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Michow fürchtet "Zahlungsunfähigkeit" bei Tourabsagen auch für den Herbst

Für den Fall, dass auch die Herbsttourneen ausfallen, befürchtet BDKV-Präsident Jens Michow, dass dann 20 bis 25 Prozent der deutschen Veranstalter zahlungsunfähig sein könnten. Zugleich beziffert er die Höhe eines geforderten Sonderfonds auf 579,5 Millionen Euro.

27.04.2020 12:10 • von Dietmar Schwenger
Fordert erneut mehr Transparenz: BDKV-Präsident Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Für den Fall, dass auch die Herbsttourneen ausfallen, befürchtet BDKV-Präsident Jens Michow, dass dann 20 bis 25 Prozent der deutschen Veranstalter zahlungsunfähig sein könnten. Die kleineren Veranstalter könnten laut Michow nur noch bis Ende August durchhalten. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) führt er aus, dass Verbandsberechnungen zufolge bis Ende Mai etwa 80.000 Konzerte abgesagt sein werden.

Michow erteilt auch den Überlegungen eine Absage, dass man zum Beispiel in größere Hallen mit einer Kapazität für 3000 bis 4000 Personen wegen der Abstandsregeln nur 1000 Menschen lässt. "Das rechnet sich nicht und lässt sich nicht durchführen". Er kritisiert in der "SZ" in Hinblick auf die Definition von "Großveranstaltungen" die "mangelnde Transparenz darüber, was verboten ist". Weil das Ländersache ist, wünscht sich Michow "bei allem Respekt vor dem Föderalismus, dass der Bundesgesundheitsminister Entscheidungen an sich zieht. Solange sich die Länder nicht einigen, hängen wir in der Luft".

Zugleich beziffert Michow die Höhe des gemeinsam mit den anderen Musikverbänden geforderten Sonderfonds auf 579,5 Millionen Euro. Das seien zehn Prozent des geschätzten Umsatzverlusts für die gesamte Musikwirtschaft. Mit den Geldern sollen Unternehmen aus allen Bereichen vor der Insolvenz gerettet werden. Der BDKV-Präsident sagte der "SZ" zudem, dass man auch eine Diskussion darüber angeboten habe, "dass wir diesen Fonds zu gegebener Zeit unsererseits wieder aufstocken, damit diese Mittel langfristig zur Verfügung stehen".

Ebenfalls in der "Süddeutschen Zeitung" kritisiert Marek Lieberberg, CEO Live Nation GSA, die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass Konzert- oder Clubbesuche "verzichtbar" seien, als "ignorant oder arrogant". "Unser Kulturangebot präsentieren wir ohne Subventionen auf eigenes Risiko, begleitet von der Begeisterung von Millionen Fans für das Live-Erlebnis, das eine essenzielles Lebensgefühl unserer modernen Gesellschaft dokumentiert", so Lieberberg weiter.

"Viele Teile der Kreativ- und Kulturwirtschaft sind von einem Tag auf den anderen paralysiert worden", erläutert Lieberberg. "Meine Sorge gilt den vielen kleinen und mittleren Veranstaltern, aber auch dem Netzwerk von Dienstleistern, die es extrem hart getroffen hat, die nicht über Reserven verfügen und die jetzt Hilfe benötigen."

Die Zeitung zitiert zudem Johannes Mock-O'Hara, Geschäftsführer der Berliner Apassionata World GmbH. Bei den von Apassionata ausgerichteten Pferdeshows seien bislang 160.000 Tickets betroffen. "Das Problem ist, dass wir dies Shows nach der Krise zusätzlich stemmen müssen. Im Livegeschäft kann man nicht auf Halde produzieren." Der einstige Manager von Stage Entertainment hofft auf günstige Kredite der Banken, aber diese täten sich "notorisch schwer mit dem Vertrauen in eine Branche, die keine Maschinen herstellt, sondern Träume." Deswegen befürchtet er: "Viele Familienbetriebe stehen vor dem Ruin."