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Clubkombinat Hamburg beruft Susanne Leonhard ab

Der Vorstand des Clubkombinats Hamburg distanziert sich von einer Aktion, die das Docks per Facebook verbreitet hatte. Die inhaltliche Aussage und das gewählte Vokabular seien "mit den Werten und der Arbeit unseres Verbandes nicht vereinbar". Das Clubkombinat hat zudem Docks-Geschäftsführerin Susanne Leonhard von ihrer Aufgabe als Vorstandsvorsitzende entbunden.

22.06.2020 15:37 • von Frank Medwedeff
Nicht mehr Vorstandsvorsitzende des Clubkombinats: Susanne Leonhard, hier vor der polarisierenden Docks-Wandzeitung (Bild: Docks)

Der Vorstand vom Clubkombinat Hamburg distanziert sich von einer Aktion, die das Team der Spielstätte Docks am 18. Juni 2020 per Facebook verbreitet hat. Die inhaltliche Aussage und das gewählte Vokabular seien "populistischer Natur" und werden laut Clubkombinat "von den rechten Rändern unserer Gesellschaft in Beschlag genommen. Dieses ist mit den Werten und der Arbeit unseres Verbandes nicht vereinbar."

Das Docks sei als Vereinsmitglied frei in seinen Entscheidungen und Handlungen, jedoch habe dessen Geschäftsführerin, Susanne "Leo" Leonhard, bis dato das Amt als erste Vorsitzende vom Clubkombinat Hamburg innegehabt und sei im Vorstand der Clubstiftung Hamburg tätig gewesen. Mit der Einnahme dieser Positionen seien "repräsentative und ideelle Ämter verbunden, die als kulturpolitische Stimme und Sprachrohrfunktion insgesamt dienen. Als Clubkombinat stellen wir uns inhaltlich gegen jegliche Formen von Populismus, Rassismus und Diskriminierung", wie es aus Hamburg weiter heißt.

Um in den Diskussionen zu der Aktion "weiteren Schaden vom Verband, seiner Vereinsarbeit, seinen Mitgliedern und der Clubkultur abzuwenden", sehe sich der Vorstand in der Pflicht, Susanne "Leo" Leonhard ab sofort "vom Amt des Vorstandsvorsitzes im Clubkombinat e.V zu entbinden".

Das Team des Docks und der Prinzenbar hatte am 18. Juni über Facebook verlautet, dass im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie über die Gefährlichkeit und die Angemessenheit der Maßnahmen dazu "in den Mainstream Medien sehr einseitig berichtet wird". Kritische Stimmen, insbesondere aus der Wissenschaft, kämen dabei nur selten oder gar nicht zu Wort. "Wir möchten im Rahmen unserer Möglichkeiten alternativen Stimmen Gehör verleihen". Dazu biete man ein Flyerboard im Eingangsbereich des Docks an. "Wir wünschen uns eine Anregung der Diskussion, eine Relativierung der Informationen und den Abbau der Angst." Jeder, der eine "alternative Meinung im Rahmen eines A1-Plakates äußern möchte", könne seinen Text einreichen, "und wir veröffentlichen ihn auf unserer Plakatwand für einen Unkostenbeitrag von 20 Euro für einen Zeitraum von vier Wochen".

Zahlreiche Kommentare zu dem Facebook-Post kritisierten die Verwendung von Begriffen wie "Mainstream Medien" und "alternative Meinungen", da dies die Sprache von Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern sei, was das Clubkombinat offenbar genauso sieht.

Susanne Leonhard lenkte inzwischen ein und schrieb auf Facebook: "Es tut uns leid, dass wir mit unserem Beitrag über die Wandzeitung falsche Signale gesendet haben. Für die Begriffe 'Mainstream Medien' und "alternative Meinungen" entschuldigen wir uns vom tiefsten Herzen. Besonders die Kombination dieser beiden Begriffe war unglücklich gewählt und hat den eigentlichen Zweck unserer Wandzeitung überschattet. Das war nicht unsere Absicht."

"Wir vom Docks sind nicht rechts, und wir sind keine Verschwörungstheoretiker. Wir haben 2015/2016 geflüchtete Menschen im Docks aufgenommen, wir sind 2018 mit der Belegschaft nach Chemnitz gefahren, um gegen Rassismus zu demonstrieren, wir sind im Zeichen der Gleichheit über den CSD gefahren, weil wir seit Jahren ein sicherer Ort für die schwule Community sind. Unsere Intention ist es auch nicht, das Docks unter nicht sicheren Umständen und der Gefährdung unserer Gäste und unseres Teams zu öffnen", so Leonhard weiter.

Man habe die Texte "an unserer Wandzeitung sorgsam ausgewählt und auf rechte Inhalte und Verschwörungstheorien überprüft, da wir uns hiervon distanzieren wollen". Kritische Meinungen zur Corona-Krise seien in den Medien zwar vertreten, "aber unserer Ansicht nach sind sie für eine demokratische Diskussion im Ungleichgewicht". Das Docks-Team wolle deshalb "im Rahmen unserer Möglichkeiten kritischen Stimmen Gehör verleihen. Die Wandzeitung möchte nicht behaupten, die Wahrheit zu kennen. Wir wollen zum Nachdenken anregen.Wir verstehen, dass wir sehr viele Menschen mit unserer Wortwahl verärgert haben. Wir wünschen dennoch an dieser Stelle einen respektvollen Umgang auf Social Media miteinander", so Leonhard.

Das Clubkombinat hat ungeachtet dessen Susanne Leonhard als Vorstandsvorsitzende des Verbandes abberufen und bis bis zum Ende der aktuellen Amtszeit Constantin von Twickel als ersten Vorsitzenden und Gerald Steyr als stellvertretenden Vorsitzenden "mit sofortiger Wirkung aus der Mitte des Vorstands gewählt".

"Wir danken Leo für ihren ehrenamtlichen Einsatz in all den Jahren, in der sie mit Herzblut und Leidenschaft sich für die Interessen der Hamburger Musikclubs eingesetzt hat", so das Clubkombinat.