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US-Musikmarkt zeigt zum Halbjahr Corona-Symptome

Die Corona-Krise schlägt sich massiv in den Entwicklungen des Musikmarkts im Bereich Recorded Music nieder. Das zeigt die Halbjahresbilanz der US-amerikanischen Chartsermittler von Nielsen Music. Zwar wuchs der Musikkonsum unterm Strich, aber die Zeiträume bis und ab Mitte März weisen drastische Unterschiede auf.

10.07.2020 13:01 • von
Die zwei Seiten eines Halbjahres: was sich bis Mitte März im US-Markt noch freundlich entwickelt hatte, erfuhr danach im Zeichen der Corona-Krise einen massiven Dämpfer (Bild: Nielsen Music, MRC Data, Midyear Report US 2020, Screenshot)

Die Corona-Krise schlägt sich massiv in den Entwicklungen des Musikmarkts im Bereich Recorded Music nieder. Das zeigt die Halbjahresbilanz der US-amerikanischen Chartsermittler: "Was für einen Unterschied doch ein paar wenige Monate machen", heißt es zur Einleitung im Zwischenbericht von Nielsen Music und MRC Data. Es sei kaum zu glauben, dass noch nicht einmal sechs Monate vergangen seien, seit ausverkaufte Shows in Stadien oder die Grammy-Verleihung als eine der bislang letzten größeren Veranstaltungen der internationalen Musikwirtschaft über die Bühne gingen.

Zwar wuchs der Musikkonsum unterm Strich, aber die Zeiträume bis und ab Mitte März weisen doch drastische Unterschiede auf. Fürs erste Halbjahr gibt Nielsen Music ein kumuliertes Plus von 9,4 Prozent für den Musikkonsum im Zeitraum vom 3. Januar bis 2. Juli 2020 über alle Formate hinweg an. In diesen hochgerechneten Wert eingeschlossen sind kostenpflichtige und werbefinanzierte Streams über Audio- und Videodienste ebenso sowie physische und digitale Verkäufe. Ein Blick auf den Trend vor und nach dem Lockdown aber macht klar, dass die Entwicklung ohne die Corona-Krise noch deutlich freundlicher hätte ausfallen können: So gibt Nielsen Music für die Zeit bis zum 12. März ein Plus von 14,6 Prozent aus, in den zweieinhalb Monaten danach lag das Plus hingegen bei nur 6,2 Prozent.

Ganz massiv macht sich der Unterschied bei den tatsächlichen Verkäufen bemerkbar: Bis Mitte März verbuchte der US-Markt demnach bei CDs und LPs ein Absatzplus von eindrucksvollen 4,6 Prozent, angeschoben vor allem von den im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent gewachsenen Vinylverkäufen und geringer als erwarteten Rückgängen bei CDs. Danach aber brach der Markt im physischen Bereich um mehr als 35 Prozent ein, so dass nun zum Halbjahr bei den Alben ein kumuliertes Absatzminus von gut 20 Prozent zu Buche schlägt. Das LP-Format brachte aber dennoch ein Absatzplus von gut elf Prozent mit ein.

Abseits der Pandemie schlugen auch andere Geschehnisse auf die musikalische Zwischenbilanz durch. So sorgte der gewaltsame Tod von George Floyd am 25. Mai für einen weltweiten Aufschrei und ein Erstarken der Bewegung Black Lives Matter. Im Kielwasser der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt sowie für Menschenrechte erlebten aber auch zahlreiche Songs eine neue Popularität. So kletterten die Abrufzahlen von "This Is America" von Childish Gambino in der Woche nach dem Vorfall laut Nielsen Music um 268,5 Prozent, aber auch "Fuck Tha Police" von N.W.A. (plus 302 Prozent) oder "Killing In The Name" von Rage Against The Machine (plus 49 Prozent) legten zu.

Text: Knut Schlinger