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"United We Stream" bilanziert und expandiert

Die Kampagne "United We Stream" hat in Berlin schon mehr als 450.000 Euro an Spenden gesammelt, weltweit in 45 Städten bereits rund 900.000 Euro. Die Aktion für den Fortbestand der Clublandschaft expandiert zudem in weitere Städte und Länder.

13.05.2020 17:36 • von Frank Medwedeff
Als 1. Vorsitzende der Clubccmmission maßgeblich an "United We Stream" beteiligt: Pamela Schobeß (Bild: Clubcommission Berlin)

Seit dem 18. März läuft die Kampagne "United We Stream" (unitedwestream.org) als Reaktion auf die Corona-Krise. Initiiert von der Clubcommission Berlin und Reclaim Club Culture, "vielen weiteren Akteur*innen aus der Clubszene" und dem gemeinnützigen Verein Berlin Worx e.V., sammelt die Kampagne Geld zur Rettung der Berliner Clubs. Seit der behördlich verordneten Schließung sind dafür bis dato "bereits über 450.000 Euro von mehr als 14.500 Einzelspender*innen" zusammengekommen, wie es aus der Hauptstadt heißt.

Zählt man die "45 Städte in 12 Regionen weltweit" zusammen, die sich mittlerweile "United We Stream" angeschlossen haben, sind demnach insgesamt "rund 900.000 Euro von 25.000 Unterstützer*innen gespendet" worden. Davon gehen acht Prozent an soziale Zwecke.

In Berlin werden diese Woche nach Angaben der Initiatoren die ersten 300.000 Euro an die Antragsteller ausgezahlt. Die Vergabe erfolgt unter Aufsicht eines zehnköpfigen Jury-Beirats auf Basis eines Verteilungsschlüssels, der einen fairen Vergabeprozess gewährleisten soll. Zudem gehen in dieser Runde 24.000 Euro der Spenden an den "Stiftungsfonds Zivile Seenotrettung" als zusätzliches solidarisches Zeichen, um die zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen.

Zwar seien nun die ersten Lockerungen der Einschränkungen seit Beginn der Covid-19 Pandemie auf dem Weg, "doch die Clubs und Musikspielstätten werden voraussichtlich zu den letzten Locations gehören, die ihre Türen wieder öffnen dürfen", verlauten die Clubcommission und ihre Partner. Daher werde "United We Stream" stetig weiterentwickelt und "mindestens solange weiter betrieben, wie die Schließung der Locations die finanzielle und kulturelle Existenz der Clublandschaft in Berlin und weltweit bedroht".

Für ihren Fortbestand sei die Clublandschaft jedoch auf weitere Unterstützung seitens der Politik "dringend angewiesen". Die Kampagne sei ein "komplementäres Funding" und könne "nur einen kleinen Beitrag als Hilfe zur Selbsthilfe leisten". Sie ermögliche den beteiligten Clubkulturstätten eine finanzielle Unterstützung sowie eine internationale Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Zudem sei die Kampagne bereits in zwölf Regionen außerhalb Berlins aktiv und expandiere in den nächsten zwei Wochen nach Frankfurt am Main und die Region Oberrhein von Basel bis Karlsruhe sowie "nach Stockholm/Schweden, Madrid/Spanien, Paris/Frankreich, Warschau/Polen, Singapur/Malaysien, Bangkok/Thailand und Ho Chi Minh City/Vietnam".

Um der sozialpolitischen Seite der Clubkultur ebenso eine Plattform zu bieten, wurde Anfang April das Debattenformat "United We Talk" ins Leben gerufen. Am 13. April wird hier die bereits 12. Folge gesendet - dieses Mal zum Thema "Fearless Futures: Feminismus und Solidarität". Das Debattenformat "United We Talk" begreife sich als "ein Raum, in dem politische, künstlerische und aktivistische Artikulation ihren Platz findet". Denn politische Veranstaltungen, die sonst in den Clubs stattfinden, ebenso wie Demonstrationen als auch Theater, Kinofilme, Performances oder Talk-Runden seien im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie aktuell kaum bis gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und verfügbar.

Um auch im virtuellen Raum die Werte und das emanzipatorische Selbstverständnis der Clublandschaft zu wahren und weiterzuentwickeln, habe "United We Stream" ein "Awareness-Manifest" zur Nutzung für alle Beteiligten aufgestellt. Das Manifest bilde die Grundlage zur Gestaltung der Live-Streams, "so dass alle Menschen sich dort möglichst wohl, frei und sicher fühlen" sollen.

Ein zentrales Anliegen der Kampagne ist es auch, dem Thema "Genderequality" nachzukommen. Um sich dem Thema anzunehmen, wurde seitens "United We Stream" von einem internen Arbeitskreis das Programm des ersten Monats diesbezüglich analysiert. Die Studie ergab mit 38,7 Prozent weiblichen Künstlerinnen, 58,2 Prozent männlichen Künstlern und 3,1 Prozent "diversen Künstler*innen" bis dato (noch) keine Parität. Dabei wurde nicht analysiert und in der Statistik gewichtet, in welchem Spektrum jeweils einzelne Clubs mit ihrem individuellen Booking zu finden sind, was die Geschlechterverteilung angehe, beziehungsweise ob ein Verteilungs-Überhang in die eine oder andere Richtung bestehe. "United We Stream" strebt im weiteren Verlauf ein Programm an, "das die Diversität der Clubkultur noch stärker in den Streams repräsentiert".