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Enjott Schneider hört als GEMA-Aufsichtsrat auf

Die GEMA meldet einen Wechsel im Aufsichtsrat: Enjott Schneider legt mit sofortiger Wirkung sein Amt als stellvertretendes Aufsichtsratsmitglied der GEMA nieder. Als seine Nachfolgerin haben die Komponisten im GEMA-Aufsichtsrat Michelle Leonard gewählt.

14.07.2020 14:48 • von Frank Medwedeff
Engagierte sich 17 Jahre ehrenamtlich im GEMA-Aufsichtsrat: Enjott Schneider (Bild: Studio Rosenthal)

Enjott Schneider, international erfolgreicher Komponist und Präsident des Deutschen Komponistenverbandes (DKV), legt mit sofortiger Wirkung sein Amt als stellvertretendes Aufsichtsratsmitglied der GEMA nieder, wie die Verwertungsgesellschaft meldet. Als seine Nachfolgerin haben die Komponisten im GEMA-Aufsichtsrat Michelle Leonard gewählt. Die "international gut vernetzte und anerkannte Songwriterin und Sängerin" engagiere sich seit Jahren in der Musikwelt, "insbesondere für die Anliegen von Nachwuchsmusikern", wie es aus München heißt.

Enjott Schneider war 2003 als Mitglied der Berufsgruppe Komponisten in den GEMA-Aufsichtsrat gewählt worden, als dessen Vorsitzender er von 2012 bis 2017 fungierte. Seit 2018 wirkte er als stellvertretendes Mitglied für die Komponisten im Aufsichtsrat. Diese Funktion gebe Schneider, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wurde, nun auf eigenen Wunsch auf.

"Mit Enjott Schneider verlässt uns ein wahrhaft Großer unserer Zunft. Es war eine sehr bewegte, und auch in vielen Belangen überaus positive und konstruktive gemeinsame Zeit für uns als seine Kolleginnen und Kollegen im Aufsichtsrat", so Ralf Weigand, Vorsitzender des GEMA-Aufsichtsrats, zu Schneiders Ausscheiden. "Ich danke ihm im Namen aller Mitglieder überaus herzlich und innig für sein herausragendes Engagement für Musik und Kultur im Rahmen seiner GEMA-Funktionen."

Enjott Schneider ist weltweit mit seinen Werken für Konzertsaal, Bühne, Kirche und Film anerkannt. Unermüdlichen Einsatz für die Musikschaffenden zeigte Schneider, wie die GEMA bekräftigt, mit seinem 17 Jahre währenden ehrenamtlichen Engagement im Aufsichtsrat der Verwertungsgesellschaft, und dies in verschiedenen Gremien, von der Verteilungsplankommission über den Wirtschaftsausschuss bis hin zum Kulturausschuss, dessen Vorsitz er zuletzt innehatte. Schneider ist auch Vorsitzender der Beiräte der GEMA-Stiftung und der Franz Grothe-Stiftung. Diese Ämter behalte er bei.

"Ich danke Professor Schneider sehr herzlich für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement im Aufsichtsrat der GEMA. Mit Schwung und Leidenschaft hat Enjott Schneider sich in zahlreichen Gremien für die Interessen der Musikschaffenden stark gemacht und wichtige Themen der GEMA vorangetrieben", erklärt der Vorstandsvorsitzende der GEMA, Harald Heker. "Zukunftsweisende und herausfordernde Vorhaben wie die Tarifreform, die Reform der Rundfunkverteilung und die Regelung der Verlegerbeteiligung oder auch die Einigung mit YouTube fallen in seine Zeit als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Enjott Schneider hinterlässt einen großen Fußabdruck. Sein Kenntnisreichtum wird uns ebenso fehlen wie sein Enthusiasmus. Gleichzeitig freue ich mich, dass ihm mit Michelle Leonard ein sehr engagiertes GEMA-Mitglied nachfolgt."

Enjott Schneider selbst sagt: "Es war eine so großartige wie unvergessliche Zeit des solidarischen Miteinanders. Sich für über 70.000 Mitglieder einsetzen zu dürfen und darüber hinaus unzählige Menschen aller Berufsfarben der Musikbranche kennengelernt zu haben - das gab mir den notwendigen Energieschub, diese Sisyphos-Arbeit stemmen zu können. Dank an das Kollegium des Aufsichtsrats, an die Vorstände und vor allem an die über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwertungsgesellschaft, ohne deren brillante Arbeit das Erfolgsrezept 'GEMA' nicht realisierbar wäre."

"Mit unserem weinenden Auge werden wir Enjott Schneider schmerzlich vermissen und wünschen ihm für seine nun geplante 'Schaffensphase pur' alles erdenklich Gute", ergänzt Ralf Weigand. "Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorne erwartungsvoll auf unsere neue Stellvertreterin Michelle Leonard: Auch sie wird durch ihre umfassende, langjährige Expertise als Autorin insbesondere im Bereich Pop und Rock eine große Bereicherung für die Arbeit der Aufsichtsratsrunde sein."

Michelle Leonard freut sich ihrerseits auf die neue Aufgabe: "Es ist mir Freude und Ehre zugleich, im Aufsichtsrat der GEMA die Belange meiner Kolleginnen und Kollegen vertreten zu können. Mir liegt besonders der musikalische Nachwuchs am Herzen, für den ich mich seit Jahren stark mache und der mit mir eine weitere starke Stimme im Aufsichtsrat bekommt". Insbesondere die digitale Musikszene sei "wahnsinnig aktiv und kreativ". Es entstehen laut Leonard "neue Formen der Kreation und Kollaboration, oftmals genre- und länderübergreifend. Diese Potenziale müssen wir sichern - mit fairen Rechten und einer fairen Vergütung. Dieser Aufgabe möchte ich mich in den kommenden Jahren als Teil des Aufsichtsrats der GEMA widmen."

Seit 15 Jahren lehrt Michelle Leonard Songwriting an verschiedenen Hochschulen wie der Popakademie Baden-Württemberg, der SRH Hochschule der Populären Künste oder dem Columbia College Chicago. Aus der Feder der erfahrenen Musikautorin stammen nationale und internationale Hits wie "Running With The Wolves" von Aurora, "Rooftop" von Nico Santos und "Dig Deep" von Lxandra.