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Doreen Schimk hält Frauenanteil in der Musikbranche für "ausbaufähig"

In einer fortlaufenden Serie geht Stefanie Kim in Partnerschaft mit MusikWoche der Frage nach, wie divers sich die Musikindustrie hierzulande gestaltet. Dafür sprach Kim nun mit Doreen Schimk, Managing Director Media & Brands Warner Music, über das Thema Frauen in der Musikbranche.

07.07.2020 13:41 • von Jonas Kiß
Würde gerne mehr Frauen in Führungspositionen sehen: Doreen Schimk (Bild: Sabine Skiba)

In einer fortlaufenden Serie geht Stefanie Kim in Partnerschaft mit MusikWoche der Frage nach, wie divers sich die Musikindustrie hierzulande gestaltet. Dafür sprach Kim nun mit Doreen Schimk, Managing Director Media & Brands Warner Music, über das Thema Frauen in der Musikbranche.

2019 standen in den Vorständen der deutschen Börsenunternehmen 66 Frauen 641 Männern gegenüber. 2020 sind weniger als sieben Prozent der Mitglieder in Geschäftsführungen Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt die deutsch-schwedische AllBright Stiftung, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt.

Wie sieht es in der Musikindustrie aus? In den Management-Teams der Labels können wir noch nicht von einer Parität sprechen, obwohl ein divers aufgestelltes Top-Management die Chancen erhöht, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Sind wir letzten Endes in der Kreativwirtschaft doch nicht so progressiv wie wir immer glauben? Es ist an der Zeit, den »Thomas-Kreislauf« zu durchbrechen.

2012 wurde der EU-Entwurf zur Frauenquote vorgelegt. Wie hat sich das Ihrer Meinung nach acht Jahre später ausgewirkt?

Es ist positiv zu sehen, dass es mehr Frauen in Führungspositionen in der Musikbranche gibt. Bei Warner Music verzeichnen wir einen 50/50-Anteil innerhalb der gesamten Organisation, und auch was Führungskräfte angeht, gibt es einen Strukturwandel. Als Mitglied des Senior Management Teams freue ich mich, dass von den fünf Fachbereichen, die ich zu verantworten habe, vier Frauen die Leitung der Units inne haben. Förderung, Weiterbildung und Diversity sind bei Warner Music Central Europe ein großes Thema.

»Eine Frau kann Kanzlerin werden, aber kein CEO« titelte die AllBright Stiftung 2018 in ihrer Studie »Schlusslicht Deutschland: Konzerne weltweit holen mehr Frauen ins Top-Management«. Fällt Ihnen ein weiblicher CEO in der Musikbranche ein?

Leider nein, aber ich bin optimistisch.

Können Sie eine Einschätzung geben, warum Frauen noch nicht zu 50 Prozent in den Management-Teams oder generell auf dem C-Level und in Director-Positionen in der Branche vertreten sind.

Das hat viel mit Förderung und Unternehmenskultur zu tun. Man muss sich von alten Arbeits- und Denkmustern trennen und Struk­turen verändern, um weibliche Nachwuchstalente über mehrere Karrierestufen zu fördern. Es wird zwar besser, aber auch im Jahr 2020 wird deutlich, dass der Frauenanteil in der Musikbranche noch ausbaufähig ist.

Was ist Ihr Rat an Frauen, die Karriere über das mittlere Management machen wollen?

Natürlich bildet Topleistung eine Grundvorrausetzung. Ein gesundes Selbstbewusstsein gepaart mit Ehrgeiz ist ebenfalls von Bedeutung. In meiner Karriere habe ich mich stets an starken Frauen orientiert und Mentoren gesucht. Dabei spielt generell das Geschlecht des Mentors keine Rolle. Ich habe und hatte das große Glück, unterstützende weibliche und männliche Mentoren zu haben.

Was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft beim Thema Frauenförderung?

Natürlich würde ich gerne mehr Frauen in Führungspositionen sehen.

Nach der Ermordung von George Floyd kam es kürzlich zu weltweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Mir ist aufgefallen, dass Warner Music eines der wenigen Labels ist, das sich schon länger gegen Rassismus positioniert. Wie kam es dazu?

Warner Music steht seit jeher für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz. Bei uns arbeiten Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Meinung oder musikalischem Geschmack. Gemeinsam arbeiten wir täglich daran, neue Musik in die Welt zu bringen. Das gelingt uns nur durch enge Zusammenarbeit und gegenseitigen Respekt. Nach den diesjährigen Ereignissen, unter anderem in Thüringen und Hanau, wollten wir deshalb gemeinsam mit unseren Künstlern mehr denn je ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für Weltoffenheit und Vielfalt setzen. Social Media ist hier aber nur eine unserer Säulen. So haben wir beispielsweise vor zwei Monaten gemeinsam mit 18 deutschen Rappern den Benefiz-Song »Bist du wach?« veröffentlicht, dessen Erlöse komplett den Opferfamilien des Anschlags von Hanau zugutekommen. Zudem unterstützen wir als Unternehmen Organisationen wie »Gesicht Zeigen!«, haben uns am Blackout Tuesday beteiligt und setzen uns auch sonst hinter den Kulissen gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art ein. Seit vielen Jahren ist dies unserem CEO Bernd Dopp auch persönlich ein sehr wichtiges Anliegen. Für uns steht außer Frage, dass wir als Unternehmen ebenfalls eine gesellschaftspolitische Verantwortung haben, die heute wichtiger ist denn je.

zur Person

Doreen Schimk begann ihre Karriere im Musikgeschäft 1998 als Radio Promotion Manager bei Edel Records in Hamburg. Zwei Jahre später wechselte sie ins TV-Promotion-Team und übernahm im November 2001 schließlich die Leitung der gesamten Promotionabteilung bei Edel Records. Im April 2004 kam Schimk als Radio Promotion Manager zu Sony Music nach Berlin. Kurze Zeit später wurde sie bei Sony BMG in das TV-Promotion-Team berufen, das seit Januar 2006 unter ihrer Leitung arbeitete. 2006 übernahm sie die stellvertretende Promotionleitung bei Sony Music und Ende 2006 für die Sony-Repertoiredivision Columbia Deutschland. Im Januar 2011 startete Doreen Schimk schließlich bei der Warner Music Group als Director Promotion & Artist Coordination und ist seit 2014 Teil des Senior Management-Teams von Warner Music Central Europe. Im Juli 2018 übernahm sie die neu geschaffene Position des Managing Director Media & Brands und berichtet in dieser Funktion an den Chairman & CEO Warner Music Central Europe Bernd Dopp.