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Ina Keßler sieht zusätzliche Mittel als Bestätigung der Arbeit der Initiative Musik

Kürzlich kündigte Monika Grütters an, zusätzliche zehn Millionen Euro im Zuge von Neustart Kultur in ein Förderprogramm der Initiative Musik fließen zu lassen. Das Exportbüro sucht zudem bereits Mitarbeiter für die Abwicklung eines weiteren Programms für den LIvebereich. Als Geschäftsführerin beleuchtet Ina Keßler im Gespräch mit MusikWoche die Herausforderungen für die Initiative Musik und bestätigt darüber hinaus, dass auch die Suche nach einer zweiten Spitzenkraft erfolgreich abgeschlossen sei.

05.08.2020 11:40 • von
Nimmt die neuen Herausforderungen, die die Corona-Krise und das Programm Neustart Kultur mit sich bringen, gern an: Ina Keßler (Bild: Martin Dziuba)

Kürzlich kündigte Kulturstaatsministerin Monika Grütters an, zusätzliche zehn Millionen Euro im Zuge von Neustart Kultur in ein Förderprogramm der Initiative Musik fließen zu lassen. Das deutsche Exportbüro sucht zudem bereits Mitarbeiter für die Abwicklung eines weiteren Programms für den LIvebereich. Als Geschäftsführerin beleuchtet Ina Keßler im Gespräch mit MusikWoche die aktuellen Herausforderungen für die Initiative Musik und bestätigt darüber hinaus, dass auch die Suche nach einer zweiten Spitzenkraft erfolgreich abgeschlossen sei.

MusikWoche: Zehn Millionen Euro extra für die Künstler*innenförderung, quasi das Dreifache der aktuellen Fördersumme in diesem Bereich, das klingt nach einer Bestätigung der bisherigen Arbeit der Initiative Musik, aber auch nach einer durchaus umfangreichen und anspruchsvollen Aufgabe. Ist das deutsche Exportbüro dieser Aufgabe in seinen derzeitigen Strukturen gewachsen?

Ina Keßler: Wir freuen uns sehr, dass uns die Kulturstaatsministerin Monika Grütters dieses Vertrauen schenkt. Tatsächlich ist die Aufgabe anspruchsvoll, aber auch eine Herausforderung, die wir sehr gern annehmen. Denn es geht ja vor allem um die Musikerinnen und Musiker, die uns am Herzen liegen und denen so geholfen wird. Es war aber auch von Anfang an klar, dass wir diese Aufgabe nur übernehmen können, wenn wir unser Team vergrößern.

___"Die besondere Herausforderung bei Neustart Kultur ist der mehr als straffe Zeitplan, dem alles unterliegt." Ina Keßler.

MusikWoche: Lässt sich bereits abschätzen, was das an Aufwand in Sachen Vorbereitung, Organisation, Personal, Stunden, Papierkram, IT und so für die Initiative Musik bedeutet?

Ina Keßler: Nachdem wir uns schon 2019 verdreifacht haben, sind wir noch gut in Übung. Personal aussuchen und einarbeiten, Programmbeschreibung überarbeiten, Bandbreiten vergrößern, Netzwerk erweitern, Organisations- und Kommunikationsstrukturen anpassen und Abläufe neu überdenken. Von sechs Projektbetreuer auf zehn zu erweitern ist noch verhältnismäßig einfach. Die besondere Herausforderung bei Neustart Kultur ist der mehr als straffe Zeitplan, dem alles unterliegt. Die Musiker*innen und Unternehmen der Musikwirtschaft brauchen die Mittel ja schnellst möglich, nicht erst vor Weihnachten. Dabei müssen zum Beispiel unsere Jurymitglieder in den kommenden beiden Förderrunde bei gleicher Zeit, deutlich viel mehr und über größere Förderungen entscheiden.

MusikWoche: Zusätzlich zur Künstler*innenförderung soll offenbar auch noch ein Förderprogramm für den Livebereich unters Dach der Initiative Musik kommen. Wann sollen dazu Details folgen? Was lässt sich bereits über das Programm sagen?

Ina Keßler: Ja, wir werden weitere Teilprogramme von Neustart Kultur für die deutsche Musikbranche umsetzen, die sich ganz konkret an Veranstalterinnen und Veranstalter von Livemusikprogrammen, Programmreihen und Musikfestivals sowie Musikclubs richten. Weitere Details geben wir in den kommenden Wochen bekannt. Die Programme sollen möglichst in diesem Monat starten.

