Austausch über Musik, Kunst, Politik und nicht zuletzt das von uns allen mit Leidenschaft gelebte Musikbusiness geben. Sissy und Du seid ein wichtiger Fixpunkt in meinem Leben und es ist sehr schön, dass diese Beziehung sich in die nächste Generation fortsetzt. Vor allem wünschen wir alle bei Edel Dir weiterhin die strotzende Gesundheit, die Du nicht nur ausstrahlst, sondern auch besitzt, anhaltend unermüdliche Schaffenskraft und Ausdauer bei der Umsetzung Deiner musikalischen Visionen und eine weiterhin glückliche Hand bei der Auswahl der Künstler*innen und Mitarbeiter*innen. Du hast bereits ein großes Lebenswerk geschaffen, aber der Abschluss möge noch lange auf sich warten lassen. Sei herzlich umarmt, Dein Michael

Michael Pohl, Managing Director Kontor New Media: Wir danken Siggi Loch für seine unermüdliche Arbeit und seinen großen Einsatz für den Jazz. Denn ohne ihn wäre der Jazz nicht da, wo er nun ist. Aktuell können wir guten Gewissens sagen, das Genre lebt und auch dank Siggi mehr denn je. Ob Nils Landgren, das Esbjörn Svensson Trio oder auch die wundervolle Youn Sun Nah, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In kleinen Clubs, wie die Fabrik oder die Unterfahrt, bis hin zu den großen Konzerthäusern, wie die Elbphilharmonie oder das Berliner Konzerthaus, Siggi hat es immer verstanden, großartige Artists zusammenzubringen und einzigartige Projekte auf die Beine zu stellen. Vor dieser Leistung verneigen wir uns, und sind als Kontor New Media dankbar, seit vielen Jahren nun schon Siggis Label ACT und die tollen Artists digital begleiten zu dürfen.

Jörg Hahn, Geschäftsführer optimal media: Lieber Siggi, ich erinnere mich noch gut an unsere erste Begegnung, die inzwischen gut 25 Jahre zurückliegen dürfte. Damals habe ich mich bei Dir in Hamburg vorgestellt, um für optimal media als Dienstleister zu werben. Seitdem fertigen und distribuieren wir für ACT. Und so habe ich - aus persönlichem und dienstlichem Interesse heraus - miterleben dürfen, wie sich der Katalog Deines ACT-Labels über die Jahrzehnte entwickelt hat. Was mich am meisten beeindruckt, ist das Credo, das über jeder Veröffentlichung steht: Höchster Anspruch bei der Auswahl der Künstler, den technischen Produktionen, bis zur Gestaltung des physischen Produktes. Das ACT-Label ist für mich erstklassiger Jazz, Experiment, Talent-Scouting und immer wieder auch die Verbindung zwischen Musik und darstellender zeitgenössischer Kunst, die Du als ausgewiesener Kunstkenner und -sammler für Deine Veröffentlichungen zu nutzen weißt. Und so freue ich mich über jede neue ACT-Platte, bin immer wieder gerne bei Konzerten von ACT-Künstlern und weiß unsere Bekanntschaft außerordentlich zu schätzen. Ich wünsche Dir, lieber Siggi, alles Gute zum Geburtstag, bleib gesund und genieße das Leben.

Karsten Jahnke, Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion: Lieber Siggi, alles Gute zu Deinem 80. Geburtstag! Du bist zweifelsohne einer der größten Jazz-Liebhaber und -Fachmänner. Es gibt niemanden, der sich in diesem Maße für den europäischen Jazz eingesetzt hat, und ich habe den höchsten Respekt vor Deiner Arbeit. Mit Deinem exzellenten musikalischen Gespür haben Du und Dein großartiges Team in all den Jahren schon so manchen Rohdiamanten entdeckt. Spannende Künstlerkarrieren wie e.s.t., Nils Landgren, Michael Wollny, Wolfgang Haffner und Youn Sun Nah haben wir als Konzert-Promoter Seite an Seite begleitet. Was mich besonders beeindruckt ist, dass Du unzählige unbekannte Talente gefördert hast und es Dir dennoch gelungen ist, mit Deinem Top-Jazzlabel ACT auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. In Zeiten, in denen der Jazz nach wie vor eine Nische der Musikbranche besetzt, ist das nicht selbstverständlich. Ich wünsche Dir, lieber Siggi, dass Du Dir Deine Leidenschaft, Deine Energie und Deinen guten Riecher bewahrst. Nach acht absolvierten Lebensjahrzehnten solltest Du Dir ein Fünkchen mehr Gelassenheit gönnen. In diesem Sinne: Keep Swinging, Dein Karsten und die KJ-Jazzabteilung

