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Matthias Koch gründet Label für persische Musik

Mit der Gründung des Labels 30M Records will Matthias Koch eine Plattform für eine neue Musikergeneration aus dem Iran zur Verfügung stellen und ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Musik "einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen und entsprechend zu bewerben".

03.07.2020 12:31 • von Frank Medwedeff
Will mit seinem neuen Label das Potenzial der iranischen Musikszene zu Tage fördern: Matthias Koch (Bild: 30M Records)

Matthias Koch hat in Hamburg das Label 30M Records gegründet. Es soll als Plattform dienen "für eine neue Generation persischer MusikerInnen, die Einflüsse aus den Metropolen der Welt, den iranischen Provinzen und Klänge aus der pulsierenden Hauptstadt Teheran miteinander verbindet".

Mit 30M Records möchte Koch "die jungen iranischen KünstlerInnen, welche ursprüngliche Instrumentierungen und Stile mit in ihre zeitgenössischen Kompositionen und Produktionen einfließen lassen, einem weltweiten Publikum zugängig machen". 30M schlage dabei eine Brücke zwischen traditioneller und gegenwärtiger iranischer Musik.

Hintergrund ist die Tatsache, dass unter den gegenwärtigen Wirtschaftssanktionen der USA Musiker und Labels im Iran nicht direkt mit US- oder europäischen Plattformen oder Kunden agieren können und dubiose Dienste diese Situation ausnutzen, indem sie den Musikern anbieten, ihre Musik auf Spotify zu veröffentlichen und dafür hohe Geldbeträge verlangen. 30M Records biete Künstlern im Iran fortan die Möglichkeit, ihre Musik global zugänglich zu machen und entsprechend zu bewerben. Das Label habe außerdem eine Full-Service-Beratung in Fragen des Urheberrechts im Angebot.

Matthias Koch ist zuversichtlich, dass im Iran jede Menge musikalisches Potenzial vorhanden ist, das auch die Menschen außerhalb des Landes begeistern werde: "Ich glaube an Austausch und Kommunikation als Möglichkeit, die Menschen näher zusammenzubringen. Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Musik kann in meinen Augen eines der stärksten Werkzeuge in dieser Hinsicht sein. Die melancholische Schönheit der Harmonien, die Beats und für uns neue Sounds sind perfekt für ein neugieriges, internationales Publikum. Und die Geschichten dahinter geben der Musik sogar noch mehr Kraft. In die Stories, den Hintergrund kann man eintauchen, wenn man will - oder einfach nur die Musik entdecken, dazu tanzen, sie genießen".

Koch findet, "dass die moderne iranische Musik, die langsam anfängt, das traditionelle und klassische musikalische Erbe des Landes einzubeziehen, wahrscheinlich zu den interessantesten und coolsten musikalischen Entwicklungen seit einiger Zeit zählt".

Die erste Veröffentlichung werde den Namen "Raaz" ("Geheimnis") tragen. Dahinter stehen die beiden Künstler Hooshyar Khayam und Bamdad Afshar, die ein Licht auf die wenigen verbleibenden Bewahrer der iranischen Folk-Tradition werfen möchten, die die alten Baluchi-Rhythmen aus dem Süden des Landes in einen Rahmen aus Elektronik, präparierten Klavieren, Streichern und Gesangsaufnahmen einfügen. Anschließend sind Releases verschiedener Genres geplant, darunter auch elektronische Musik aus dem Iran.

Matthias Koch ist sei 1997 im Musikbusiness aktiv. Nachdem er für PIAS und das Punkrocklabel Epitaph tätig war, leitete er zehn Jahre lang das Hamburger Büro des französischen Labels Na ï ve. Seit 2016 zeichnet er verantworlich für das B2B-Segment "Modern Classical Music" beim Reeperbahn Festival. 2017 gündete Matthias Koch seine eigene Firma Referat K und offeriert damit Consulting- und Produktmanagement-Dienste für Kunden wie die Deutsche Grammophon.

Während eines dreimonatigen Aufenthalts in Teheran 2016 und mittels etlichen weiteren Reisen in den Iran avancierte er zu einem Experten für die iranische Musikszene. Koch arrangierte auch schon Konzertauftritte von Künstlern wie Olafur Arnalds, Martin Kohlstedt und Federico Albanese in Teheran und Shiraz.