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Ki Records will den herben Schlag der Krise mit Enthusiasmus meistern

Das Team von Ki Records wollte mit dem Album "Lys" von Christian Löffler das zehnte Jahr der Labelgeschichte begleiten. Doch zur VÖ sorgte die Corona-Krise für geschlossene Plattenläden und Clubs. Im Gespräch mit MusikWoche erläutern Paul Kadow und Sarah Fürst-Wilhelm, wie sie mit Ki Records durch die Krise navigieren, was die Lage für weitere Veröffentlichungen bedeutet und warum sie dennoch zuversichtlich sind.

09.04.2020 10:21 • von
Navigieren mit Ki Records durch die Corona-Krise: Sarah Fürst-Wilhelm und Paul Kadow (Bild: Ki Records)

Das Team von Ki Records wollte mit der Veröffentlichung von Lys", dem vierten Album von Labelmitbegründer Christian Löffler, das zehnte Jahr der Labelgeschichte begleiten. Als das Album am 19. März 2020 erschien, sorgte die Corona-Krise für geschlossene Plattenläden und Clubs. Im Gespräch mit MusikWoche erläutern Labelmitbegründer Paul Kadow und die frisch an Bord geholte Produktmanagerin Sarah Fürst-Wilhelm, wie sie mit Ki Records durch die Krise navigieren, was die aktuelle Lage für weitere Veröffentlichungen bedeutet und warum sie dennoch zuversichtlich auf die kommenden Jahre schauen.

MusikWoche: Was gab den Anstoß, das Label von zehn Jahren zu gründen?

Paul Kadow: Es wollte damals niemand die Musik von Christian Löffler veröffentlichen, da haben wir uns überlegt, es selber zu machen. Das war im wahrsten Sinne eine Schnapsidee, als Christian und ich uns nach Silvester in seiner Bude in Greifswald - wohl noch nicht ganz nüchtern - dazu entschieden haben.

MusikWoche: Wer war damals mit dabei?

Paul Kadow: Ich habe damals in Köln gewohnt und hatte viel Unterstützung von Freunden. Mein guter Freund Mitch Kastens war zum Beispiel mit dabei, der heute sehr erfolgreich das Poller Wiesen Festival im Ruhrgebiet organisiert und mit Cologne Sessions auch seine eigene Partyreihe im Jaki Club, ehemals Studio672, hat.

MusikWoche: Was war die erste Veröffentlichung, was die bislang erfolgreichste?

Paul Kadow: Die erste VÖ war tatsächlich eine 12-Inch-Vinyl mit vier Tracks von Christian Löffler namens "Heights", die erfolgreichste VÖ war auch von Christian Löffler, "Mare", ein absoluter Kassenschlager!

MusikWoche: Macht Ki vor allem Labelarbeit, oder zählen auch Aufgaben in Bereichen wie Management, Publishing oder Booking mit zum Portfolio?

Paul Kadow: Wir machen in erster Linie Labelarbeit und Management, wobei das Management sich wirklich nur auf die drei Kühnster Aparde, Christian Löffler und Fejká konzentriert. Unser Verlag Ki Music Publishing ist an den englischen Verlag Manners McDade angeschlossen. Booking machen wir selber gar nicht, arbeiten aber sehr eng mit der Bookingagentur von Ralf Diemert, Von der Haardt, zusammen.

__"FÜR UNS UND UNSERE KÜNSTLER IST DIESE KRISE EIN HERBER SCHLAG"

MusikWoche: Die Corona-Krise wird immer wieder als existenzbedrohend für viele KMUs bezeichnet, wie schätzen Sie die Lage für Ki Records ein?

Paul Kadow: Für uns und unsere Künstler ist diese Krise wirklich ein herber Schlag! Aber das geht sicher allen so, die von Konzerten und Plattenverkäufen leben müssen. Zum Glück leben wir in Zeiten von Streaming, was einen nicht unerheblichen Anteil an unseren Einkünften ausmacht. Also wir werden durchkommen, aber haben auch hohe finanzielle Ausfälle.

MusikWoche: Wie viele Existenzen sind bei Ki Records derzeit betroffen (Inhaber, Mitarbeiter, Dienstleister in Sachen PR, Grafik, Management, Touring)?

Paul Kadow: Seit Februar sind wir bei Ki Records zu dritt, Sarah Fürst-Wilhelm, vorher sieben Jahre bei Warner Music Germany, ist nun als Produktmanagerin mit dabei und arbeitet in unserem neuen Büro in Hamburg. Außerdem arbeiten wir bei Ki mit einem festen Stamm an freien Mitarbeitern, wie der PR-Agentur Le Tigre Noir.

__"EINE VESCHIEBUNG DES ALBUMS STAND ZU KEINEN ZEITPUNKT ZUR DEBATTE"

MusikWoche: Die Ausgangsbeschränkungen kamen hierzulande quasi "genau passend" zur inzwischen erfolgten Veröffentlichung des Albums "Lys" von Labelmitbegründer Christian Löffler. Haben Sie noch überlegt, den VÖ-Termin zu schieben?