Michael Wollny: Frühjahr 2004. Auf meinem Computer in der Studentenbude klingelt es: You've got mail. Blick ins Postfach, Absender: Siegfried Loch. Mit dieser Nachricht beginnt meine Konzertkarriere. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Moment nun schon über 16 Jahre her sein soll. Aber so war's: Ein erster Kontakt mit »The ACT Man«, zunächst schriftlich und per Sie, ein paar Wochen später dann das erste Treffen, diesmal mit Siggi, in München und per Du. Und so viel ist seit diesem Frühling passiert. So viele Momente, Gespräche, Gedanken, Ideen, Pläne, Überraschungen, Pointen. Das Gedächtnis schlägt Purzelbäume auf der Suche nach den wichtigsten glücklichen gemeinsamen Stationen. , Wunderkammer, Trio, solo. JazzBaltica. Echos. Jazz at Berlin Philharmonic. Drei Pianisten, Vierradantrieb, 12 Cellisten, 25 Jahre ACT, 40. Geburtstag in der Philharmonie. Aber auch: Feldafing. Douglasstraße. Elmau, Cannes, Salzau, Ludwigsburg, Oslo und Wartburg. Jazz Awards, Albums of the Year und Chocs de l'Année. Natürlich, Siggi war in all diesen Jahren mein Begleiter, nicht selten Wegbereiter. Und mehr als das: Ein Fixstern, der einem zuverlässig seine Meinung sagt; ein Fels in der Brandung, der loben und grollen kann. Ein Fan, der vor Freude und Begeisterung bersten kann. Und, ja, ein väterlicher Freund, auf den man sich immer und immer wieder verlassen kann ... manchmal so sehr, dass es einem erst Monate später auffällt. Jedes Album: eine Reise. Jede Aufnahmesession: ein Tanz im Dunkeln. Jeder Erfolg: unplanbar und mit Siggi doch irgendwie verlässlich. Mit jedem Jahr wird mir klarer, wie gut er zwischen den Zeilen hören kann (und ich spreche hier nicht nur von der Musik). Ich staune immer noch, wenn ich mich versuche zu erinnern, wie viele meiner Konzerte Siggi in all den Jahren gehört haben muss. Wie ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben habe: Siggi ist, auch nach 16 Jahren, immer wieder der wichtigste Zuhörer. Und so, lieber Siggi, bin ich am heutigen Tag vor allem unglaublich froh über unsere lange Freundschaft. Und danke mit vielen Anderen für all das, was passiert, einfach weil Du als Erster daran glaubst. Alles, alles Liebe und Gute zu Deinem 80. Geburtstag! Dein Michael

