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Facebook verbannt Posts von BBXO

Das Musik/Spoken Word Projekt BBXO wollte auf Facebook mit "Sponsored Posts" sein neues Video "Sabotage" promoten, doch der Social-Media-Kanal lehnte ab. Kuriose Begründung: das darin zu sehende Bild vom "Bruderkuss" zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker sei wegen der "Herausstellung sexuellen Vergnügens" nicht akzeptabel.

04.08.2020 16:58 • von Frank Medwedeff
Der Stein des Anstoßes: die sich küssenden Diktatoren Breschnew und Honecker; davor im Vordergrund Musa Okwonga von BBXO (Bild: BBXO)

Die "Sponsored Posts" des deutsch-britischen Musik/Spoken Word Projekts BBXO, mit denen die Künstler ihr neuestes Video "Sabotage" promoten wollten, wurden von Facebook abgelehnt - und dies sogar nach erneuter Prüfung durch den Social-Media-Kanal.

Stein des Anstoßes ist, dass Im Hintergrund des Posts und im zugehörigen Video das Bild des sozialistischen "Bruderkusses" zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker an der Berliner Mauer zu sehen ist, ein weltweit bekannter Teil der East Side Gallery. Dessen Darstellungen in den Posts und im Video von BBXO fallen für die "Sittenwächter" von Facebook unter "Produkte oder Dienste, die sexuelles Vergnügen herusstellen" - so die kuriose Begründung der Ablehnung.

Der Hamburger Musiker Krisz Kreuzer, musikalischer Kopf hinter BBXO, erklärt dazu: "Angesichts der Art von Inhalten, die auf Facebook eine Freikarte erhalten, sind wir ein wenig verwirrt. Es macht uns wieder einmal klar, wie sehr Social Media unsere Meinungsäußerungen nicht nur ermöglichen, sondern auch bestimmen. Ironischerweise heißt der Song, den wir auf diesem Weg promoten, 'Sabotage'. Was wir als Künstler damit auf Facebook erleben, ist genau das."

Ähnlich war es der Band mit ihrem Song "Firestorm" auf YouTube ergangen, der rassistische Angriffe verurteilte - und ebenfalls ge-banned wurde.

Musa Okwonga, Autor, Spoken-Word-Poet und Sänger von BBXO, kommentiert: "Es sagt viel über den Zustand unserer Welt aus, wenn die offene Zurschaustellung gleichgeschlechtlicher Zuneigung und die Kritik an rechtsextremer Gewalt in direktem Gegensatz zu den Geschäftsmodellen der größten Social-Media-Unternehmen stehen."

Wie BBXO beklagen, habe Facebook noch weitere unverfängliche Posts des Duos auf die schwarze Liste gesetzt, und zwar ohne Begründung trotz Nachfrage.

BBXO bilden der Hamburger Krisz Kreuzer vom "urbanen Blues-Outfit" Brixtonboogie und Musa Okwonga, der in London geborene und nun in Berlin lebende Autor und Dichter. Die beiden Partner haben einen Musikstil kreiert, den sie selbst "Future Blues" nennen; er ist angesiedelt zwischen Spoken Word und Rap, zwischen Politik und Pop.