Sarah Fürst-Wilhelm: Eine Verschiebung des Albums stand tatsächlich zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Die internationale Albumkampagne lief bereits seit Dezember und unser VÖ-Set-up mit unseren physischen und digitalen Vertriebspartnern Indigo und The Orchard stand, inklusive geplanter Kooperationen. Das wollten wir nicht von heute auf morgen stoppen, vor allem nicht eine Woche vor Album-Release.

MusikWoche: Wie sah Ihre Kalkulation vor der VÖ aus, zum Beispiel in Hinblick auf physische Verkäufe über den Fachhandel und den Versandhandel? Wie sah es mit den Erwartungen im digitalen Bereich aus und haben sich die erfüllt?

Sarah Fürst-Wilhelm: Sicherlich haben die Schließungen der Plattenläden dazu beigetragen, dass wir weniger Vinyl und CDs verkaufen konnten. Auch Märkte wie Italien und die USA sind momentan gar nicht mit physischen Tonträgern versorgt. Wir haben einen eigenen Ki Onlineshop, der sehr gut angenommen wird, natürlich haben wir aber auch hier Einschränkungen, zum Beispiel was den Versand in die USA betrifft. Als internationales Label und mit Christian Löffler als einem Künstler, der auch jedes Jahr in der USA auf Tour ist, haben wir auch dort vernünftige Nachfrage nach physischen Produkten.

__"TERMINE IM HERBST SIND GERADE SEHR GEFRAGT"

MusikWoche: Was wiegt aktuell in Hinblick auf die Lage des Labels und des Künstlers schwerer: die Album-VÖ in die Krise hinein oder die Verschiebung von Auftritten in den Herbst?

Paul Kadow: Ganz klar wiegt die Verschiebung der Tour auf den Herbst und teilweise sogar ins nächste Jahr hinein sehr schwer, denn das trifft nicht nur in erster Linie uns als Label, aber vor allem unsere Künstler und die Veranstalter und Bookingagenten. Das Album wird auch nach der Krise noch gehört, da mache ich mir keine Sorgen, aber ein Konzert, das du heute noch spielen kannst, kannst du maximal durch hochverlegen der Veranstaltung in einen größeren Saal und mehr Ticketverkäufe kompensieren. Aber selbst das wird nicht überall möglich sein. Und Termine im Herbst sind gerade sehr gefragt. Ob die Club- und Konzertlandschaft bis dahin noch so existiert wie wir sie kennen, sei mal dahingestellt.

MusikWoche: Wenn nun ein Frühjahrsschwerpunkt beim künstlereigenen Label nicht so läuft, wie vielleicht erhofft, was für Auswirkungen hat das in Hinblick auf weitere Projekte für den Sommer, den Herbst oder das Saisongeschäft?

Sarah Fürst-Wilhelm: Ki ist ein innovatives junges Label und wir haben uns direkt auf die neuen Gegebenheiten und Möglichkeiten eingestellt, Christian Löffler hat zum Beispiel bereits zusammen mit NDR Kultur eine Live Session aus seinem Studio gestreamt und damit über 60.000 Zuschauer erreicht. Weitere Aktionen werden folgen. An unseren anderen Releases halten wir ebenfalls fest, Janus Rasmussen und Fejká sind nur einige der Künstler, die in den nächsten Wochen Tracks herausbringen werden. Auch The Micronaut wird im Sommer zum ersten Mal über Ki Records ein Album veröffentlichen, daran arbeiten wir nun umso intensiver und kreativer.

Paul Kadow: Wir müssen aber definitiv den Gürtel enger schnallen und haben weniger Budget für kommende Veröffentlichungen zur Verfügung.

MusikWoche: Haben Sie bereits Anträge auf Unterstützung bei Bund oder Land, bei GEMA oder GVL gestellt?

Paul Kadow: Aktuell gibt es wirklich nur einen Liquditätsengpass und dafür habe ich auch einen Antrag beim Land Mecklenburg-Vorpommern gestellt sowie eine Stundung der Gewerbesteuer beantragt. Ich denke, Ende Mai wird das aber überstanden sein.

__"DURCH DIE KRISE KOMMEN WIR OHNE GRÖßERE PROBLEME"

MusikWoche: Kann Ki Records die aktuelle Krise abwettern?

Paul Kadow: Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen, durch die Krise kommen wir ohne größere Probleme durch.

MusikWoche: Wo sehen Sie das Label in einem Jahr?

Paul Kadow: Als etabliertes Indie-Label mit einem starken Artist Roster und einem enthusiastischen Team, daran wird sich nichts ändern.

MusikWoche: Und wo zum 20.?

Paul Kadow: In zehn Jahren bin ich in Rente, das muss Sarah beantworten.