Klaus Doldinger: Es war einmal ein Jung-Mitarbeiter einer Schallplattenfirma im hohen Alter von gerade einmal 21 Jahren, der hörte einen aufstrebenden Jung-Jazzer von auch erst 24 Jahren auf einem Festival. Seine Begeisterung für diesen Musiker, dessen Wege er schon ein paar Jahre insgeheim verfolgte, kannte kein Halten mehr, und er überredete seine Firma zu einer Schallplatten-Produktion mit dem Jung-Jazzer. Zwar war ein erstes Album mit dem Titel »Jazz Made In Germany« geplant, aber um die Sache noch etwas sicherer zu gestalten, wurden erst einmal ein paar Bossa-Nova-Titel produziert, was allerdings einiges an Überredung kostete. Denn dem Jung-Jazzer erschien dies etwas zu kommerziell gedacht. Dennoch: Das Unternehmen wurde ein Erfolg, und die Dinge nahmen ihren Lauf. Die beiden machten über viele, viele Jahre eine Menge schöner Projekte zusammen. Es begann eine wunderbare Erfolgsserie mit einer Menge großartiger Musik und mit ab und an auch erfolgreichen Schallplatten (dies natürlich in verstärktem Maß für den inzwischen zum Schallplattenboss avancierten Jung-Manager, der sich nach den Erstlingserfolgen auch anderen Künstlern und Projekten zuwandte). Sie wurden Freunde und blieben es auch, sie küssten und sie schlugen sich, und wenn sie nicht .... aber Gott sei Dank leben wir ja noch, und was da sonst noch so alles in der Luft liegt, wäre eine andere Geschichte. Natürlich gäbe es so oder so noch eine Menge zu erzählen: Aufnahmesessions, die sich über 24 Stunden hinzogen und wegen gewisser übermüdungsbedingter Ausfallerscheinungen mit unterschiedlichen Tontechniker-Mannschaften durchgeführt werden mussten, oder Choraufnahmen in London, die gar nicht stattfinden konnten, weil unser Jung-Producer ärgerlicherweise das 24-Spur-Band im Taxi liegengelassen hatte, eine Tonschnittsession hinter dem Rücken des Künstlers, die aus einem wunderschönen zwölftaktigen Blues einen 11-1/2-taktigen machte, und und und .... Jedoch, wenn ich zurückdenke, so bleibt vor allem Folgendes: Da war einer, der hatte zu jeder Zeit Perspektiven, Pläne, wenn man so will auch Träume - Klaus Doldinger auf der Bühne des Madison Square Garden, zum Beispiel. Das sollte dann aber doch nicht sein, denn meine Lebensplanung lief im Hinblick auf meine Familie dann etwas anders, aber es hat immerhin für die Top 100 der Billboard Charts, für Top-Positionen in den US Radio Charts und für eine Menge weltweiter Konzerte gereicht. Die Methode allerdings, einen zu immer weiteren Höchstleistungen anzuspornen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Höchstes Lob für die vermeintliche Konkurrenz, für die Person des angesprochenen Künstlers eher Zurückhaltung. Hätte es nicht gelegentlich Aussagen aus berufenem Munde von Seymour Stein oder Nesuhi Ertegün gegeben, die bestätigten, mit welcher Begeisterung und Energie der Siggi sich für einen einsetzte (»Your biggest fan!«), hätte ich gelegentlich an unserer Beziehung zweifeln können. Aber dies ist nun eher Schnee von gestern. Auf jeden Fall tausend Dank an Dich, mein lieber Siggi, für viele entscheidende Anregungen und dafür, dass Du immer an mich geglaubt hast. Und vor allen Dingen danke ich Dir für Deine Freundschaft, wobei ich auch ausdrücklich Deine liebe Frau Sissy einbeziehen möchte.

Heinz Rudolf Kunze dichtet für Siggi Loch:

Siggi Loch - 80 Jahre in the spirit of Jazz

80 Jahre: Das sind viele.

Weißt du selber, wieviel Ziele

du in dieser Zeit erreicht hast?

Willst du's überhaupt? Vielleicht hast

du inzwischen bilanziert,

daß es dich mehr amüsiert,

sich nach hinten umzublicken...

Siggi, kannst du mich mal zwicken?

80 Jahre! Unvorstellbar

Zeit, mit Rücklicht kaum erhellbar,

atemlos vorbeigeflogen,

als hätte sie den Raum gebogen.

Auf der Hälfte dieser Strecke

sagtest du dir: »Ich entdecke

nicht nur schillernde Figuren,

sondern auch die Dioskuren

Aus der norddeutschen Provinz:

Frankes Mick und Kunzes Hinz,

oder wie der Vogel hieß..«.

Jedenfalls: Das Paradies

bunter Vögel war zum Greifen

nah, und diesen Silberstreifen,

sei so gut und glaube mir,

Siggi, den verdank ich dir.

Viel hast du mir beigebracht.

Nichts kam hastig über Nacht,

alles brauchte seine Zeit,

irgendwann war ich soweit.

Eingebrannt dein Satz an mich:

»Diese Tür steht auf für dich.

Gehen kannst nur du allein.

Ich kann nur der Öffner sein.«

So viel Klang, durch dich vorhanden.

Nie ging es dir nur um Zwecke.

Du hast Musiker verstanden,

ganz egal aus welcher Ecke.

Da ist Liebe ohne Ende

und Bewunderung im Spiele:

Hoch die lebende Legende!

80 Jahre. Das sind viele.

Doch für einen Mann wie dich

gibt es nie ein »Unterm Strich«.

Nie wirst du die Segel streichen.

Du bist einzig. Ohnegleichen.

Ad multos annos, lieber Siggi!

Dein Heinz Rudolf Kunze, 8.4.2020