Unternehmen

YouTube im Lizenzzwist mit dänischer GEMA

2016 war es soweit: Nach rund sieben Jahren einigten sich die Videoplattform YouTube und die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA auf einen Lizenzvertrag. Doch auch heute noch gibt es offenbar unterschiedliche Positionen zwischen Rechteinhabern und Plattformbetreibern. Das bekommt nun gerade die dänische Musikszene zu spüren.

31.07.2020 16:31 • von
Sperrtafel auf Dänisch: YouTube und die Verwertungsgesellschaft KODA streiten um die angemessene Vergütung musikalischer Inhalte (Bild: koda.dk, Screenshot)

Anfang November 2016 war es soweit: Nach einer rund sieben Jahre währenden Auseinandersetzung legten die Videoplattform YouTube und die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA ihren Streit bei, und einigten sich auf einen Lizenzvertrag. Doch auch heute noch gibt es in Sachen Verantwortung und Vergütung ganz offenbar unterschiedliche Positionen zwischen Rechteinhabern und Plattformbetreibern. Das bekommt nun gerade die dänische Musikszene zu spüren:

"Am Abend des 30. Juli gab Google bekannt, dass bald alle dänischen Musikinhalte von YouTube entfernt werden", informiert die dänische GEMA-Schwestergesellschaft KODA auf ihren Onlineseiten. Dabei würden die Verhandlungen über die Nutzung von Musik auf YouTube zwischen dem Konzern einerseits und den seit der Midem 2014 im nordischen Bündnis Polaris gemeinsam agierenden Verwertungsgesellschaften aus Norwegen, Finnland und Dänemark "auf Hochtouren" laufen, heißt es. Das Problem liegt offenbar darin, dass das Abkommen zwischen der Koda und den YouTube-Machern zwischenzeitlich ausgelaufen ist und zunächst nur vorübergehend verlängert wurde - "wie es in der Branche bei der Aushandlung eines neuen Abkommens üblich", sei, betont man bei der KODA.

Auch einen Grund liefern die Dänen mit: Demnach habe Google für eine erneut vorübergehende Verlängerung Abschläge auf die bisher geltenden Tarife gefordert, und zwar laut KODA "um fast 70 Prozent".

Das könne man gerade angesichts der seit dem letzten Abschluss stetig gewachsenen Nutzung von Musik über die YouTube-Plattform nicht akzeptieren, heißt es aus Kopenhagen. Bei der Google-Tochter habe man nun "einseitig entschieden", keine Musik von KODA-Mitglieder auf YouTube abspielen zu wollen, bevor nicht eine neue Lizenzvereinbarung vorliege.

"Es ist kein Geheimnis, dass unsere Mitglieder mit der Höhe der Zahlungen für die Nutzung ihrer Musik auf YouTube seit vielen Jahren sehr unzufrieden sind", sagt KODA-CEO Gorm Arildsen. Und es ist auch kein Geheimnis, dass KODA sich in der Diskussion um die europäische Urheberrechtsrichtline aktiv dafür eingesetzt habe, die Unterbewertung kreativer Leistungen zu unterbinden: "Die Tatsache, dass Google nun verlangt, dass die von ihnen geschuldeten Zahlungen im Zusammenhang mit einer vorübergehenden Vertragsverlängerung um fast 70 Prozent reduziert werden, erscheint dennoch ziemlich bizarr."

Im Herbst 2013 hatte sich YouTube mit der KODA auf einen Lizenzvertrag geeinigt, wie kurz zuvor bereits mit mit der schwedischen STIM, der schweizerischen SUISA oder den österreichischen Verwertungsgesellschaften AKM und Austro Mechana. In Deutschland dauerte derweil der Zwist zwischen YouTube und der GEMA damals noch an.

Text: Knut Schlinger