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Bayern will mehr Hilfsgelder in Kunst und Kultur stecken

200 Millionen Euro will der Freistaat Bayern in Hilfen für Kunst, Kultur und Kinos investieren, Konzerte aber stehen dabei noch im Schatten. Das machten Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach am 14. Mai in München deutlich.

14.05.2020 11:55 • von
Sprachen über Maßnahmen zum Neustart in den Bereichen Kunst und Kultur in Bayern (von links): Digitalministerin Judith Gerlach, Ministerpräsident Markus Söder und Kunstminister Bernd Sibler (Bild: youtube.com/user/Bayern/live, Screenshot)

200 Millionen Euro will der Freistaat Bayern in Hilfen für Kunst, Kultur und Kinos investieren, Konzerte aber stehen dabei noch im Schatten. Das machten Ministerpräsident Markus Söder, Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach am 14. Mai bei einer auch online gestreamten Vorstellung der frisch justierten Maßnahmen zum Neustart im Bereich von Kunst und Kultur in München deutlich.

"Selbst in der Krise werden wir an der Kultur nicht sparen", bilanzierte dabei Markus Söder. Gerade in Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien seien Kunst und Kultur nicht nur systemrelevant, sondern würden die Gesellschaft stärken. Deshalb seien die nun vorgestellten Maßnahmen nicht nur ein Hilfsprogramm, sondern auch ein Erbauungsprogramm für alle, die das dringend bräuchten.

"Bayern ist ein Kulturland", sagte Söder, und kündigte einen "kulturellen Rettungsschirm" an, der von einem zunächst geplanten Volumen in Höhe von 90 Millionen Euro inzwischen auf rund 200 Millionen Euro gewachsen sei. Darin enthalten seien die bereits zuvor präsentierten Hilfsmaßnahmen für Künstler, die, wenn sie denn in der Künstlersozialkasse seien, dreimal 1000 Euro erhalten würden. Das wolle man nun ändern und ergänzen, um somit auch Kreativschaffende, die "aus welchen Gründen auch immer", nicht in der Künstlersozialkasse seien, zu erreichen. Damit werde die Zahl derer, die von dem Programm profitieren könnten, von 30.000 auf 60.000 verdoppelt, erläuterte Söder, der aber auch Honorarkräfte an Staatstheatern bis hin zum Beispiel zu Bühnentechnikern in weitere Programme mit einbeziehen will. Allein dieser Teil umfasse 140 der 200 Millionen Euro, rechnete der Ministerpräsident vor.

Hinzu komme eine Unterstützung von Spielstätten wie Theatern und Kinos. Hier plant Bayern ein Programm mit einem Volumen von 50 Millionen Euro, von dem kleinere, aber professionelle Theater profitieren sollen, aber auch rund 260 Kinos. Hinzu komme schließlich ein drittes Programm über zehn Millionen Euro für den Bereich der Laienmusik in Vereinen oder Chören.

Die auch fürs Kino zuständige Digitalministerin Judith Gerlach ergänzte unter anderem, Filmförderprämien schon im Juni statt erst im Herbst auszahlen zu wollen. Kinos seien darüber hinaus bereits "seit Wochen dicht", und hätten zudem keine Chance auf Angebote wie Lieferdienste: "Sie brauchen daher Starthilfe, auch in der Phase der Wiedereröffnung", stellte Gerlach fest und kündigte eine Unterstützung in Höhe von zwölf Millionen Euro an für kleinere Kino mit bis zu sieben Sälen, aber auch für größere, inhabergeführte Häuser, die im Zuge der Corona-Krise in finanzielle Engpässe geraten seien.

Während Theater, Ballet und Kinos also auf einen Neustart hoffen können, sieht es im Bereich von Pop, Rock und Jazz noch vergleichsweise düster aus: "So etwas wie ein Rockkonzert ist, nach allen Erfahrungen, eher in sehr späten Zeitachsen zu sehen", sagte Söder im Zuge einer Fragerunde, und nannte zum Vergleich eine "Don Carlos"-Inszenierung, die wohl auf einer früheren Stufe denkbar sein werde.

So könne man sich laut Sibler eine Open-Air-Veranstaltung der Nürnberger Symphoniker in einem Park mit entsprechenden Abstandsregelungen und Konzepten durchaus vorstellen. Je mehr Teilnehmer, desto genauer werde man sich das allerdings ansehen müssen.

Söder stellte klar: "Open Air, das Wort suggeriert etwas, wo ich sehr zurückhaltend bin, das klingt nach Rock im Park, so ist es aber nicht gemeint."

Auch auf eine Definition des Begriffs Großveranstaltung wollte sich die Runde nicht festlegen lassen: Bis einschließlich 31. August bleiben alle Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern untersagt, bestätigte Sibler. danach werde man schauen müssen.

"Planungssicherheit ist das, was wir uns alle wünschen", ergänzte Söder. "Doch das ärgerliche an Corona ist nun einmal, dass es diese Planungssicherheit nicht gibt."

Text: Knut Schlinger