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Four Artists dankt ab

Unter den unabhängigen deutschen Konzertagenturen war Four Artists für lange Zeit eine beständige Branchengröße. Nun aber ereilt das Unternehmen zum 31. Juli das vorzeitige Aus. Zudem haben die zuletzt verbliebenen 14 Mitarbeiter des Unternehmens bereits ihre Kündigung erhalten.

05.06.2020 10:25 • von Dietmar Schwenger
Haben 1997 Four Artists gegründet: Die Fantastischen Vier (Bild: Moritz Mumpi Kuenster Monsterpics)

Unter den unabhängigen deutschen Konzertagenturen war Four Artists für lange Zeit eine beständige Branchengröße. Nun aber ereilt das Unternehmen zum 31. Juli 2020 das vorzeitige Aus. Zudem haben die zuletzt verbliebenen 14 Mitarbeiter des Unternehmens bereits ihre Kündigung erhalten, wie MusikWoche aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat.

Auch wenn es zur Betriebsschließung seitens der Beteiligten keine offiziellen Stellungnahmen gibt, so ist zumindest der Abgang auf Raten dokumentiert und bekannt. Gegründet 1997 in Stuttgart sowie laut Firmeninfo auf "Linkedin" mehrheitlich im Besitz der Fantastischen Vier, beschäftigte das Unternehmen nach dem Umzug nach Berlin in Spitzenzeiten bis zu 50 Mitarbeiter.

Rückwirkend betrachtet nahm der Showdown von Four Artists spätestens seinen Lauf nachdem Alex Richter, einst Mitbegründer und langjähriger Geschäftsführer der Agentur, Anfang November 2019 überraschend sein Mandat niederlegte und an Florian Hauss übergab.

Wurde zuvor im Mai 2017 noch eine Firmenübernahme der Unternehmen Four Artists Booking Agentur GmbH sowie der Four Artists Events GmbH durch CTS Eventim beim Bundeskartellamt angemeldet, untersagte die Behörde zum Ende desselben Jahres die Pläne der daran beteiligten Akteure.

Allerdings offenbart sich der geplatzte Deal im Nachhinein als ein weiteres Menetekel auf dem Weg zum finalen Akt für Four Artists. So führte besagter Vorgang Anfang diesen Jahres, ebenfalls überraschend, zu dem fliegenden Wechsel eines nicht unerheblichen Teils der Belegschaft von Four Artists zu der Firmenneugründung von All Artists. Dem voraus gingen dem Vernehmen nach Einzelgespräche zwischen den Fantastischen Vier in ihrer Eigenschaft als Mehrheitseigner des Unternehmens mit den Mitarbeitern im Berliner Hyatt Hotel, welche die Entscheidungsfindung zu einem gemeinschaftlichen Firmenwechsel offensichtlich begünstigte.

Gewissermaßen unterstützend erwies sich dabei FKP Scorpio-Chef Folkert Koopmans als Geburtshelfer von All Artists. So gesehen eine freundliche Übernahme eines gut eingespielten 25-köpfigen Teams unter Leitung von Markus Grosse, dem vormals langjährigen stellvertretenden Geschäftsführer der Four Artists Booking Agentur.

Dem neuen Firmennamen nahezu entsprechend verlor Four Artists bei der Gelegenheit zugleich das Gros des Künstlerbestands, darunter Seeed und Max Herre, was obendrein eine weitere Komponente auf dem Weg zur Liquidation der Agentur gewesen sein dürfte.

Die Frage, welche betrieblichen Konstellationen nun für den Restbestand noch anstehender Tourneen, darunter jene der Fantastischen Vier mit einem Verkaufsvolumen von 300.000 Tickets greift, blieb vorerst unbeantwortet. Gleiches gilt für die geschäftliche Zukunft der Four Artists Events GmbH sowie der Warsteiner Music Hall in Dortmund, die durch entsprechende Gesellschafter-Verflechtungen zumindest indirekt tangiert sind.

Mit der Schließung von Four Artists endet nun allerdings abrupt die Erfolgsgeschichte eines Unternehmens, das, wie immerhin zu erfahren war, gerade noch im Jahr 2019 das beste Geschäftsjahr seiner Firmengeschichte absolviert haben soll. Bleibt zu befürchten, dass Four Artists, was das laufende Jahr betrifft, nun lediglich den Auftakt zu weiteren möglichen Abgängen prominenter und gestandener Konzertunternehmen eingeleitet hat ...

Text: Manfred Tari