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VDMK macht Situation der Veranstalter transparent

Der Verband der Münchener Kulturveranstalter (VDMK) hat am 7. Juli mit der Aktion "Ohne uns ist's still" in der Muffathalle auf die schwierige Situation der Veranstalter der Stadt in der Corona-Krise aufmerksam gemacht.

07.07.2020 16:50 • von Frank Medwedeff
Konzertsaal mit Abstandseinhaltung: vom VDMK initiierte Fotosession in der Muffathalle (Bild: Severin Schweiger)

Der Verband der Münchener Kulturveranstalter (VDMK) hat am 7. Juli 2020 mit der Aktion "Ohne uns ist's still" in der Muffathalle auf die schwierige Situation der Veranstalter der Stadt in der Corona-Krise aufmerksam gemacht.

Knapp 100 Repräsentanten der Branche zeigten auf, welche Unterstützung es brauche, um die Vielfalt des Münchner Kulturlebens für die Zukunft zu sichern. Eine Fotosession in der Muffathalle machte transparent, mit wie wenig Publikum ein Konzert oder andere Veranstaltung in der Muffathalle angesichts der coronabedingten Abstandsregelungen demnächst durchführbar wäre.

Dank erster Lockerungen und diverser Hilfsmaßnahmen gebe es im Land zwar ein Aufatmen nach dem Lockdown. Doch während sich in den Isar-Auen bei schönem Wetter Massen-Events häuften, die Münchner Innenstadt nachts zur Outdoor-Partymeile mutiere und Flugzeuge bis auf den letzten Platz gefüllt in Urlaubs-Destinationen abheben könnten, liege die Veranstaltungswirtschaft weiterhin brach.

Starke Beschränkungen der Besucherkapazitäten auf derzeit 100 Personen in Spielstätten im Innenbereich und maximal 200 Personen bei Open-Air-Veranstaltungen verhindern laut VDMK nach wie vor eine "wirtschaftliche Machbarkeit" von Events. Live-Erlebnisse von Konzert- und Theaterveranstaltungen gebe es daher derzeit nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt. Clubs sind seit dem 13. März 2020 in München komplett geschlossen.

"Als Kulturveranstalter sorgen wir normalerweise für Freude, anspruchsvolle Unterhaltung sowie besondere Erlebnisse", sagte David Süß, Vorstandsmitglied im VDMK. "Derzeit bangen wir um den Erhalt der kulturellen Vielfalt, die München wesentlich kennzeichnet, und die Existenz zahlreicher Kulturbetriebe, die seit Monaten ohne Einnahmen sind und keinerlei Perspektive für eine Rückkehr zum Normalbetrieb haben."

Mit der Aktion "Ohne uns ist's still" gehe es darum, auf die kritische Situation hinzuweisen und zu erläutern, welche Art von Unterstützung man benötige, damit auch nach der Corona-Pandemie kulturelle Erlebnisse möglich seien.

Der VDMK und seine Mitglieder fordern "klare politische Vorgaben und die damit verbundene Planungssicherheit". Die Planung und Bewerbung von Veranstaltungen brauche Zeit und damit Vorlauf. Die Veranstalterbranche wünsche sich einen direkten Dialog mit den Verantwortlichen, "um über die Erweiterung von Platzkapazitäten in Veranstaltungen zu sprechen und konkrete Perspektiven zu entwickeln".

Nötig seien zudem die schnelle Bereitstellung der Mittel zur Erhaltung der Kultur-Infrastruktur und langfristige Unterstützungsmaßnahmen.

Viele Kulturveranstalter haben laut VDMK aufgrund der langen Vorläufe von Künstler- und Saalbuchungen sowie der Bewerbung von Veranstaltungen nicht nur drei Monate Umsatzausfall, sondern nach aktuellem Stand neun Monate oder länger zu erwarten. Entsprechende Nothilfen durch Bund, Land und Stadt seien notwendig und müssten rasch ausbezahlt werden.

Der Münchner Branchenverband mahnt auch die Bereitstellung von Mitteln an, um das kulturelle Leben allmählich wieder zu aktivieren. Solange nur mit geringen Platzkapazitäten veranstaltet werden könne, brauche es eine Unterstützung der wenigen möglichen Kulturveranstaltungen, um "Defizite auszugleichen und das kulturelle Leben der Stadt langsam wieder hochzufahren".

Kaum eine andere Branche habe mehr Erfahrungen mit dem Handling von Menschenmassen als die Veranstalter von Konzerten und Theaterevents. Daher könnten Politik und Stadtverwaltung mehr Vertrauen in deren vorliegende Hygienekonzepte setzen, um Spielstätten "mit weit mehr als 100 beziehungsweise 200 Zuschauern zu füllen", wie der VDMK zu bedenken gibt.

Solange geschlossene Veranstaltungsräume nur mit sehr geringen Platzkapazitäten genutzt werden dürfen, seien Veranstalter auf die Unterstützung bei der Genehmigung von Open-Air- Flächen angewiesen. Hier bräuchten Kulturveranstalter die Bereitschaft der Stadtgesellschaft, der Bezirksausschüsse, der kommunalen Einrichtungen und der Politik, "um kurzfristig Veranstaltungsorte im Freien zu bespielen".

Der Verband regt auch auch die mögliche Umnutzung von Räumlichkeiten an: Um Räume von Clubs und Veranstaltungsorten mit neuen Formaten zu bespielen, erfordere es ein kurzfristiges Entgegenkommen der Behörden, die Locations für andere Nutzungsformen zuzulassen - etwa, um Clubräume als Ausstellungsort oder für kleine Veranstaltungsformate mit Bestuhlung zu nutzen.

Solange Veranstaltungsräume öffentlicher Einrichtungen nicht mit der vollen Kapazität genutzt werden können, gehört auch "ein deutliches Entgegenkommen bei Mietkonditionen" zu den zentralen Anliegen der Münchner Veranstalter.

Und um die Feierlaune in der Bevölkerung "wieder in die gewohnten professionellen Hände von Clubbetreibern und Partyveranstaltern zu geben, die für die nächtliche Sicherheit von Feiernden und der Stadtgesellschaft sorgen", brauche es Kooperation. "Jetzt muss der Dialog beginnen, um eine Vermeidung von illegalen Partyveranstaltungen mit Beginn der kalten Jahreszeit sicherzustellen", bekräftigt der VDMK.