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pop rlp und Jazz RLP fordern Nachbesserungen bei Corona-Hilfe

Die rheinland-pfälzischen Landesverbände pop rlp und Jazz RLP bekräftigen in einem gemeinsamen Brief an die Landesregierung die Notwendigkeit "dringender Nachbesserungen" bei den Corona-Hilfsmaßnahmen, sonst drohe ein "Kulturinfarkt".

21.04.2020 14:03 • von Frank Medwedeff
Mitinitiator der Forderungen: Markus Graf, Geschäftsführender Vorsitzender LAG Rock & Pop RLP (Bild: Lutz Büchner)

In einem gemeinsamen Brief richten sich die Landesverbände pop rlp und Jazz RLP an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz und fordern darin dringende Nachbesserungen bei den Corona-Hilfsmaßnahmen.

Die Lage "für Künstler*innen in Rock, Pop und Jazz" sei prekär, heißt es in dem Schreiben. "Durch den plötzlichen Wegfall von Auftrittsmöglichkeiten verlieren die meisten ihre Haupteinnahmequelle." Nachdem in den letzten Jahren der Absatzmarkt von physischen Tonträgern "nahezu komplett eingebrochen" sei, habe sich der Fokus der Musikerinnen und Musiker und der angeschlossenen Dienstleister auf den Live-Sektor fokussiert. Doch nun falle auch dieser "komplett aus".

"Die meisten Musiker*innen sind aktuell nicht mehr in der Lage, die Kosten für ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften, und die Prognosen lassen erwarten, dass noch geraume Zeit auf Konzerte verzichtet werden muss. Doch auch wenn Konzerte wieder genehmigt werden, ist durch Vorsichts- und Schutzmaßnahmen mit längerfristigen wirtschaftlichen Negativ-Folgen für den Live-Sektor zu rechnen", formulieren die beiden Landesverbände weiter.

Die großflächigen Hilfsmaßnahmen des Bundes und der Länder greifen demnach "leider kaum bei den Kulturschaffenden". Bei den Corona-Soforthilfen für Soloselbstständige und Freiberufler gehe es vorrangig um die Anrechnung von Betriebskosten, "die viele Künstler*innen nicht haben". Und mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 13.000 Eurp pro Kopf laut der Künstlersozialkasse verdienen, wie pop rlp und Jazz RLP zu bedenken geben, "die meisten zu wenig, um große Rücklagen gebildet zu haben oder nun zusätzliche Kredite aufnehmen und diese abzahlen zu können".

Auch die Beantragung des "Corona-Grundeinkommens" sei derzeit mit zu hohen Hürden verbunden. Hier verhinderten "oft die Bedarfsgemeinschafts-Regelung oder die Antragstellung an sich die dringend benötigten Hilfen".

Die Landesverbände für Rock/Pop und Jazz in Rheinland-Pfalz fordern die Landesregierung daher auf, "sich beim Bund dafür einzusetzen, dass bei den vom Bund gewährten Soforthilfen für Soloselbstständige auch Gagen- und Honorarausfälle beziehungsweise wie in Baden-Württemberg zumindest die Lebenshaltungskosten angerechnet werden dürfen".

Zudem müsse beim "Corona-Grundeinkommen" nach Ansicht der Verbände die Prüfung der Bedarfsgemeinschaft ausgesetzt werden, die Altersversorgung unangetastet bleiben und die Antragstellung bei den Jobcentern weiter vereinfacht werden. Darüberhinaus solle Rheinland-Pfalz "eine unbürokratische Soforthilfe auf Landesebene in Form eines Soforthilfe-Fonds für Freischaffende und Soloselbstständige" gewähren.

Mit diesen Forderungen schließen sich die beiden Verbände "den zahlreichen Hilfsforderungen zigtausender Künstler*innen landes- und bundesweit sowie von Dachverbänden wie dem Deutschen Musikrat oder der Deutschen Jazz Union an, die ebenfalls dringend notwendigen Handlungsbedarf sehen, wenn das kulturelle Leben in den Ländern und im Bund in seiner Vielfalt und Reichhaltigkeit bestehen bleiben soll". Andernfalls drohe "ein Kulturinfarkt, dessen Folgen langjährig und weitreichend zu spüren sein werden - auch in Rheinland-Pfalz".