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Discobranche kämpft für Öffnungsperspektive

Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) reagiert scharf auf Äußerungen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der Clubs nicht sagen kann, wann sie wieder öffnen dürfen. Die Lage in der Branche sei dramatisch, die Verzweiflung wachse von Tag zu Tag.

03.07.2020 16:16 • von Dietmar Schwenger
Kritisiert Markus Söder: BDT-Präsident Hans-Bernd Pikkemaat (Bild: DEHOGA Bundesverband)

Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) reagiert scharf auf Äußerungen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der Clubs nicht sagen kann, wann sie wieder öffnen dürfen. Söders Ausführungen, darunter die vielzititerte Formulierung, man könne solange mit dem Partner zuhause tanzen, sorgten in der Branche für große Irritation, teilt der Verband mit.

"Clubs und Discotheken können sehr wohl Schutz- und Hygienemaßnahmen verantwortungsvoll umsetzen und werden heutzutage professioneller betrieben, als sich das mancher Politiker vorstellt", erklärt BDT-Präsident Hans-Bernd Pikkemaat. Die Lage der Branche sei dramatisch. "Die Verzweiflung wächst von Tag zu Tag.Tausende Betriebe wissen nicht, wie sie durch die Krise kommen können. In dieser Ausnahmesituation stoßen die Einschätzungen von Herrn Söder und das Verneinen jedweder Öffnungsperspektive bei den Clubs und Diskotheken auf absolutes Unverständnis."

Söder hat sich zudem bei einer Pressekonferenz skeptisch gezeigt, dass die Disco-Branche "Namenslisten wie in der Gastronomie führen" könne. Söder befürchtet, dass "auf solchen Listen Donald Duck, Mickey Maus oder Superman" stehen würden. Das Gegenteil sei der Fall, versichert Pikkemaat. Clubs und Discotheken führten schon seit Jahren namentliche Gästelisten, vermieteten personalisierte Lounges und ließen jugendliche Gäste zwischen 16 und 18 Jahren und ihre Aufsichtsperson nur mit Namensangabe unter Vorlage des Personalausweises und einer schriftlichen Bestätigung der Eltern, dem sogenannten "Muttizettel", in den Betrieb.

"Das Vorzeigen des Personalausweises und die exakte Kontrolle durch die Security ist in vielen Betrieben bereits gängige Praxis", stellt der BDT-Präsident klar. "Allein für das Gäste-Marketing per E-Mail oder SMS pflegen Clubs und Discotheken schon seit langer Zeit sehr sorgfältig digitale Gästedaten. Aktuell bereiten sich die Betriebe intensiv auf die Sicherstellung der lückenlosen Nachverfolgung vor."

Für eine Einschätzung der Risikolage müsse ebenso berücksichtigt werden, dass "Clubs und Discotheken strengen Auflagen unterliegen und daher hochdimensionierte Lüftungsanlagen vorhalten müssen", so Pikkemaat weiter. Die Gäste kämen im Übrigen überwiegend aus der jeweiligen Region. "Die Branche hat sehr wohl eine Perspektive noch vor Verfügbarkeit eines Impfstoffes verdient. Ein umfassendes Konzept der Branche mit praxistauglichen wie effektiven Schutz- und Hygienemaßnahmen wird in Kürze vorgelegt."

Dazu gehörten Instrumente zur Gästeregistrierung über Apps, Ticketing und oder E-Mail, Temperaturmessung der Gäste und kontinuierliche Tests für Mitarbeiter - eine Abstandsregelung sei allerdings unrealistisch. "Clubs- und Discothekenbetreiber sind es gewohnt, sich permanent auf ändernde Marktbedingungen erfolgreich einzustellen. Sie zeichnen sich durch ein hohes Maß an Flexibilität, Kreativität und Professionalität aus. Und genau das ist jetzt gefragt", schließt Pikkemaat, der eine konkrete Öffnungsperspektive für die Branche fordert.