MusikWoche: Nun hatte die Initiative Musik zum Beispiel mit Applaus oder Te-Sa durchaus schon zuvor mit den Bereichen Live und Clubs zu tun, die Veranstalterseite hätte aber doch zum Beispiel mit der LEA-Jury auch ein quasi ureigenes Gremium, das vielleicht auch die Verteilung dieser Fördergelder hätte stemmen können. Was gab Ihrer Meinung nach den Ausschlag, dass auch dieses Programm bei der Initiative Musik angesiedelt wird?

Ina Keßler: Als die zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft setzen wir seit 2008 erfolgreich Förderprogramme und Projekte zur Stärkung der deutschen Musikbranche um. Wir stehen dafür im steten Dialog mit den jeweiligen Branchenvertreterinnen und -vertretern, wie zum Beispiel von den Verwertungsgesellschaften GVL und GEMA sowie den Spitzenverbänden der Musikwirtschaft. Dass uns die Bundesregierung nun auch mehrere Teilprogramme von Neustart Kultur anvertraut, ist eine große Wertschätzung und Bestätigung unserer Arbeit. Dazu ist es natürlich auch eine logische Entscheidung des Bundes, für Neustart Kultur auf bestehende Strukturen zu setzen. Wir kennen uns sehr gut damit aus, wie öffentliche Gelder zu beantragen, abzurechnen und nachzuweisen sind. Die Szene und ihre Förderbedarfe zu verstehen ist eine Sache, das Haushalts- und Vergaberecht, die Tücken des Zuwendungsrechts zu kennen, ist eine andere. Wir werden unser Bestes geben, beides gut zu machen. Für die Bereiche Rock, Pop und Jazz ist die Initiative Musik die zentrale Partnerinstitution. Für die experimentelle Musik ist es wiederum der Musikfonds, dessen Mittel ja ebenso um zehn Millionen Euro aufgestockt wurden.

___"Hoffen wir, dass uns die Pandemie nicht noch längere Zeit begleiten wird und wir alle im kommenden Jahr wieder Fuß fassen können." Ina Keßler.

MusikWoche: Zehn Millionen extra hier, weitere Millionen da, können Sie abschätzen, ob sich zumindest ein Teil dieser Summen "verstetigen" lässt?

Ina Keßler: Hoffen wir erstmal, dass uns die Pandemie nicht noch längere Zeit begleiten wird und wir alle im kommenden Jahr wieder Fuß fassen können. Wir haben viele Jahre dafür gekämpft, dass die Bundesmittel für unsere Förderprogramme und -projekte der aktuellen Musik erhöht werden, weil wir ganz klar den Bedarf sehen. 2019 gab es deshalb eine große Steigerung auf circa zehn Millionen Euro und sogar 16 Millionen Euro für das Jahr 2020. In der mittelfristigen Haushaltsplanung des Bundes sind von 2021 bis 2024 jährlich bis zu 14 Millionen Euro für die Initiative Musik vorgesehen. Damit planen wir aktuell.

MusikWoche: Falls sich das nicht verstetigen lässt, hätten Sie plötzlich ziemlich viele neue Mitarbeiter an Bord, um dann wieder das Vor-Corona-Budget zu betreuen. Steuert die Initiative Musik hier nicht auf interne Konflikte zu?

Ina Keßler: Die Mitarbeiter*innen, die hier temporär eingestellt werden, kommen ja aus dem Club- und Veranstalterumfeld oder von den Festivals. Hoffen wir doch, dass sie nach der Corona Zeit genau dort wieder aktiv durchstarten können. Ist doch viel spannender den Musikerinnen und Musikern eine Bühne zu geben, als Rechnungen zu prüfen.

MusikWoche: Und wo wir gerade bei Personalfragen sind: wie steht es eigentlich bei der Suche nach einer zweiten Spitzenkraft bei der Initiative Musik?Ina Keßler: Die ist sehr erfolgreich abgeschlossen. Ab Anfang Oktober wird Tina Sikorski als weitere Geschäftsführerin der Initiative Musik mit an Bord kommen. Darüber freue ich mich sehr, da sie mit ihrer Expertise und ihrem Netzwerk perfekt zu uns passt. Sie hat viele Jahre bei der Popakademie Baden-Württemberg das Institut Musik- und Kreativwirtschaftspraxis und die Unternehmenskommunikation geleitet.

Interview: Knut Schlinger